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"Jetzt-Mensch" Smudo und der grüne Motorsport

Fanta 4 und der Motorsport: Wie Popstar Smudo die aktuelle Diskussion um den grünen Motorsport erlebt, und wie er sein eigenes Team für die Zukunft rüstet

(Motorsport-Total.com) - Er bezeichnet sich als "Berufsamateur mit professionellem Anspruch": Natürlich ist die Showbranche nach wie vor das angestammte Terrain von Smudo, einem der Köpfe hinter den "Fantastischen Vier". Doch der Hip-Hopper macht zunehmend auch im Motorsport auf sich aufmerksam. Seit der Saison 2000 ist Smudo in deutschen Cockpits aktiv, mittlerweile mit eigenem Team.

Smudo und sein Ford Mustang mit Biodiesel

Smudo betankt seinen Ford Mustang ausschließlich mit Biodiesel Zoom

Der gebürtige Offenbacher setzt dabei vehement auf die Karte grüner Motorsport. Eine seiner Thesen: "Die Automobilpioniere Carl Benz, Rudolf Diesel und Nicolaus August Otto würden sich wohl im Grabe herumdrehen, wenn sie wüssten, dass ihre Motorenkonzepte selbst nach dieser langen Zeit quasi noch unverändert zum Einsatz kommen." So lautete das klare Smudo-Statement auf der Podiumsdiskussion des Sports Business Summits (Spobis) in München.#w1#

Wie Smudo sein Biokonzept mit Biodiesel und Biofaser einordnet, ob sein Auto wirklich auf einem Komposthaufen wiederverwertet werden könnte und wie er sich eine grüne Zukunft im Motorsport vorstellen könnte, verriet der 40-Jährige in einem ausführlichen Interview mit 'Motorsport-Total.com'.

Frage: "Smudo, ist der Motorsport für dich als Entertainer ein reines Hobby oder steckt hinter deinem Engagement noch etwas mehr?"
Smudo: "Ich mache das durchaus mit dem sportlichen Ehrgeiz, auf professionellem Niveau dazustehen. Aber am Ende bin ich nicht mit fünf Jahren im Kart gesessen und habe insofern auch keine sportliche Basisarbeit genießen dürfen. Ich bin ein talentierter Amateur und Motorsportenthusiast."

Four Motors und Biodiesel

Smudo

Smudo bezeichnet sich als Berufsamateur mit professionellem Anspruch Zoom

"Als sportlicher Ehrgeizling habe ich aber bemerkt, dass ich bei Sprintrennen auf Dauer nicht gut aufgehoben bin. Mittlerweile kann ich zwar bei dem einen oder anderen Sprintrennen ganz gut im Mittelfeld mitfahren, aber einen Pausenclown will ich nicht darstellen. Ich will richtig Motorsport machen und da bietet der Langstreckenpokal mit seiner Betonung der Konstanz eine gute Möglichkeit, in der ich auch sehr schnell Fuß gefasst habe."

"Im Verlauf dieser Fußfassung haben wir uns auch ein eigenes Team aufgebaut, das sich Four Motors nennt. Unser Ziel war dabei schon, innerhalb des Langstreckenpokals beim24 Stundenrennen gut gesamtplatziert zu sein, also unter den ersten 50. Das macht bei den Sponsoren schon einen guten Eindruck."

"Und auf der Suche nach den dazu notwendigen Komponenten sind wir schnell auf die Idee gekommen, dass Biodiesel dabei eine gute Sache ist. Dabei haben wir auch Sponsoren finden können, die dieses Thema spannender fanden als Biodiesel auf einem McDonald's-Truck oder als Traktor auf irgendeinem Acker."

"Wir betreiben seit 2003 ernsthaften Motorsport. Die ersten drei Jahre mit einem New VW Beetle. Über diese Langfristigkeit kamen wir mit immer mehr Menschen in Kontakt und auch in der Gesellschaft hat das Thema Ökologie immer mehr zugenommen. Gleiches gilt für die Sponsoren. Zum Beispiel die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V., die uns bei der Entwicklung und Herstellung der Biofaser-Teile unterstützt."

