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  • 09.07.2021 · 16:32

  • von Stefan Wagner

Das ist der VW Golf R Variant (2021): Kind, Kegel, Kasalla

Dank Drift- und Nordschleife-Modus wird der Golf R Variant tatsächlich noch cooler - Stärker und schneller wird er auch. Und er darf jetzt sogar Hänger ziehen

(Motorsport-Total.com/Motor1) - Denken Sie mal an eines der meistunterschätzten "coolen" Autos. Ach ja stimmt, wenn es so offensichtlich wäre, dann wäre das Ding ja nicht "meistunterschätzt". Die Hoffnung war in jedem Fall, dass Sie gerade den VW Golf R Variant im Kopf hatten.

Volkswagen Golf R Variant (2021) Zoom

Der flog bisher nämlich maximal unter dem Radar, und das, obwohl er super schnell, super bequem, super praktisch und super unaufdringlich ist. Jetzt gibt es eine neue Generation und die soll das alles noch ein bisschen besser machen. Driften soll sie jetzt übrigens auch noch. Kann ein Auto eigentlich zu cool sein?

Antrieb

Aber Schluss mit dem Blödsinn, hier steht noch immer ein Golf Variant. Mit 320 PS und 420 Nm nun der stärkste aller Zeiten. Der bekannte 2,0-Liter-Vierzylinder-Turbo (EA888 evo4) ist exklusiv an ein 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe gekoppelt und überträgt seine Kraft wie im Golf R-Schrägheck an ein neues, deutlich hecklastigeres "Torque-Vectoring"-Allradsystem.

Von 0-100 km/h geht es in 4,9 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 250 km/h, kann aber optional auf 270 Sachen angehoben werden. Dazu müssen Sie halt das sogenannte R Performance Paket ordern, das Ihnen darüber hinaus 19-Zoll-Räder sowie die zwei zusätzlichen Fahrmodi "Special" (Nürburgring-Abstimmung) und "Drift" beschert.

Beide sollte man vermutlich meiden, wenn man gerade einen Anhänger am Haken hat. Das geht jetzt nämlich erstmals auch im R Variant. Bis zu 1.900 Kilo beträgt die Anhängelast. Blöd nur, dass man sich nicht selbst auf dem Hänger zur Rennstrecke ziehen kann.

Das Kofferraumvolumen liegt bei 611 bis 1.642 Liter. Das sind knapp 20 Liter mehr als beim Vorgänger. Und auch im Fond bietet der inzwischen 4,63 Meter lange Performance-Golf mehr Luft. Knapp vier Zentimeter mehr Beinfreiheit versprechen die Wolfsburger.

Praktisch klappt also schon mal ganz gut. Fahrspaß sollte jetzt aber auch besser gehen. Dass der alte, immer etwas plumpe Haldex-Allrad Geschichte ist, dürften Sie mitbekommen haben. Das ist ja nicht nur im Golf R Fünftürer so, auch der kommende Audi RS 3 wird von neuer Technik profitieren. Und auch im Golf 8 R Variant wird die Antriebskraft nun über ein neues Hinterachsgetriebe mit zwei Kupplungen nicht nur bedarfsgerecht zwischen der Vorder- und Hinterachse verteilt, sondern ebenso zwischen den Hinterrädern.

Die Intensität der automatischen Kraftverteilung wird durch den Lenkwinkel, die Gaspedalstellung, die Querbeschleunigung, die Gierrate (Drehgeschwindigkeit um die Hochachse) und die gefahrene Geschwindigkeit bestimmt.

Der Allradantrieb wird zudem über einen Fahrdynamikmanager mit weiteren Fahrwerkssystemen wie den elektronischen Differenzialsperren (XDS), der adaptiven Fahrwerksregelung DCC oder der Progressivlenkung vernetzt. Außerdem arbeitet der FDM mit Bremseingriffen an den kurveninneren Rädern, um im Grenzbereich noch besser gegen Untersteuern vorzugehen.

Man kennt dieses Allrad-Prozedere bereits vom Ford Focus RS oder dem Mercedes-AMG A 45. Die Frontlastigkeit verschwindet größtenteils, man kriegt eher das Gefühl eines sehr neutralen bis heckorientierten Fahrverhaltens.

Fahrwerk

Selbiges gefiel uns im neuen Golf R bisher sehr gut, wie Sie gerne in den untern verlinkten Tests nachlesen können. Schuld daran ist auch das Sportfahrwerk, welches die Karosserie im Vergleich zum normalen Variant um 20 Millimeter absenkt. Vorne gibt es eine McPherson-Achse, hinten eine Vierlenkerachse. Gegenüber dem Vorgänger wurden die Federraten und die Stabilisatorraten jeweils um zehn Prozent erhöht. Entsprechend angepasst wurde auch die Abstimmung der adaptiven Fahrwerkregelung DCC durch das Modifizieren von Systemhydraulik und Parametrierung.


Fotostrecke: Das ist der VW Golf R Variant (2021): Kind, Kegel, Kasalla

Mehr Negativsturz vorne soll für besseres Einlenken und mehr Kurvenbiss sorgen. Die Hinterachse kriegt modifizierte Querlenkerlager und Radträger. Vorne kommt zudem eine neue Bremse mit 357-mm-Scheiben zum Einsatz.

Lustigerweise müsste der Golf R Variant eigentlich besser fahren als sein Schrägheck-Twin, denn er verfügt laut Volkswagen über eine um sechs Prozent bessere Achslastverteilung (bezogen auf das Ideal von 50:50) und einen um vier Prozent besseren cW-Wert. Allerdings wiegt er mit 1.630 Kilo auch gut 80 Kilo mehr.

Ausstattung, Preise, Marktstart

Zu den Preisen haben sich die Wolfsburger noch nicht geäußert. Aber billig wird es sicher nicht, der fünftürige Golf 8 R kostet ja schon mindestens 49.260 Euro. Immerhin spendiert Volkswagen reichlich Serienausstattung.

Dazu zählen der Spurhalteassistent, das Umfeldbeobachtungssystem mit City-Notbremsfunktion und Fußgängererkennung, der neue Abbiegeassistent, die Müdigkeitserkennung und die elektronische Differenzialsperre XDS. Ebenfalls ab Werk am Start sind digitale Instrumente, das streitbare Infotainmentsystem mit 10,0-Zoll-Touchscreen, ein Multifunktions-Sportlenkrad, eine Klimaautomatik, ein schlüsselloses Startsystem, eine Bluetooth-Telefonschnittstelle, Sportsitze sowie LED-Plus-Scheinwerfer und LED-Rückleuchten inklusive automatischer Fahrlichtschaltung.

Der neue Golf R Variant geht ab Mitte August in den Kombi-freundlichen Märkten der Schweiz, Großbritanniens und Deutschlands in den Verkauf.

Der neue Golf R im Test

Video: VW Golf R im Test - Viel besser als gedacht!

VW Golf GTI Clubsport (2021) gegen VW Golf R (2021)

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