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Austin-Schlappe wirft Fragen auf: Mercedes-Felgen doch nicht legal?

Verzichtete Mercedes auf die Wunderfelgen, weil das Team einen Ferrari-Protest und eine Disqualifikation nicht riskieren wollte? - Frage nach Primärnutzen entscheidend

(Motorsport-Total.com) - Mercedes' gelochte Aerodynamik-Felgen sind wieder Gesprächsthema Nummer eins im Formel-1-Fahrerlager: Nachdem die FIA den Techniktrick für legal befunden hatte, verzichteten die Silberpfeile beim US-Grand-Prix am vergangenen Wochenende überraschend auf das Design - und hatten prompt Probleme, die Reifentemperaturen in den Griff zu bekommen. In Austin setzte es die erste Niederlage gegen Ferrari seit dem Rennen in Belgien im August. Waren die Felgen der Grund?

Felgen bei Mercedes

Die kleinen Bohrungen der Mercedes-Felgen sind der entscheide Trick Zoom

Fakt ist: Die Felgen an der Hinterachse sind seit Spa-Francorchamps Dauerbaustelle bei Mercedes. Nach der Sommerpause präsentierten die Designer einige harmlos wirkende Änderungen (siehe im Bild unten), vor allem ein geripptes Muster bei der Lochung und größere Finnen am äußeren Rand.

Ziel war es, aus der Felge einen effizienteren Kühlkörper zu machen - also die wärmeabgebende Oberfläche des wärmeproduzierenden Bauteils zu vergrößern, damit mehr Hitze abgegeben wird.

Felge Mercedes F1 W09

Die Felge des Mercedes W09 verfügt über einen besonderen Ring an der Radnabe Zoom

Positiver Nebeneffekt der Konstruktion ist, dass der umliegende Luftstrom genutzt werden kann, um die Felgen zusätzlich zu kühlen. Damit sinken automatisch die Reifentemperaturen. Es wird unliebsamen Phänomenen wie Überhitzen und Bläschenbildung ("Blistering") entgegengewirkt.

Neu war die Idee nicht, allerdings scheiterte Mercedes bis dato immer an der Umsetzung. Man war nicht in der Lage, die Finnen ausreichend groß zu gestalten, weil der Platz in diesem Bereich durch die Bremstrommeln begrenzt ist. Daran hat sich nichts geändert, doch in Singapur drei Wochen später beschritt das Team einen alternativen Weg zur Lösung des Problems: Löcher im Inneren der Felge rund um eine überarbeitete Radnabe herum, die die Kühlung der Hinterräder weiter optimieren.

Vorderachse bei Red Bull (2012)

Die Vorderachse des Red Bull RB8 von 2012 wurde für illegal befunden Zoom

Es folgte die Ferrari-Beschwerde, die die FIA abschmetterte. Offensichtlich deshalb, weil die Löcher vorrangig dazu dienen, die Temperaturen in den Griff zu bekommen und keine beweglichen Aerodynamik-Teile sind - so wie es beim Präzedenzfall Red Bull im Jahre 2012 der Fall war.

Bei Mercedes dreht sich das Design - im wahrsten Sinne des Wortes - um den Luftstrom zwischen den Bremskomponenten und der Felge. Im Gegensatz zum RB8 (siehe Zeichnung oben) ist die Achse kein Teil des Konzepts. Stattdessen wird die Luft durch die Löcher und die Bremse geführt.

Radnabe bei Mercedes

Die Radnaben verfolgen bei Mercedes ein ausgeklügeltes Konzept Zoom

Der Ring um die Radnabe herum wird genutzt, die Luft in verschiedene Richtungen zu streuen. Seine kleinen Löcher ermöglichen es, dass die Luft auch in das Innere der Felge strömt (in der Zeichnung den roten Pfeil hervorgehoben) und durch kleine Bohrungen (weißer Pfeil) wieder heraus.

Schon zuvor nutzte Mercedes Speichen mit großen Hohlräumen, um mehr Luftzirkulation zwischen Felge und Reifen zu ermöglichen - ebenfalls mit dem Ziel, die Kerntemperaturen abzusenken. Das Konzept wurde aber verfeinert und in Einklang mit den neuen Finnen auf der Außenseite gebracht. Das äußere Ende der Speichen liegt nun exakt am Außenrand der Kammer im Felgeninneren an.

Radnabe bei Mercedes

Detaillierter Blick auf den raffinierten Bremsschacht bei Mercedes Zoom

Es entsteht ein Kanal für den Fluss von Wärme, der dafür sorgt, dass die Hinterreifen nicht überhitzen sowie länger und konstanter Grip liefern. Der Schlüssel zu den jüngsten Mercedes-Erfolgen.

Möglicherweise machte das Team einen Rückzieher, weil es fürchtete, Ferrari könnte nach der Zieldurchfahrt in Austin einen formalen Protest gegen die Regelkonformität des W09 einlegen - mit der Begründung, dass die primäre Funktion der Löcher doch eine aerodynamische ist. Die Devise war es wohl, kein Risiko einzugehen und die Sache mit der FIA abschließend zu klären, was ein Comeback der Felgen in Mexiko denkbar erscheinen lässt. Sollte alles regelkonform sein, ist zu erwarten, dass spätestens 2019 nicht nur Ferrari, sondern auch alle anderen Mannschaften nachziehen.

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