Biofaser und Showcharakter

Nürburgring, Nordschleife

Smudo in seinem kompostierbaren Ford Mustang auf der Nordschleife Zoom

Frage: "Die Geschichte um die Biofaser sollten wir ein wenig näher durchleuchten. Ist es wirklich so, dass dein Auto nach dem Rennen im Prinzip auf den Komposthaufen kann?"
Smudo: "Zumindest Teile davon. Das Reglement verbietet zum Beispiel, dass man das Dach aus Biofaser fertigt. Aber Türen, das bisschen Innenverkleidung oder der recht große Spoiler bei unserem Ford Mustang bestehen komplett aus Biofaser. Außerdem die Motorhaube, große Teile der Kotflügel, die Stoßstangen und die Heckklappe."

"Aber auf eines möchte ich hinweisen, denn das ist ja alles keine neue Erfindung von uns. Solche Biofaserstoffe gibt es schon seit den 1920er- und 1930er-Jahren. Nur waren im Zuge des superbilligen Öls solche Faserstoffe für die Industrie uninteressant. Im Zuge der sich nun langsam zu Ende neigenden fossilen Brennstoffe werden solche Fasern jetzt wieder interessant."

Frage: "Verwunderlich ist es jetzt aber, dass du ausgerechnet einen Ford Mustang als Basisauto verwendest. Als Ami-Spritschleuder erscheint der Mustang nun nicht gerade als das ideale Fahrzeug."
Smudo: "Das ist ja gerade der Showcharakter dahinter. Der Popstar fährt nicht - wie alle anderen - auf der Nordschleife einen Kunden-Porsche und füllt da Biosprit rein, sondern er nimmt sich einen amerikanischen Spritschlucker und macht daraus ein Bioauto. Den neuen Mustang gab es noch nicht einmal als Diesel."

Frage: "Weiß denn die Ford Motor Company von deinem Projekt?"
Smudo: "Ja natürlich. Wir waren bei ihnen und haben sie gefragt: 'Ist das nicht eine geile Idee?' Aber Ford Europa sagte: 'Dummerweise importieren wir dieses Auto gar nicht.' Also gab es auch keinen europäischen Wagenpass, was für uns eine riesengroße bürokratische Hürde war, dieses Auto dann überhaupt in den europäischen Langstreckenpokal zu bekommen."

"Ford hatte daher natürlich ein Problem, denn sie wussten nicht, welchen Topf sie hätten aufmachen können, um uns zu helfen. Sie hätten sich natürlich sagen können, 'den mit dem Geld', aber da hätte dann Ford-Mustang-Marketing draufstehen müssen und diesen Topf gab es in Europa nicht."

Nachwachsende Rohstoffe als Energielieferant unverzichtbar

Smudo

Smudo will mit seinem Four-Motors-Team eine Vorreiterrolle spielen Zoom

Frage: "Im Bereich grüner Motorsport ist euer Projekt beim Thema Biodiesel und Biofaser angesiedelt, im weitesten Sinne gedacht also im Umfeld von Ethanol. Es existieren aber jede Menge unterschiedlicher Konzepte. Ist dies euer bevorzugtes Terrain?"
Smudo: "Wir verstehen unser jeweils aktuelles Auto als Bio-Concept-Car, bei dem man alle möglichen neuen Technologien in diese Richtung zeigen kann. Biosprit allgemein und speziell Biodiesel kann alles Mögliche sein, und wir wollen da auch mit der Zeit gehen."

"Für uns stellt sich die Frage immer: Welches Auto haben wir, welchen Motor bauen wir ein und wie flexibel sind unsere Sponsoren? Das Stück, das wir aufführen, heißt Biotechnologie und regenerativer Treibstoff, der dazugehörige Akt lautet 2009."

