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  • 22.04.2015 · 10:37

  • von Gary Anderson (Haymarket)

Analyse Qualifying-Duelle: "Nicht die besten Fahrer der Welt"

Technik-Experte Gary Anderson nimmt Zeittrainings unter die Lupe: Überraschungen Fehlanzeige, faule Ausreden im Überfluss - auch von Rosberg und Räikkönen

(Motorsport-Total.com) - Kaum sind in der Saison 2015 vier Formel-1-Grands-Prix absolviert, bedienen sich viele Fahrer abgedroschener Entschuldigungen und Ausreden, um zu erklären, warum sie langsamer sind als ihre Teamkollegen. Mir ist bewusst, dass kleine Probleme eine Rolle spielen können, das Qualifying zeigt beim Herausquetschen einer Rundenzeit jedoc im Regelfall, wer beim puren Tempo die Nase vorne hat. Das ist - aus meiner Sicht - der interessante und aussagekräftigste Teil des gesamten Rennwochenendes.

Nico Rosberg, Lewis Hamilton

Bei Mercedes spricht das Qualifying-Duell eine klare Sprache pro Hamilton Zoom

Egal, welchen Piloten man fragt: Es bedeutet die Welt, den Teamkollegen zu schlagen. Wenn man 19. von 20 wird, ist das Gefühl in Ordnung - solange der Kerl dahinter der Stallgefährte ist. Das ist der Grund, warum Manor-Neuling Will Stevens mit seiner Leistung am Samstag in Bahrain zufrieden sein dürfte. Wird man aber Dritter, während der Teamkollege sich die Pole-Position schnappt, ist es etwas komplett anderes, selbst wenn man am richtigen Ende der Staraufstellung positioniert hat.

Wenn man im Qualifying stets langsamer ist als der Teamkollege, wird man auch im Rennen eher häufiger als seltener hinter ihm landen. Schließlich ist damit eine Reihe weiterer Nachteile verbunden. Das Hauptaugenmerk des Teams gilt einem anderen, meistens gibt es nur die zweitbeste Strategie - obwohl es Nico Rosberg am vergangenen Wochenende gestattet wurde, seinen ersten Boxenstopp vor seinem Mercedes-Kompagnon Lewis Hamilton zu machen, um Sebastian Vettel den Vorteil eines zwei Runden früheren Stopps zu nehmen.

Nico Rosberg: Über was bitte beschwert er sich?

Das Schlimmste ist: Das Team wird anfangen, sich am führenden Fahrer zu orientieren und ehe man sich versieht, ist man die berühmte "gute Nummer zwei". Ab diesem Punkt stehen auf der eigenen Seite der Box viel weniger Leute als auf der des Teamkollegen.

Einige Beispiele: In China motzte Rosberg wegen Hamilton, weil er ihm im Rennen vermeintlich eine Schikane war. Er stand in der Startaufstellung aber hinter Lewis und rollte als Zweiter um den Kurs, über was beschwert er sich also? Er wurde als "gute Nummer zwei" eingesetzt. Im Qualifying von Bahrain ging es nur um die Reifenstrategie. Also entschied man sich bei ihm, etwas anderes auszuprobieren, weil sie (und damit ist auch er selbst gemeint) es für die größte Chance hielten, Hamilton zu schlagen.


Fotostrecke: Die heißesten Teamduelle

Es klappte nicht. Rosberg fuhr eine vorsichtige Runde in Q2, um den Satz der weichen Pirelli-Mischung, auf dem er das Rennen starten wollte, zu schonen. Dann entschied er sich für eine konservative erste Runde in Q3 auf gebrauchten Pneus, was bedeutet, dass er nicht in der Lage war, sein Maximum abrufen. Damit muss er leben.

Kimi Räikkönen hatte in Bahrain ein gutes Rennen. Er wurde Zweiter, aber seine Leistung im Qualifying war nicht perfekt. Er war 0,245 Sekunden langsamer als sein Ferrari-Teamkollege Sebastian Vettel. Er räumte ein, den Grip auf der Strecke unterschätzt zu haben. Räikkönen sagt immer wieder, er müsse Patzer im Zeittraining ausmerzen - um dann in Bahrain zu behaupten, er hätte mehr Druck machen müssen. Hätte er das getan, hätte sich dann auch wieder der Fehlerteufel eingeschlichen?

