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Bugatti Bolide: Extremes Leichtbau-Monster sprengt alle Dimensionen

Der Bugatti Bolide ist ein Hypercar für die Rennstrecke mit 0,67 kg/PS Leistungsgewicht: Wir haben alle technischen Daten und Fahrleistungen

(Motorsport-Total.com/Motor1) - Mit einem geheimnisvollen Teaser und einem markanten Erlkönig hat Bugatti die Spannung auf das neueste Modell der Marke mächtig angeheizt. Jetzt ist endlich offiziell, was sich hinter der Zahl 0,67 und dem Satz "Was wäre, wenn ...?" verborgen hat: der neue Bugatti Bolide. Noch nie war ein Bugatti in jeder Hinsicht extremer. Oder wie es aus Molsheim heißt: "Reduziert, roh, authentisch."

Mit dem technologischen Konzept des Bugatti Bolide präsentiert der französische Luxusautomobilhersteller die Antwort auf die Frage, was wäre, wenn Bugatti nur um den ikonenhaften 8,0-Liter-W16-Motor herum ein radikal leichtes Fahrzeug bauen würde?

Die experimentelle Studie des Bugatti Bolide ist ein rennstreckenorientierter Hypersportwagen - mit einem aus der Serie abgeleiteten W16-Motor als Antrieb und einer auf maximalen Abtrieb getrimmten, minimalen Karosserie. 

Simulation: Nordschleife in 5:23,1 Minuten!

Mit unserer Spekulation rund um die Zahl 0,67 lagen wir richtig: Der Bolide bietet ein unvorstellbares Leistungsgewicht von 0,67 Kilogramm pro PS. Möglich wird das durch die Kombination aus einem W16-Motor mit 1.850 PS und einem Fahrzeuggewicht von nur 1.240 Kilogramm.


Weltpremiere Bugatti Bolide

Der Bugatti Bolide erreicht nahezu Formel-1-Werte, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei deutlich über 500 km/h - ohne dabei jedoch auf maximales Handling und maximale Agilität zu verzichten. Für eine Runde in Le Mans benötigt der Bolide simuliert 3:07,1 Minuten, für die Nordschleife 5:23,1 Minuten. Uff.

Weitere Zahlen gefällig? Mit einer Gesamthöhe von nur 995 Millimeter ist das technische Konzept des Bugatti Bolide exakt so hoch wie der historische Bugatti Type 35, je nach Lenkrad und Stummelscheibe, und etwa 300 Millimeter flacher als der Chiron. Der Radstand beträgt 2,75 Meter, die Breite liegt bei 1,99 Meter.

W16-Motor wird auf die Spitze getrieben

Insassen klappen wie bei einem LMP1-Rennwagen die vorne angeschlagenen Türen nach schräg oben, setzen sich wie bei einem Type 35 auf einen nur 70 Millimeter breiten Schweller und positionieren anschließend die Füße im Innenraum. Dank der zum Type 35 etwa 150 Millimeter tieferen Bordwand erfolgt das Prozedere laut Bugatti schnell und einfach - und zwar bis zu einer Körpergröße von 2 Meter.

Bugatti Bolide

Bugatti Bolide Zoom

Aber warum nun die ganze Chose? "Wir haben uns gefragt, wie wir den gewaltigen W16-Motor als technisches Sinnbild der Marke in seiner pursten Form darstellen können - nur mit vier Rädern, Motor, Getriebe, Lenkrad und als einzigen Luxus zwei Sitze. Wichtig bei den Überlegungen war, unseren ikonischen Antrieb ohne jegliche Limitierung auf Leistungsgewicht zu trimmen. Aus dieser Überlegung heraus entstand der Bugatti Bolide.", sagt Bugatti-Chef Stephan Winkelmann.

"Der Bolide ist die ultimative Antwort auf die Frage, was wäre, wenn Bugatti einen rennstreckentauglichen Hypersportwagen, der die Sicherheitsanforderungen der FIA erfüllt, bauen könnte. Konzipiert um den W16-Antriebsstrang herum mit einem Mindestmaß an Karosserie und unglaublichen Leistungsdaten. Entstanden ist die kleinstmögliche Hülle, damit sich der W16 frei entfalten kann", erklärt Stefan Ellrott, Leiter der technischen Entwicklung.

Bolide "weit mehr als nur ein Gedankenspiel"

"Im Bugatti Bolide steckt geballtes Bugatti-Know-how. Dazu dient er als innovativer Wissensträger für zukünftige Technologien. Der Bolide ist also weit mehr als nur ein Gedankenspiel.", so Ellrott weiter. Fest steht: Das Auto ist eine Premiere für das Neo-Bugatti unter Volkswagen-Regie, denn bislang hatte man keine Fahrzeuge für den Motorsport konzipiert.

