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  • 31.01.2015 · 12:19

  • von Roman Wittemeier

Adrian Newey lässt Formel-1-Technologie zu Wasser

Adrian Newey agiert beim Formel-1-Team Red Bull ab sofort aus der zweiten Reihe: Zehn Jahre Königsklasse auf der Straße, nun auf dem Wasser

(Motorsport-Total.com) - Red Bull hat auf dem Weg in die Formel-1-Saison 2015 nicht nur den Weggang von Sebastian Vettel zu verkraften. Auch auf technischer Seite musste man sich im Winter neu aufstellen, um den "halben Verlust" von Stardesigner Adrian Newey möglichst gut kompensieren zu können. Der britische Technikchef des Teams aus Milton Keynes ist seit Mitte des Jahres 2014 bei der neu gegründeten Sparte Red Bull Advanced Technologies unter anderem mit dem Bootsbau beschäftigt.

Adrian Newey, Christian Horner

Adrian Newey erfüllt sich einen Traum: Bau einer Segeljacht für den America's Cup Zoom

"Ich bin seit zehn Jahren bei Red Bull. Es war bis hierher eine interessante Reise", blickt Newey auf seine Zeit im Formel-1-Team zurück. "Als ich zum Team kam, da hatte man quasi einen Jaguar einfach nur in Blau angemalt. Meine erste Aufgabe war es, die notwendige Infrastruktur aufzubauen. Es ging darum, dass alle perfekt zusammenarbeiten, um somit eine solide Basis zu haben. Das ist alles 2006, 2007 und im ersten Teil von 2008 passiert."

"Die Regeländerungen zur Saison 2009 kamen uns gerade recht. Seit Mitte 2008 hatten wir die Mannschaft zusammen, die Infrastruktur stand und alle Werkszeuge waren vorhanden. Davon haben wir beim anschließenden Regelumbruch profitieren können. 2009 konnten wir unseren ersten Sieg holen", sagt der Ingenieur, der Red Bull mit seinen teils radikalen technischen Ansätzen zu vier Fahrer- und vier Herstellertiteln führen sollte.

Formel-1-Technologie geht über Wasser

"Von 2009 bis 2013 waren die Regeln halbwegs stabil. Es ging fast nur um Feintuning. Die Zusammenarbeit wurde immer besser. Das Resultat war der Gewinn von vier Weltmeistertiteln. 2014 hatten wir den Nachteil beim Antrieb. Es war dennoch eine gute Saison, denn immerhin haben wir drei Rennen gewonnen", sagt Newey. Im vergangenen Jahr konnte Red Bull den überlegenen Mercedes aufgrund des schwachen Renault-Antriebs kaum Paroli bieten.

"Nun ist es das erste Jahr, wo es etwas anders ist als zuvor. Ich habe mich etwas herausgezogen, mache nun auch andere Dinge. Die Formel 1 ist nicht mehr mein einziger Fokus. Das ist für mich persönlich als neuer Reizpunkt wichtig, aber es ist auch gut für das Team. Die talentierten Techniker in unserem Hause können jetzt weiter aufblühen", mein Newey, der offiziell Technikdirektor bleibt, das Tagesgeschäft aber an Chefingenieur Rob Marshall abgegeben hat.

"Ich werde beim ersten Rennen sein, werde auch die Testfahrten besuchen. Ich verschaffe mir einen Überblick, gebe Hinweise und agiere als eine Art Mentor. Ich werde bestimmt auch selbst noch ein paar Ideen einbringen", verspricht Newey, der sich im Jahresverlauf jedoch immer mehr seinen anderen Projekten widmen möchte. Immerhin geht es dem Briten bei seinen neuen Aufgaben um die Erfüllung eines persönlichen Traumes aus dem Bereich Bootsbau.

"Wir machen ganz andere Projekte. Zurzeit vor allem den Bau einer Jacht für den America's Cup", sagt er. "Das ist aufregend. Der America's Cup ist abseits des Motorsports wahrscheinlich der einzige Sport, der mit hohen Budgets und höchster Technologie funktioniert. Da gibt es viele Parallelen. Die Grundlagen beispielsweise bei der Simulation sind gleich. Die Technologien sind ganz ähnlich, werden nur unterschiedlich angewandt. Das ist für mich ein faszinierender Bereich."