Klare Hackordnungen - außer bei Toro Rosso

Überfährt er das Auto, weil er sicherstellen will, dass man ihn nicht vergisst? Klartext: Der Ferrari-Neuling Vettel macht im anderen Auto einen guten Job. Rosberg und Räikkönen sind Piloten von Weltklasse. Trotzdem gilt es zu akzeptieren, dass wenn alles normal läuft, Hamilton und Vettel einen Tick schneller sind. Sie befinden sich in Topform und beweisen mehr Fingerspitzengefühl für die Situation, als sie es je zuvor getan haben. Dieser kleine aber feine Unterschied zieht sich durch das ganze Feld.


Verstappen vs. Sainz: Das Autogramm-Battle

Welcher Toro-Rosso-Pilot kann in zwei Minuten mehr Autogramme schreiben? Max Verstappen oder doch Carlos Sainz? Weitere Formel-1-Videos

Es war in den vergangenen Wochen viel von Nummer-eins-Status zu hören: Warum Vettel und Fernando Alonso ihn hätten - und ich bin mir auch ziemlich sicher, dass es genau das ist, was Hamilton bei Mercedes verlangt. Geld bedeutet viel, aber diese wenigen Worte im Vertrag sind der Grund, warum jemand derjenige welcher ist. Rückblickend hätte ich gesagt, dass folgende Piloten die Nummer eins in den eigenen Reihen sein würden:

Was Gary Anderson vor der Saison tippte:

Mercedes: Lewis Hamilton
Ferrari: Sebastian Vettel
Williams: Valtteri Bottas
Red Bull: Daniel Ricciardo
McLaren: Fernando Alonso
Lotus: Romain Grosjean
Force India: Nico Hülkenberg
Toro Rosso: steht noch zur Debatte
Sauber: Felipe Nasr
Manor-Marussia: Will Stevens

Stevens ist kein Pilot, von dem ich vor seinem Erscheinen in der Formel 1 allzu viel gewusst hätte. Unter schwierigen Bedingungen entpuppt er sich jedoch als kompetent. Bei Toro Rosso legen sowohl Carlos Sainz als auch Max Verstappen hohe Standards an den Tag, was es schwierig macht, einen Favoriten zu küren. So gestalten sich nach vier Grands Prix die teaminternen Duelle im Qualifying (weitere interessante Statistiken in unserer umfangreichen Datenbank)!:

Stand der Qualifying-Duelle nach vier Rennen:

Mercedes: Hamilton - Rosberg 4:0
Ferrari: Vettel - Raikkonen 4:0
Williams: Massa - Bottas 3:1
Red Bull: Ricciardo - Kwjat 4:0
McLaren: Alonso/Magnussen - Button: 0:3
Lotus: Grosjean - Maldonado 4:0
Force India: Perez - Hülkenberg 1:3
Toro Rosso: Sainz - Verstappen 2:2
Sauber: Ericsson - Nasr 1:3
Manor-Marussia: Stevens - Merhi 2:0
Anmerkungen: Button war nicht in der Lage, in Bahrain seine Zeit zu setzen; Manor-Marussia hat nur bei den zwei jüngsten Grands Prix beide Autos eingesetzt.

Felipe Massa, Valtteri Bottas

Massa überrascht im Williams-Duell mit Rückenpatient Bottas Zoom

Die Ausnahme: Ich habe Valtteri Bottas bei Williams als den führenden Mann gesehen und nicht Felipe Massa. Er fährt gut, aber der Finne wurde von seinen Rückenproblemen geschwächt. In Bahrain sagte er, er habe erstmals kein Unbehagen damit gehabt - und er war sofort schneller als der Teamkollege. Massa ist ein erfahrener Pilot, aber Bottas hat unter Beweis gestellt, das Zeug dazu zu besitzen, ein echter Topmann zu sein. Er wird nur noch besser.

Es ist an der Zeit, es sich einzugestehen, dass aktuell nicht die 20 besten Piloten der Welt in der Formel 1 fahren. Sie sind alle ziemlich gut, aber es gibt bessere Fahrer und das erste Ziel der gesamten Formel 1 sollte es sein, sie alle zu vereinen. Leider ist es unausweichlich, dass einige Teams die Mitgift höher bewerten müssen als das Talent, weil es so viele finanzielle Schwierigkeiten gibt. Obwohl die Standards im Feld hoch sind, gibt es derzeit sicher Fahrer, die ihren Platz nicht hätten, würde es sich ausschließlich um die Besten der Welt handeln.

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