Bugatti Bolide

Bugatti Bolide Zoom

Als Herzstück dient der 8,0-Liter-W16-Motor mit 1.850 PS und 1.850 Newtonmetern Drehmoment. Den Antrieb legt Bugatti konsequent auf den Rundstrecken-Einsatz aus, stimmt speziell Motor und das Getriebe auf höhere Drehzahlen ab. Dazu zählt unter anderem die Entdrosselung der Ansaug- und Abgasanlage, um ein noch schnelleres, spontaneres und extremes Ansprechverhalten zu erreichen.

Die vier neu entwickelten Turbolader erhalten optimierte Schaufeln, um bei höheren Drehzahlen mehr Ladedruck und Leistung aufbauen zu können. Um auch bei extrem hohen Fliehkräften eine optimale Schmierung zu erreichen, werden Ölkreislauf, Öldruck, Rückschlagventile, Schwallbleche, Öltanks, Ölreservoire und Pumpenauslegung der Trockensumpfschmierung optimiert. Gleichzeitig reduziert sich das Gewicht des Antriebs deutlich.

Effektivere Kühlung als in der Formel 1

Statt einer Wasser-Luft-Ladeluftkühlung sorgt beim Bugatti Bolide eine Luft-Luft-Ladeluft-kühlung (kein Druckfehler!) mit Wasservorkühlung für eine optimale Leistungsentfaltung auf Rundstrecken. Die Anströmung erfolgt von der Fahrzeugfront über jeweils einen internen und externen Luftführungskanal pro Fahrzeugseite. Die beiden Wasserkühler, die vor der Vorderachse angeordnet sind, bieten strömungstechnisch betrachtet ein effektiveres Kühlernetz als sogar in der Formel 1 üblich.

Drei luftdurchströmte Ölkühler für Motor, Getriebe und Differential mit jeweiliger Wasservorkühlung senken die Temperatur auch auf fahrdynamisch anspruchsvollen Rennrunden. Neuentwickelte und hybride CFK-Titan-Turbofan-Radialverdichter durchlüften und kühlen die Hochleistungs-Rennsportbremsanlage. An der Vorderachse gibt es ein Differential mit geregelter Längssperre, hinten eines mit geregelter Quersperre.

Um 1.240 Kilogramm Trockengewicht zu erreichen, wurden bei den verwendeten Werkstoffen und Fertigungsverfahren alle Register des aktuell und auch des zukünftig Machbaren gezogen. Alle Schraub- und Verbindungselemente des Bolide sind vollständig in Titan ausgeführt. Zudem kommen an vielen Stellen hohle, dünnwandige Funktionsbauteile aus einer Luft- und Raumfahrt-Titanlegierung zur Anwendung, die aus dem 3D-Drucker stammen.

Keramikbremse und geschmiedete Magnesium-Räder

Sie sind mit Wandstärken von bis zu 0,5 Millimeter extrem dünn, aber mit einer Zugfestigkeit von 1.250 Newton pro Quadratmillimeter dennoch sehr stabil. Auch die auf den Front- und Heckflügel wirkenden Kräfte werden von ultraleichten, aber sehr festen Titanelementen übertragen. Die vorderen wiegen lediglich 600 Gramm, die hinteren erstaunliche 325 Gramm.

Eine Weltneuheit ist die morphbare Außenhaut der Ansaughutze auf dem Dach. Diese bietet eine aktive Strömungsoptimierung: Bei langsamer Fahrt bleibt die Oberfläche der Hutze glatt, bei schneller Fahrt wölbt sich ein Feld von Blasen aus. Dieses reduziert den Luftwiderstand der Hutze um 10 Prozent und sorgt für einen um 17 Prozent geringeren Auftrieb, zudem wird die Anströmung des hinteren Flügels optimiert. Bei 320 km/h liegt der Abtrieb am hinteren Flügel bei 1.800 Kilogramm und am vorderen bei 800 Kilogramm.

Wie in der Formel 1 verzögert der Bolide mit einer Rennbremse mit Scheiben sowie Belägen aus Keramik, die Bremssättel wiegen nur jeweils 2,4 Kilogramm. Die geschmiedeten Räder aus Magnesium mit Zentralverschluss wiegen vorne jeweils 7,4 Kilogramm und hinten jeweils 8,4 Kilogramm - und das bei einer sehr breiten Reifengröße von 340 Millimeter an der Vorder- und 400 Millimeter an der Hinterachse (Chiron: 285 mm vorne, 355 mm hinten).

