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  • 28.08.2021 · 13:16

  • von Roland Hildebrandt

Deutz: Wasserstoff-Motor ab 2024 in Serie

Es gibt eine spannende Neuheit in Sachen Wasserstoffantrieb: Deutz hat einen Motor entwickelt, der mit Wasserstoff läuft - Hier sind die Details

(Motorsport-Total.com/Motor1) - Aktuell scheint es so, als sei der Verbrennungsmotor ein Ding von gestern. Immer mehr Autokonzerne verkünden den Ausstieg aus Otto und Diesel. Der Staat fördert alles, was einen Stecker hat, großzügig. Doch was ist mit E-Fuels, CNG, LPG oder Wasserstoff? Mazda zum Beispiel hatte schon vor vielen Jahren einen H2-Wankel im Praxisversuch.

Deutz TCG 7.8 H2 Wasserstoffmotor Zoom

Jetzt überrascht Deutz, die Keimzelle des Ottomotors, mit einem innovativen Wasserstoffmotor. Wohlgemerkt, keine Brennstoffzelle, die Wasserstoff in elektrische Energe umwandelt wie beim Hyundai Nexo oder Toyota Mirai. Sondern ein Aggregat, das direkt Wasserstoff verbrennt.

Deutz TCG 7.8 H2 heißt das Aggregat etwas technisch-kryptisch. Mit dem Wasserstoffmotor baut das Unternehmen sein Angebot an emissionsreduzierten und -freien Antrieben weiter aus: Der Motor erfüllt den von der EU vorgegebenen CO2-Grenzwert für "Zero Emission".

"Deutz ist Vorreiter für eine klimaneutrale Mobilität im Off-Highway-Bereich. Wir bauen bereits heute sehr effiziente und saubere Motoren. Nun machen wir den nächsten Schritt, unser Wasserstoffmotor ist reif für den Markt. Für uns ein wichtiger Meilenstein, um als Unternehmen unseren Beitrag zur Erreichung der Pariser Klimaziele zu leisten", sagt Dr. Frank Hiller, Vorstandsvorsitzender der Deutz AG.

Die Serienproduktion des Motors plant Deutz für 2024. Erste Tests auf dem Prüfstand hat das Unternehmen bereits erfolgreich abgeschlossen. Dr. Markus Müller, Chief Technology Officer der Deutz AG, erklärt: "Der sechszylindrige TCG 7.8 H2 baut auf einem bestehenden Motorkonzept auf. Er läuft nicht nur CO2-neutral sondern auch sehr leise und liefert bereits 200 kW (272 PS) Leistung. Der Motor eignet sich grundsätzlich für alle heutigen Deutz-Anwendungen, dürfte aber auf Grund der zur Verfügung stehenden Infrastruktur erstmal in den Bereichen stationäre Anlagen und Generatoren sowie Schienenverkehr eingesetzt werden."

Als erste Pilotanwendung des Wasserstoffmotors ist eine stationäre Anlage zur Stromerzeugung mit einem regionalen Partner geplant. Ab Anfang 2022 soll ein solcher Wasserstoffmotor in Kombination mit einem Generator rund 170 Kilovoltampere elektrische Leistung liefern. Standort für diesen Pilotversuch wird das Heizkraftwerk Köln-Niehl der RheinEnergie. Die Beschaffung des Wasserstoffs erfolgt über den Energieversorger und ist bereits gesichert.

"Diese erste Anlage wollen wir dort zunächst testen und gemeinsam mit den Experten von Deutz Erfahrungswerte im stationären Betrieb dieses Motors mit dem angeschlossenen Generator gewinnen", sagt Dr. Dieter Steinkamp, Vorstandsvorsitzender der RheinEnergie. "Diese kompakte Anlage lässt sich als dezentrale Energieversorgung für klimagerechte Gebäude oder Quartiere ideal nutzen, vielleicht auch an Einsatzstellen, die bislang nicht an ein Strom- oder Wärmenetz angeschlossen sind."

In einem ersten Testzyklus geht es rein um die Stromerzeugung mit Hilfe des Deutz-Motors. Nach rund sechs Monaten soll sich eine zweite, ebenfalls mehrmonatige Phase anschließen, in der auch die Nutzung der Abwärme aus dem Aggregat erfolgt (Kraft-Wärme-Kopplung).

Der zum Einsatz kommende Motor ist eine Eigenentwicklung von Deutz. Das Konzept basiert auf einem bestehenden Dieselmotor. "Wir sind sehr stolz, dass unser Wasserstoffmotor reif für den Markt ist", so Deutz-Chef Hiller. "Erste Tests auf dem Prüfstand haben wir erfolgreich abgeschlossen. Nun sind wir gespannt auf die Praxiserprobung des TCG 7.8 H2 im Pilotprojekt mit der RheinEnergie."

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Aufgrund der zur Verfügung stehenden Infrastruktur, insbesondere bezüglich der Versorgungslage mit Wasserstoff, sieht der Antriebspezialist die Verwendung zunächst in stationären Anlagen. "Grundsätzlich eignet sich der Wasserstoffmotor mit einer Leistung von rund 200 Kilowatt jedoch für alle heutigen Deutz-Anwendungen im Off-Highway-Bereich", erklärt Michael Wellenzohn, Deutz-Vorstand für Vertrieb, Marketing und Service.

"Eine Serienproduktion planen wir ab 2024. Der erste Praxistest ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg dorthin.", so Wellenzohn. Was bedeutet "Off-Highway"? Traktoren, Landmaschinen, Kommunalfahrzeuge. Quasi alles, was nicht auf der Autobahn unterwegs ist.

Für den Betriebsversuch am Standort Niehl investieren beide Partner zusammen zunächst rund 1,3 Millionen Euro. Was im ersten Schritt im eher kleinen Maßstab erprobt wird, kann Keimzelle sein für eine dezentrale, nachhaltige und treibhausgasfreie Energieversorgung in Ballungsgebieten - vor allem dann, wenn der Bezugspreis für den Wasserstoff marktfähig wird.

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