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Kolumne: Die Le-Mans-Bilanz von Klaus Graf

Klaus Graf berichtet in seiner dritten Le-Mans-Kolumne von seinen Eindrücken und zieht ein Fazit seiner persönlichen 24 Stunden, die sehr kurz ausfielen

Liebe Leser von 'Motorsport-Total.com',

Klaus Graf

Trotz Ausfall: Klaus Graf hat seine Liebe zu Le Mans wiederentdeckt Zoom

Le Mans 2008 war für mich sicherlich ein Wechselbad der Gefühle. Einerseits haben wir leider die Zielflagge nicht gesehen, aber auf der anderen Seite hat unser ganzes Cytosport-Team eine Super-Performance gezeigt. Leider wurde diese nicht durch ein gutes Resultat gekrönt, aber ganz ehrlich - dass uns ausgerechnet der Motor kaputt geht, damit konnte nun wirklich keiner rechnen.

Von allen Teilen an unserem Auto haben wir uns im Vorfeld über den Judd-Motor die wenigsten Sorgen gemacht und wenn so etwas dann ausgerechnet im Rennen passiert, dann ist das in Le Mans schon sehr untypisch. Die Judd-Triebwerke gelten eigentlich als extrem zuverlässig und soweit ich weiß, waren wir auch die Einzigen im Feld, die von einem Motorschaden betroffen waren.#w1#

Aber man steckt halt nicht drinnen. Was genau am Motor kaputt ging, ist noch nicht zu 100 Prozent geklärt - wir vermuten einen Ventilschaden. Wie es genau passiert ist, ist auch noch ein kleines Rätsel. Jan Lammers bemerkte sofort nach der langen Safety-Car-Phase kurz nach Mitternacht, dass der Motor nicht mehr richtig läuft, also muss es wohl hinter dem Pace-Car geschehen sein.

Das würde darauf hindeuten, dass es temperaturabhängige Gründe gegeben haben könnte. Der Motor lief vielleicht zu lange in einem zu niedrigen Drehzahlbereich, möglicherweise hat das irgendetwas am Triebwerk ausgelöst, aber das ist zum jetzigen Zeitpunkt natürlich alles Spekulation.

Das Schnuppern an den Top 10

Klaus Graf Cytosport Le Mans

Ein Motorschaden beendete Klaus Grafs 24 Stunden von Le Mans vorzeitig Zoom

Bitter war der Ausfall vor allem deswegen, weil ich vorher locker Rundenzeiten um die 3:36 Minuten fahren konnte. Das Auto lief super und im Prinzip haben wir durchaus die Möglichkeit gehabt, an den Top 10 zumindest zu schnuppern. Die Vorgabe des Teams war ganz klar eine Zielankunft, aber irgendwie liegt es halt in meiner Natur dranzubleiben und zu pushen.

Allerdings muss man auch feststellen, dass die Pescarolos und die Oreca-Courage noch ein wenig schneller waren als wir. Da wurde sicher über den Winter einiges auch im aerodynamischen Bereich gemacht, denn auf den Geraden waren sie klar besser. Aber leider gibt es von Lola für unser Chassis kein Paket, was weniger Luftwiderstand bei gleichem Abtrieb erzeugt.

Das neue Lola-Coupe, das das Charouz-Team von Stefan Mücke benutzt hat, ist da um etwa 10 Prozent besser, was uns im Vergleich zu ihnen sicher zwei Sekunden gekostet hat. Das ist zwar nicht viel, aber über 24 Stunden läppert sich das dann schon zusammen.

Rückspiegel und Traktionskontrolle

Klaus Graf Charouz Lola-Judd Cytosport Le Mans

Der Lola-Judd lief in Le Mans bis Mitternacht fast komplett ohne Probleme Zoom

Ich hatte in meinem ersten Stint gleich zwei Dreher. Zuerst lag in den Porsche-Kurven ein privater Zytek-LMP2 vor mir, der relativ langsam auf der rechten Fahrbahnseite vor mir hergefahren ist. Ausgangs der Kurve lag ich dicht hinter ihm und zog dann nach links, um an ihm vorbeizufahren.

Dann folgt ein Rechts-Links-Knick, wo man eigentlich recht problemlos zu zweit nebeneinander hindurch fahren kann, nur hat sich der Kollege dann im letzten Moment dazu entschieden, nach links rüber zu ziehen. Vermutlich hat er mich nicht gesehen, auf alle Fälle musste ich ins Gras ausweichen und habe mich daraufhin gedreht. Zum Glück bin ich nirgends angeschlagen, nur ein Hinterreifen war kaputt.