Druckluft-Hebeanlage für schnellen Reifenwechsel

Eine mit Druckluft betriebene Hebeanlage mit vier Stempeln erleichtert den Reifenwechsel, eine Schnellbetankungsanlage ermöglicht eine Druckbetankung.

Bugatti Bolide

Bugatti Bolide Zoom

Für ein präzises Fahrverhalten sorgt unter anderem eine Pushrod-Kinematik mit liegenden Dämpfern. In den Dämpfern sind die Öl-Reservoirs innen angeordnet, was die Aerodynamik verbessert. Die nur 100 Gramm wiegenden Pushrods sind als dünnwandige und strömungsgünstige Titan-Leichtbau-Konstruktion konzipiert, die eine Knicklast von 3,5 Tonnen haben, was einem Trockengewicht von annährend zwei Chiron entspricht.

Rund um den Antrieb entwickelte das Bugatti-Team ein leichtes Monocoque aus Carbon. Der daran angeflanschte integrale Vorderwagen besteht wie auch der aerodynamisch vollständig wirksame Unterboden und auch das Monocoque selbst ebenfalls aus hochfesten Carbonfasern. Die Einzelfaserzugfestigkeit der verwendeten Fasern liegt bei 6.750 Newton pro Quadratmillimeter, die Einzelfasersteifigkeit bei 350.000 Newton pro Quadratmillimeter. Bereiche, die laut Bugatti sonst nur in der Luft- und Raumfahrt erreicht werden. 

Sicherheitsausstattung auf FIA-Standard

Für Sicherheit sorgt die nach FIA-Reglement ausgelegte Sicherheitsausstattung. Dazu zählen unter anderem HANS-System-Kompatibilität, eine automatische Feuerlöschanlage, eine Abschleppeinrichtung, Druckbetankung mit Kraftstoffblase, Zentralverschluss für Räder, leichte Scheiben aus Polycarbonat und eine Sechspunkt-Gurtanlage.

Die Monocoque-Seitenböden mit integrierten Carbon-Kühlwasser-Leitungselementen sind gleichzeitig als Seitencrashstrukturen sowie Strukturversteifung des Monocoques ausgeführt. Alle fahrerrelevanten Daten erblickt der Pilot auf einem Motorsport-Display. Für den optimalen Sitz lässt sich sowohl das Pedalwerk als auch die Beifahrer-Fußstütze um 150 Millimeter verschieben.

Die Dramatik der Gesamtproportionen wird durch die aerodynamisch günstige Gesamthöhe von nur 995 Millimeter deutlich. Die ultrasportliche Sitzposition des Fahrers erlaubt die geduckte Form eines automobilen Tieffliegers. Demnach ist es auch nicht verwunderlich, dass der Bugatti Bolide in seiner Wahrnehmung die sogenannten X-Flugzeuge der Luftfahrtgeschichte zitiert.

In 20,16 Sekunden von 0 auf 500!

So etwa das Düsenflugzeug Bell X-1, mit dem Chuck Yeager 1947 als erster Mensch mit Mach 1,06 die Schallmauer durchbrochen hat. Sowohl die Scheinwerfer als auch die Rückleuchten weisen eine deutliche X-Signatur aus jeder Perspektive auf. 

Apropos Schallmauer: Die Werte für die Beschleunigung sind unglaublich. 2,17 Sekunden auf Tempo 100. Nach 4,36 Sekunden sind 200 km/h erreicht, nach 7,37 Sekunden 300 km/h. Weiter gehts: 12,08 Sekunden auf 400 und 20,16 Sekunden auf 500. Wo also manch anderes Auto erst bei Tempo 100 ist, rast der Bugatti Bolide bereits mit 400 km/h durch die Weltgeschichte.

Die schnellsten Autos der Welt:

Amtlich: SSC Tuatara ist mit 533 km/h das schnellste Serienauto der Welt

Bugatti Chiron fährt über 490 km/h

Nur 33,62 Sekunden braucht der Bolide von 0 auf 500 km/h und wieder zum Stillstand. Maximale Querbeschleunigung? 2,8 G.

Wie bei anderen Bugatti-Fahrzeugen setzt das Bugatti-Designteam auch beim Bolide auf einen Farbsplit. Der Anteil der sichtbaren Carbon-Teile vergrößert sich jedoch im Vergleich zu anderen Modellen auf bis zu 60 Prozent. Nur rund 40 Prozent der Flächen sind lackiert - und zwar in einer Neuinterpretation des historischen French Racing Blue.

Ob der Bugatti Bolide in Serie geht, ist derzeit noch nicht entschieden.

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