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Alonso: Aston-Martin-Saison wäre vor einem Jahr "undenkbar" gewesen

Fernando Alonso zieht nach seiner ersten Aston-Martin-Saison ein positives Fazit und betont, niemand habe mit den 2023 erreichten Erfolgen rechnen können

(Motorsport-Total.com) - "Ich erinnere mich noch genau an den Test im letzten Jahr nach dem Rennen hier [in Abu Dhabi] mit dem Team. Und wenn mir jemand gesagt hätte, dass wir heute in dieser Position sein würden, hätte ich es nicht geglaubt", verrät Fernando Alonso nach seiner ersten Saison als Aston-Martin-Pilot.

Titel-Bild zur News: Fernando Alonso jubelt auf dem Formel-1-Podium 2023 in Brasilien

Fernando Alonso stand 2023 insgesamt achtmal auf dem Podium Zoom

Der Spanier beendete das Jahr auf dem vierten WM-Rang und damit so weit vorne wie seit zehn Jahren nicht mehr, als er 2013 für Ferrari Vizeweltmeister geworden war. Alonso stand zudem achtmal auf dem Podium, öfter schaffte er das in einer Saison zuletzt ebenfalls 2013.

Es sei "ein unglaubliches Jahr" gewesen, das vor zwölf Monaten noch "undenkbar" gewesen sei, so Alonso, der zur Saison 2023 von Alpine zu Aston Martin wechselte. Diesen Wechsel konnte nicht jeder nachvollziehen, denn die Franzosen waren 2022 WM-Vierter geworden, Aston Martin lediglich Siebter.

Doch 2023 kehrte sich das Kräfteverhältnis um. Alonso schwärmt: "Es war eine historische Saison für Aston Martin und für mich: acht Podiumsplätze, mehr als 200 Punkte, fast 300 Punkte für das Team." Gemessen an den Punkten sei es "die beste Saison aller Zeiten" für das Team aus Silverstone gewesen.

In der Konstrukteurs-WM wurde man Fünfter und zog damit an Alonsos Ex-Arbeitgeber Alpine vorbei. Die Franzosen kamen 2023 nicht über WM-Rang sechs hinaus. Und laut Alonso hätte Aston Martin Alpine in der Weltmeisterschaft sogar noch deutlicher abhängen können.

Alonso stolz: Haben die Erwartungen "übertroffen"

Über Platz fünf in der Konstrukteurswertung ärgere er selbst sich nämlich sogar etwas, "weil ich denke, dass wir besser als das waren und zu Beginn des Jahres auf mehr gehofft haben", so Alonso, der 206 der insgesamt 280 Aston-Martin-Punkte in der abgelaufenen Saison holte.

Hätte Teamkollege Lance Stroll ähnlich stark wie Alonso gepunktet, hätte man mit rund 400 Punkten sogar um die Vizeweltmeisterschaft hinter Red Bull kämpfen können. Doch der Kanadier kam lediglich auf 74 Zähler und damit fast nur ein Dritter der Alonso-Punkte.

"Wenn wir in der Konstrukteurswertung Fünfter werden, sollte man in der Fahrerwertung Neunter und Zehnter werden", rechnet Alonso vor. Doch weil er selbst Vierter wurde, kann man das als Beleg dafür sehen, dass der Aston Martin sogar eigentlich ein besseres Auto war, als es P5 in der Konstrukteurs-WM andeutet.


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"Es ist eine Traumsaison für viele Leute bei Aston Martin, mich eingeschlossen", stellt Alonso daher klar und betont, es sei "unwirklich", die Fahrer-WM auf P4 beendet zu haben. Denn 2022 kamen die damaligen Aston-Marton-Piloten Stroll und Sebastian Vettel in der WM nicht über P15 und P12 hinaus.

"Die Erwartungen [für 2023] waren niedrig, also haben wir die Erwartungen dieses Jahr übertroffen", erklärt Alonso daher und ergänzt: "Vielleicht wird es nächstes Jahr umgekehrt sein und die Erwartungen werden hoch sein, sodass wir einen gewissen Druck auf unseren Schultern haben."

Alonso fordert: 2024 darf kein "Rückschritt" sein

Denn während 2023 vor dem Saisonstart kaum jemand Aston Martin auf dem Zettel hatte, sind die Erwartungen für 2024 nach dem starken Jahr gestiegen. Für Alonso ist das kein Problem, denn: "Das ist die Formel 1, es ist keine Wohltätigkeitsveranstaltung. Wir müssen den Druck haben und liefern."

Für 2024 werde es daher "wichtig sein", ein starkes Auto zu bauen, "denn dies ist der erste Schritt zu einer hoffentlich guten Entwicklung des Teams. Wir haben immer gesagt, dass dies das erste Jahr ist, in dem Aston Martin konkurrenzfähig ist", erinnert Alonso.

In diesem Jahr wurde beispielsweise die neue Fabrik in Silverstone eröffnet, dazu gab es einige personelle Veränderungen. Der zweimalige Weltmeister betont daher: "Wenn wir im nächsten Jahr einen Rückschritt machen, wäre das schlecht, also müssen wir weiter vorankommen."


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Dementsprechend wolle man 2024 in der WM auch besser als auf P5 abschneiden, so Alonso, "und in meinem Fall kann ich nach acht Podiumsplätzen in diesem Jahr hoffentlich nächstes Jahr etwas Ähnliches erreichen", erklärt der Spanier angriffslustig.

Leicht wird das allerdings nicht, denn sechs seiner acht Podestplätze holte Alonso direkt in den ersten acht Saisonrennen. Im restlichen Jahr stand er lediglich noch zweimal auf dem Treppchen, und auch generell zeigte der Trend bei Aston Martin seit der Mitte des Jahres eher nach unten.

Kamen die Erfolge für Aston Martin zu früh?

"Diese Probleme sind Teil des Jobs und Teil des Weges dieses Teams", betont Alonso und erklärt, das Auto sei zu Beginn des Jahres "wirklich stark" gewesen, und der große Schritt über den Winter sei "selbst für uns" eine Überraschung gewesen, betont er.

"Und dann befanden wir uns vielleicht in einer Situation, für die wir noch nicht bereit waren", erklärt er. Denn Gegner wie Mercedes und Ferrari, die im Laufe der Saison an Aston Martin vorbeizogen, seien es gewohnt, "auf diesem Level" zu kämpfen, so Alonso.

Man selbst habe den AMR23 dagegen nicht so gut weiterentwickelt, gesteht er, betont aber auch, dass er die Saison insgesamt trotzdem positiv bewerte. Das liegt zu einem Teil auch daran, dass der inzwischen 42-Jährige laut eigener Aussage sehr gut ins Team passt.

"Das Team ist sehr jung und sehr motiviert. Es ist bereit, das nächste Kapitel des Projekts in Angriff zu nehmen", lobt Alonso und erklärt, die Herangehensweise an das Formel-1-Projekt unterscheide sich von seinem vorherigen Arbeitgeber Alpine beziehungsweise Renault.

"Ich denke, dieses Team ist in den nächsten Jahren sehr auf das Gewinnen und auf den Rennsport konzentriert. Das bedeutet nicht, dass wir keine Autos verkaufen wollen [...]. Aber die erste Priorität ist es, in der Formel 1 zu gewinnen, und dann wird sich der Rest von selbst ergeben", so Alonso.