Der zweite Dreher entstand dann deshalb, weil wir ein Problem mit der Traktionskontrolle bekamen. So etwas erwischt dich einfach eiskalt, vor allem wenn du dich in der Mulsanne-Kurve darauf verlässt. Wenn die Traktionskontrolle dort nicht greift, dann ist ein Dreher in den LMP1-Autos eigentlich nicht zu vermeiden.

Von 47 auf 16

Klaus Graf Cytosport Le Mans

Die Aufholjagd von Team Cytosport fand um Mitternacht ein jähes Ende Zoom

Ich habe meine Box angefunkt und ihnen gesagt, dass irgendetwas nicht stimmt und bin dann in die Garage gefahren. Zehn Minuten haben wir gebraucht, um einen defekten Sensor zu wechseln. Parallel dazu haben wir auch am Flügel etwas verändert, was zur Folge hatte, dass das Auto nachher noch besser lief.

Der Vorfall ganz zu Beginn, als der RML das Auto auf der Bremse verloren hat und vor Greg Pickett über die Fahrbahn schoss, war gar nicht so schlimm. Ich glaube, dass Greg ihn nicht einmal berührt hat, aber trotzdem haben wir Greg sicherheitshalber an die Box geholt und die Reifen gewechselt.

Was soll man sagen - plötzlich lagen wir nach diesen drei Vorfällen nur auf Position 47, und haben uns im Anschluss wieder bis auf Platz 16 nach vorne gearbeitet, bis eben der Motorschaden kam. Ich hatte das Vergnügen, unseren ersten Dreifachstint in die Dunkelheit hinein zu fahren. Das Auto war nach den Änderungen so gut, dass sogar im Dunkeln 3:37er Zeiten locker möglich waren.

Cytosport gehört nach Le Mans

Greg Pickett Cytosport

Cytosport-Chef Greg Pickett erfüllte sich in Le Mans einen Lebenstraum Zoom

Um aus der Sicht des Cytosport-Teams ein Fazit zu ziehen: Wir haben sicherlich gezeigt, dass wir in das Le-Mans-Feld gehören. Wir haben durch die ganze Vorbereitung hindurch nicht einen Kratzer ans Auto gefahren und uns permanent im Mittelfeld der LMP1-Autos gehalten.

Unser Teambesitzer Greg Pickett hat sich einen Lebenstraum erfüllen können. Er fuhr den Le-Mans-Start, auch seine ganze Familie, seine Kinder und viele Freunde waren vor Ort. Unter dem Strich war Le Mans trotz des Motorschadens also ein erfolgreiches Wochenende.

Ich persönlich bin insofern auch zufrieden, weil ich das Maximum des Autos herausholen konnte. Ganz ehrlich gesagt hätte ich im Qualifying gerne die 3:30er Schallmauer geknackt, aber dazu hatte ich einfach zu viel Verkehr in den Porsche-Kurven und in den beiden letzten Schikanen.

Le Mans ab jetzt wieder auf dem Radar

Klaus Graf

Klaus Graf möchte noch oft in der Boxengasse von Le Mans aktiv werden Zoom

Ansonsten bin ich mit meiner Leistung zufrieden, denn ich konnte in Le Mans eine fehlerfreie Leistung zeigen. Da gab es - und das hat mich sehr gefreut - viele positive Rückmeldungen aus dem Garagenbereich, was für mich persönlich einen sehr wichtigen Stellenwert hat.

Eines möchte ich auch noch loswerden: Ich konnte die vergangenen Wochen in Le Mans wieder feststellen, wie sehr ich dieses Rennen und diese Strecke liebe, und wie sehr ich das gesamte Drumherum durch meine vielen USA-Engagements vermisse.

Ich muss ganz ehrlich sagen: Sollte Cytosport 2009 in Le Mans aufgrund der ALMS-Aktivitäten nicht in Le Mans am Start sein, dann werde ich alles daran setzen, nächstes Jahr wieder in Le Mans zu fahren. Es wäre richtig schön, wenn ich in den kommenden Jahren dort am Stück antreten könnte. Das wäre ein persönlicher Wunsch von mir.

Herzliche Grüße,

Klaus Graf

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