"Guys, radio silence!": So cool war Luca Engstler bei seinem ersten DTM-Sieg

Wieso Teamchef Gottfried Grasser nichts von einem Glückssieg für Luca Engstler wissen will, wie stark dieser im Kopf ist und wieso er mit einer Steigerung rechnet

(Motorsport-Total.com) - Wer hätte das gedacht? In der Winterpause kämpfte Luca Engstler noch um die Fortsetzung seiner DTM-Karriere - und nun ist der Grasser-Lamborghini-Pilot nach der Siegpremiere beim Saisonauftakt in Oschersleben plötzlich Führender in der Meisterschaft!

Titel-Bild zur News: Luca Engstler

Luca Engstler fuhr bei seinem Debütsieg wie ein routinierter Vollprofi Zoom

Obwohl dem 24-Jährigen die Full-Course-Yellow-Phase während des Pflichtstopps in die Karten spielte, will Teamchef Gottfried Grasser nichts von einem Glückssieg wissen. "Es stimmt, dass uns das den Sieg gebracht hat, aber Zweiter wären wir auch ohne Full-Course-Yellow geworden", ist der Österreicher im Gespräch mit Motorsport-Total.com überzeugt. "Luca hat das aus eigener Kraft erkämpft."

Das ergibt Sinn: Denn Engstler lag vor den Stopps auf Platz drei hinter Mirko Bortolotti, der später Opfer des SSR-Boxenstopp-Dramas wurde, und HRT-Mercedes-Pilot Luca Stolz, der unter normalen Umständen vermutlich gewonnen hätte, aber durch die FCY-Phase auf Platz drei hinter Engstler und den ebenfalls profitierenden Maro Engel zurückfiel.

Grasser reagierte nicht auf FCY: "Waren schon in der Box"

Interessant ist, dass die Grasser-Truppe bei Engstlers entscheidendem Stopp gar nicht auf das brennende Auto von Thierry Vermeulen oder den Zehn-Sekunden-Countdown bis zur Full-Course-Yellow-Phase reagiert hat, um noch rechtzeitig in die danach geschlossene Boxengasse zu kommen.

"Wir waren schon in der Box, als der Zwischenfall passiert ist", erklärt Grasser, dass man sich schon vorher zum Stopp in der 17. Runde entschieden hatte. "Wir haben auf Maini reagiert, der direkt hinter uns lag und eine Runde davor stoppte." Als das Rennen drei Runden später wieder freigegeben wurde, verteidigte sich Engstler 20 Runden lang völlig fehlerlos gegen Mercedes-Werksfahrer Maro Engel - und durfte am Ende jubeln.

"Guys, please radio silence! I know exactly what I am doing"

"13 Minuten vor Schluss hat er uns angefunkt: 'Guys, please radio silence. I know exactly what I am doing'", gibt Grasser Einblicke in den Funkverkehr, der an Ex-Formel-1-Kultstar Kimi Räikkönen erinnert, der oft ebenfalls nicht gestört werden wollte. "Dadurch weißt du, dass er soweit ist."

Überhaupt attestiert Teamchef Grasser seinem Piloten, der in der ersten DTM-Saison nicht über Platz sieben hinauskam, für sein Alter eine bemerkenswerte Reife. "Viele, die plötzlich vorne dabei sind, schmeißen die Nerven weg", weiß er. "Davon merkt man bei ihm gar nichts."


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Daher kommen laut Grasser auch Engstlers sechs Titelgewinne bis 2021 in diversen TCR-Klassen nicht von ungefähr. "Bei jedem Titelgewinn musst du im Kopf sehr stark sein, weil du unter großem Druck stehst", sagt er. "Sonst wirst du nicht Meister. Außerdem weiß er, wie man mit solchen Situationen umgeht. Und du musst Autofahren können, denn in keiner Meisterschaft ist es in den Top 3 einfach."

Grasser erkennt bei Engstler enorme Steigerung

Zudem sieht er bei seinem Schützling noch Luft nach oben, was ebenfalls Hoffnung gibt. "Mir ist aufgefallen, dass er noch ein bisschen den Tourenwagen-Stil hat, denn im GT3 benötigst du ein eher übersteuerndes Auto, um schnell zu sein", fällt Grasser auf. "Damit kommt er inzwischen mit unserem Auto sehr gut klar. Deswegen hatte er auch diese Steigerungen über das Wochenende. Er findet das Vertrauen, wie er das Auto fahren muss - also Hut ab!"

Luca Engstler

Gottfried Grasser will mit Luca Engstler auch auf dem Lausitzring auftrumpfen Zoom

Grasser ist guter Dinge, dass der überraschende Oschersleben-Erfolg mit Engstler keine Eintagsfliege war und man auch in zwei Wochen auf dem Lausitzring mitmischen kann. "Ich freue mich, dass wir davor noch einmal mit ihm testen werden", sagt Grasser. "Das wird ihm auch noch einmal gut tun."

Dann werde man "hoffentlich hamstern wieder ordentlich Punkte hamstern. Ich glaube, er kann ganz weit vorne mitfahren. Das Zeug dazu hat er definitiv."

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