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Ullrich: Warum man Toyota ernst nehmen muss

Audi-Sportchef Wolfgang Ullrich warnt davor, die Konkurrenz von Toyota zu unterschätzen und erklärt, warum er den neuen Herausforderer auf der Rechnung hat

(Motorsport-Total.com) - Auf den ersten Blick kann sich Audi dieses Jahr in Le Mans zurücklehnen: Die Routiniers aus Ingolstadt haben bei der 80. Ausgabe des 24-Stunden-Klassikers vier Autos im Einsatz, durch den Ausstieg von Peugeot fehlt dieses Jahr der schärfste Herausforderer - selbst die Franzosen hatten Audi in fünf Jahren nur 2009 am Sieg gehindert.

Mike Rockenfeller, Marco Bonanomi, Wolfgang Ullrich (Audi Sportchef)

Audi-Sportchef Wolfgang Ullrich und seine Mannschaft sind bereit für Le Mans

Mit Toyota schickt sich dieses Jahr zwar ein neuer Hersteller aus Japan an, Audi das Leben schwer zu machen, doch die Truppe musste wegen des Testcrashs von Nicolas Lapierre in Le Castellet das einzige Vorbereitungsrennen in Spa-Francorchamps streichen und geht daher ohne Rennerfahrung mit zwei TS030 Hybrid in die 24-Stunden-Schlacht.

Muss sich also Audi den elften Sieg an der Sarthe nur noch abholen? Audi-Sportchef Wolfgang Ullrich ist anderer Meinung, schließlich hat er im vergangenen Jahrzehnt gelernt, dass das Rennen im Langstrecken-Mekka jedes Jahr für Überraschungen sorgt: "Man weiß bei diesem Rennen nie, was passieren wird."

Ullrich warnt davor, Toyota zu unterschätzen

Auch der offizielle Testtag hat den Österreicher gelehrt, dass man Toyota nicht unterschätzen darf, auch wenn die Japaner möglicherweise auf Fehler bei Audi angewiesen sind, um gewinnen zu können: "Wir haben gesehen, dass die Toyotas nicht weit weg sind, sie haben vergangene Woche einen guten Eindruck gemacht. Ich habe auch nichts anderes erwartet. Toyota hat genügend Erfahrung, um sofort auf einem guten Niveau zu sein. Ihre Konkurrenzfähigkeit ist also keine Überraschung. Sie wissen was sie tun."


Fotos: 24 Stunden von Le Mans


Das beweist auch die Tatsache, dass Toyota für das Le-Mans-Projekt auf das Know-how der Langstrecken-Spezialisten von Oreca zurückgreift - die Franzosen setzten in den vergangenen Jahren einen privaten Peugeot ein. Im Vorfeld der aktuellen Ausgabe arbeitete die französische Truppe von Hugues de Chaunac eng mit der in Köln beheimateten Motorsportabteilung von Toyota zusammen.

"Dass sie Oreca an Bord haben, ist natürlich ein Plus für sie, wenn es darum geht, rasch an der Spitze mitzufahren", weiß Ullrich. "Außerdem haben sie gute Fahrerteams", spielt er darauf an, dass sich mit Le-Mans-Sieger Alex Wurz, Langstrecken-Ass Stephane Sarrazin, den Ex-Formel-1-Piloten Sebastien Buemi, Kazuki Nakajima und Anthony Davidson sowie Lapierre absolute Topfahrer in den Reihen von Toyota befinden. "All das bedeutet für mich, dass wir sie ernst nehmen müssen."

Hybrid-Antrieb an sieben Streckenstellen

Während Toyota in Le Mans auf einen Benzin-Motor mit Hybridantrieb setzten wird, kommen bei Audi zwei unterschiedliche Autos zum Einsatz: der R18 e-tron quattro - ein Dieselhybrid mit Allradantrieb - und der R18 ultra - das überarbeitete Siegerauto aus dem Vorjahr mit Dieselantrieb.

"Der Unterschied zu den Nicht-Hybrid-Autos darf nicht zu groß sein." Wolfgang Ullrich

Ullrich sieht all seine Autos als mögliche Siegkandidaten an: "Beim e-tron quattro sind wir nach dem guten Auftritt bei den sechs Stunden von Spa zuversichtlich. In Le Mans dürfen wir das Hybridsystem an sieben Stellen der Strecke aufladen - das ist das Ergebnis der Gespräche mit ACO und FIA. Der Unterschied zu den Nicht-Hybrid-Autos darf nicht zu groß sein. Der Testtag war aufschlussreich. Wir haben erledigt, was wir erledigen wollten. Das stimmt mich für das Rennen zuversichtlich, aber ich wiederhole noch einmal, dass man sich in Le Mans auf nichts verlassen darf."