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  • 17.10.2011 · 16:32

  • von Roman Wittemeier

Hybridtechnik in Le Mans: Toyota bringt Schwung hinein

Nach der Ankündigung der Rückkehr von Toyota nach Le Mans geben Audi und Peugeot bei der Entwicklung Gas: Hybrid ist im Kommen

(Motorsport-Total.com) - Nachdem Toyota als Motorenhersteller zunächst nur als Partner von Rebellion in die Langstreckenszene zurückgekehrt war, gab es immer wieder Gerüchte um ein werksseitiges Comeback der Japaner. Entsprechende Nachfragen wurden aus der TMG-Zentrale in Köln regelmäßig sehr freundlich zurückgewiesen. Doch nun ist es raus: Toyota wird schon 2012 wieder in Le Mans fahren - mit einem Benziner-Hybrid.

Alexander Wurz, Nicolas Minassian und Stephane Sarrazin testeten den Hybrid

Nach dieser Ankündigung dürften in Velizy (Peugeot) und Ingolstadt (Audi) die Alarmglocken erklungen sein. Mit Toyota kommt nicht nur ernsthafte Konkurrenz um künftige Le-Mans- und WM-Siege, sondern die Japaner setzen sofort auf das Hybrid-Pferd. Aus Sicht von Audi und Peugeot ist es kaum auszudenken, dass die Japaner womöglich schon kurz nach dem Comeback den ersten KERS-Sieg in der LMP1-Szene herausfahren. Immerhin haben die beiden Platzhirsche enorme Entwicklungsprogramme in Arbeit.

Sowohl Audi und Peugeot zögerten bisher mit dem Einsatz ihrer Hybrid-Fahrzeuge. Die Löwen wollten ihr Modell (908 HYbrid4) ursprünglich einen Testlauf beim Le-Mans-Vortest absolvieren lassen, entschieden sich aber schließlich anders. Auch Audi konzentrierte sich bislang eher auf die weitere Entwicklung des herkömmlichen R18 TDI. Die Zeit für KERS war noch nicht reif - und nun kommt Toyota und dreht an der Uhr.

Peugeot reagierte schnell und absolvierte mit dem KERS-908 einen öffentlichen Testlauf in Estoril. Nach Angaben der Franzosen war es der erste Probelauf dieser Art überhaupt. Stimmt aber wohl nicht ganz, denn die Hybridversion war nach Informationen von 'Motorsport-Total.com' schon deutlich früher auf der Bahn - nur eben eher in aller Abgeschiedenheit. Peugeot sieht sich gern als Vorreiter in Sachen Hybridtechnik, hat nun also Angst, Toyota könnte den Ruf schmälern.


Fotos: Testfahrten mit dem Peugeot 908 HYbrid4


Offiziell heißt es aus Velizy, dass Alexander Wurz, Stephane Sarrazin und Nicolas Minassian bei einem Testlauf in Estoril erst einmal 300 Kilometer mit dem 908 HYbrid4 absolvierten. "Unser Ziel waren nicht viele Kilometer, sondern einzig und allein Funktionschecks", sagt Technikchef Bruno Famin. "Es war wichtig, dass wir alle Daten analysierten, um für den nächsten Run entsprechende Anpassungen vornehmen zu können. Das System hat tadellos funktioniert und wie erwartet reagiert. Das war gut."

In einem zweiten Schritt nahm man angeblich erste Anpassungen bezüglich des Setups vor. Die veränderte Gewichtsverteilung und das neue Bremsverhalten verlangen nach einer neuen Abstimmung des 908. "Ich hatte das große Glück, dass ich 2008 im Original-Hybrid-Showcar fahren durfte und nun war ich der erste Fahrer, der den 908 HYbrid4 bewegen durfte", freut sich Nicolas Minassian. "Es ist extrem schön, wenn man an einem Projekt dieses Ausmaßes mitwirken darf. Das ist zweifellos die Zukunft."

¿pbvin|64|3820||0|1pb¿"Wir konnten das komplette Programm abspulen, was fantastisch war", jubelt Teamkollege Sarrazin. "2010 haben wir das neue System entworfen und es Anfang 2011 erstmals auf dem Prüfstand getestet", sagt Famin. "Leider haben wir bei Peugeot keinen Prüfstand, auf welchem Motor, Getriebe und Kraftübertragung gleichzeitig getestet werden können. So etwas können wir in der Gesamtheit dann nur im Auto ausprobieren. Ich bin gespannt, wie das System auf anderen Strecken arbeitet", sagt der Technikchef.

Die Franzosen werden das Hybridauto in den kommenden Monaten intensiv weiterentwickeln. Schon bald soll das Fahrzeug wieder auf Prüfstand und Strecke arbeiten. "Es beginnt dann bald eine ganz neue Phase. Dann werden wir nicht nur am System arbeiten, sondern uns um das Feintuning des Setups kümmern", so Famin. Gerüchte um einen möglichen Einsatz schon beim ILMC-Finale 2011 in Zhuhai widerspricht er: "Wir werden sicher nichts überstürzen. Wir sind in der Lernphase, Langstreckentests kommen später."