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Auspuff-Trick: Clevere Lösung oder einfach illegal?

Die Auspuff-Varianten von Caterham und Williams spalten das Fahrerlager - Williams hält seinen Trick für legal, die FIA wird die Lösung aber wohl nicht akzeptieren

(Motorsport-Total.com) - In Zeiten von immer wieder auftauchenden Plagiatsvorwürfen macht auch die Formel 1 nicht vor dem großen Thema in den Medien halt. Das neuste Opfer: Williams. Der britische Traditionsrennstall schaffte es mit seinem neuen FW35, bei der ersten Ausfahrt gleich alle Aufmerksamkeit auf die Legalität des neuen Auspuffsystems zu ziehen und eiferte damit komplett der Caterham-Diskussion von vor zwei Wochen nach. Argwöhnisch beobachteten alle Teams die Lösungen der beiden Rennställe, deren Einsatz beim Saisonauftakt in Melbourne noch in den Sternen steht.

Williams-Heck

Das Heck des Williams FW35 stand heute im Zentrum der Aufmerksamkeit Zoom

Doch worum geht es genau? Ausströmende Abgase dürfen laut Reglement nicht mehr zu aerodynamischen Zwecken verwendet werden. Dafür hat die FIA in ihrem technischen Regelwerk einen Passus eingeführt, in dem genau steht, wie die Umgebung um den Auspuff herum auszusehen hat. Caterham und Williams wollen diese Regeln mittels eines Tricks umgehen können, doch viele Zweifel ob der Legalität dieser Teile stehen im Raum.

Bei Caterham scheint die Sache eindeutig: Über dem Schacht ist eine horizontale Fläche angebracht. Den Bereich nach dem Element kann man als zweiten Schacht interpretieren - das wäre illegal. Williams hat diese Idee ein wenig weiter gedacht: Die Abdeckung im Auspuff des FW35 weist einen kleinen Schlitz auf, der erst bei näherem Hinsehen zu erkennen ist. "Es ist kein einziges Teil, es sind zwei", verteidigt Williams-Technikchef Mike Coughlan. Von einer geschlossenen Abdeckung kann somit nicht mehr gesprochen werden. "Für mich ist die Caterham-Lösung nicht in Ordnung, unsere hingegen schon."

FIA empfiehlt Ausbau der Teile

Für die anderen Teams sind beide Lösungen nicht legal. Nun soll sich die FIA um Renndirektor Charlie Whiting der Sache annehmen. Dieser erklärte bereits, wo das Problem in der Betrachtung liegt: "Die seitlichen Wände des Schachtes müssen vertikal sein und dürfen oben nicht zusammenlaufen. Wir wollen noch nicht einmal, dass einer einen Tunnel auch nur andeutet. Jegliche Abdeckung, ob offen oder geschlossen, verstößt dagegen." Somit dürfte zumindest die Caterham-Lösung den Saisonstart in Australien nicht erleben.


Fotos: Testfahrten in Barcelona, Dienstag


Ob dies bei Williams der Fall sein wird, werden die kommenden Tage zeigen. Mercedes-Teamchef Ross Brawn meint, die FIA müsse in dem Fall standhaft bleiben - auch der Konsequenzen wegen, sonst würden die technischen Aufrüstungen der Teams wieder auswuchern. Auch bei Williams sucht man natürlich Klarheit in dieser Angelegenheit: "Das Team hat mit der FIA heute Morgen gesprochen, da haben sie uns ihre Sicht mitgeteilt", wird eine Sprecherin des Teams zitiert. "Wir suchen nun Klarheit und eine Entscheidung, ob das Design fortgeführt wird, fällt noch vor dem ersten Rennen."

Medienberichten zufolge soll der Weltverband Williams schon mitgeteilt haben, dass man die Auspuffvariante nicht akzeptieren werde - allerdings sei dies nur eine beratende Aussage gewesen. Das Team laufe Gefahr, beim ersten Rennen disqualifiziert zu werden. Beim Test sind die Teile derzeit natürlich erlaubt. Darauf stützt man sich auch bei Caterham: "Die Absicht eines Tests ist zu testen und zu verstehen, was vor sich geht", erklärt Teamchef Cyril Abiteboul. "Es versucht derzeit eben jeder zu verstehen, wie der Auspuff-Effekt funktioniert und was er tut. Alles was dir dabei hilft, ist willkommen - zumindest bei den Tests. Wir werden schauen, wie die Klarstellung vor dem ersten Rennen aussehen wird."

Maldonado ist Diskussion egal

Caterham-Auspuff

Bei Caterham ist der Flap im Auspuffschacht deutlich zu erkennen Zoom

Bisher ging man bei den Grün-Gelben davon aus, mit der Auspuff-Lösung des CT03 im grünen Bereich zu liegen. "Meiner Einschätzung nach liegen wir innerhalb des Reglements. Wir haben das bereits im letzten Jahr getestet, und niemand hatte etwas zu beanstanden", so der Teamchef weiter. Zumindest vorerst werde man sich nicht von einer Entscheidung beirren lassen, bestätigt ein Sprecher des Teams: "Wir werden weitere Optionen testen, das ist unser normales Programm." Das umstrittene Teil soll inzwischen aber entfernt sein.

Anders sieht es derzeit noch bei Williams aus. Fahrer Pastor Maldonado ist es egal, ob der Auspuff für legal oder illegal erklärt wird. Der Venezolaner ist davon überzeugt, dass der FW35 auch ohne Trick konkurrenzfähig sein wird: "Es ist ein Standard-Coanda", erklärt er. "Es gibt Dinge, die wir testen und die wir für die Zukunft ausprobieren. Wir kennen die Regeln und geben alles um 100 Prozent herausholen zu können - nicht nur aus dem Auspuff, sondern aus dem gesamten Auto." Der Barcelona-Sieger von 2012 ist sich hundertprozentig sicher, dass das Team in Melbourne um gute Platzierungen kämpfen wird. Wie viel die Auspuff-Variante letztlich bringt, werden sowieso nur die Teams selbst wissen

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