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Mercedes' Bremsprobleme: Risiko bewusst in Kauf genommen

Das elektronische Bremspedal schaltete ab, der Seilzug übernahm: Um das Auto schneller zu machen, gingen die Silberpfeile bei der Kühlleistung Kompromisse ein

(Motorsport-Total.com) - Im vergangenen Jahr waren Teamfehden und technische Defekte das einzige, was das Mercedes-Team zu stoppen vermochte. Nachdem vor zwei Wochen in China der erste Fall beinahe eingetreten wäre, drohte beim Bahrain-Grand-Prix der zweite: An den Autos von Lewis Hamilton und Nico Rosberg traten kurz vor dem Ende Bremsdefekte auf. Genauer gesagt: Das "Brake-by-Wire"-System, das elektronische Bremspedal, versagte und schaltete auf die konventionelle Technik mit Seilzug um.

Nico Rosberg

Nico Rosberg hatte mit den Bremsen in Bahrain seine liebe Mühe Zoom

Hamilton, der zum fraglichen Zeitpunkt komfortabel in Führung lag, beschreibt bei 'Sky Sports F1': "Das Pedal wird sehr lang." Denn "Brake-by-Wire" ist eine elektronische Technik, die nicht nur über die Bremsscheiben funktioniert, sondern automatisch auch den Motor bremst. Fällt sie aus, muss das gesamte System rekalibriert werden und die Bremsleistung fällt deutlich ab. Obwohl er eine komplette Runde ohne die High-Tech fuhr, rettete sich der Weltmeister: "Ich habe schnell reagiert und alles auf die Ausgangsposition zurückgesetzt - es war quasi ein Neustart."

Weniger glimpflich lief die Panne bei Rosberg ab, der seine zweite Position an Kimi Räikkönen verlor. "Bei Nico haben wir den Bremsdefekt kommen sehen, bei Lewis war es eine Überraschung", erklärt Mercedes-Sportchef Toto Wolff. Grund war offenbar die hohe Belastung auf der Strecke in der Sachir-Wüste, die sich durch lange Geraden und harte Bremspunkte auszeichnet. Dazu ist trockene Hitze für die Kühlung eines Autos schlechter geeignet als die feuchte Tropenhitze wie etwa in Malaysia.

Hamilton: Siegessicher trotz Bremsproblemen

Wenn dann auch noch Verkehr ist, wird die Lage brisant: "Am Ende, mit den Überrundungen, ist es ausgeufert", meint Wolff. "Wir hatten bei beiden Autos einen Fehler im 'Brake-by-Wire'-System, in der gleichen Kurve. Beim harten Bremsen am Ende der Geraden sind die Temperaturen in die Höhe geschossen." Zwar war der Kommandostand von den Telemetriedaten gewarnt, wusste aber nicht, wann genau die Verzögerungsleistung zusammenbrechen würde. "Die Warnleuchte geht erst an, wenn es passiert ist", so Wolff.

Dass auch Hamilton in Schwierigkeiten geriet, müsse damit zu tun gehabt haben, dass er auf den Druck Räikkönens reagierte und in Sachen Rundenzeiten nochmals zulegte, meint der Teamboss. Der Brite zeigt sich unbeeindruckt von dem Defekt und lobt den W06. Um seinen Sieg hätte er trotz der Turbulenzen nicht gefürchtet: "Ich hatte das Tempo und hätte jeden kontern können. Das war ein tolles Gefühl, diese Kontrolle zu haben. In der vorletzten Kurve dachte ich nur: 'Ich liebe dieses Auto!'" 'Sky'-Experte Marc Surer schenkt dem Glauben: "Ich hatte immer das Gefühl, dass er Reserven hatte. Ich glaube nicht daran, dass man ihn hätte schlagen können."

Die Ursachen reichen weiter zurück, denn der eigentliche Grund für die Anfälligkeit der Silberpfeile war ein Setupproblem. Obwohl Wolff die Maßnahmen, die von Freitag auf Samstag ergriffen wurden, als "richtig" bezeichnet und "vom schnellsten Auto auf beiden Reifenmischungen" spricht, ging Mercedes bewusst ein Risiko ein: "Wir wussten, dass unsere Änderungen etwas zu Lasten der Bremstemperaturen gehen würden. Das war uns klar. Die vielen Überholmanöver, gerade von Nico, haben beide Autos in Schwierigkeiten gebracht", so Wolff mit Blick auf den Teufelskreis des Hinterherfahrens, des abreißenden Luftstroms und der mangelnden Kühlung.

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