Frage: "Das Konzept Ethanol ist - global gesehen - nicht ganz unumstritten. Während man in den USA und in Brasilien sehr drauf abfährt, gibt es vor allem in Europa kritische Stimmen nach dem Motto: Aus Essen macht man keinen Sprit. Wie ist eure Meinung dazu?"
Smudo: "Im Energiemix der Zukunft wird Biokraftstoff eine ganz berechtige Rolle als Nischenenergieträger spielen. Aber natürlich muss zu diesem Thema eine Diskussion geführt werden, an deren Ende hoffentlich eine Lösung steht. Nur: Das Ganze kategorisch abzulehnen, ist sehr konservativ gedacht und sicher nicht richtig."

"Natürlich darf es nicht soweit kommen, dass es in Mexiko keine Tortillas mehr gibt, weil die Leute in den USA Auto fahren wollen. Aber dass zum Beispiel in Nigeria ein ganzer Staat seit 50 Jahren korrupt ist und Leute in der Petroindustrie sterben, dass mit Spritgeld Waffen für Putschisten gekauft werden, davon spricht keiner. So etwas wird unter den Teppich gekehrt."

Kein Grüner, aber bitte grüner Motorsport

Nürburgring, Nordschleife

Die Biodiesel-Technik ist noch nicht beim Konsumenten angekommen Zoom

"Eine solche Diskussion ist also nicht ganz fair. Eine nachwachsende Form der Energie wird der ganzen Welt helfen, das ist gar keine Frage. Wichtig ist aber das große Ganze. Zum Beispiel kann man schon die Frage stellen, ob im Verbrennungsteil eines Hybriden in Zukunft nachwachsende Rohstoffe zum Einsatz kommen."

Frage: "Deine Meinung ist also nicht ein Entweder/Oder, sondern ein Und?"
Smudo: "Genau das versuchen wir. Wir wollen innerhalb dieser rasanten Entwicklung auch ganz gerne am Ball bleiben."

Frage: "Im Bereich grüner Motorsport entstehen derzeit eine ganze Menge kleiner und innovativer Teams. Seht ihr euch eher als Pionier, als Aufklärer oder als ganz etwas anderes?"
Smudo: "Als erstes betreiben wir Motorsport, weil es uns großen Spaß macht. Dann ist es als 'Jetzt-Mensch', also als Mensch, der in unserer Generation lebt, total spannend zu beobachten, woran die Techniker und die Forscher gerade arbeiten."

"Als drittes kommt dann sicher die Ideologie hinzu. Ich persönlich bin ja kein ausgewiesener Grüner. Ich bin so grün wie jeder andere auch, der sich sagt, ich will die Herdplatte nicht zu lange anlassen oder der sich vielleicht überlegt, ein Doppelglasfenster einbauen zu lassen."

"Ich wünschte, es gäbe für meinen Land Cruiser einen Biosprit-Umbau, aber da werde ich von den Autoherstellern im Stich gelassen. Wir stellen nur fest, dass die Technik, die wir auf der Rennstrecke im Einsatz haben, noch nicht beim Konsumenten angekommen ist."

Le Mans als großes sportliches Ziel

Le Mans

Le Mans ist das große sportliche Ziel von Smudo und Four Motors Zoom

Frage: "Sportlich gesehen: Wollt ihr 2009 die gesamte Langstreckensaison fahren?"
Smudo: "Wir wollen die komplette Saison fahren. Wir befinden uns gerade in Gesprächen mit Renault, denn wir würden 2009 gerne den Mégane fahren. Mit dem Mustang hatten wir das Problem, dass wir jedes Teil selbst entwickeln lassen mussten. Das geht ins Budget und bringt auch nicht immer die gewünschte Zuverlässigkeit. Renault ist sehr interessiert an diesem Konzept, hoffentlich klappt es."

Frage: "Beim Thema Langstrecke muss natürlich irgendwann das Stichwort Le Mans fallen. Ist das für dich ein Ziel oder eher ein Traum?"
Smudo: "Le Mans und Monaco sind die beiden Mekkas der Motorsportler und wir nähern uns Le Mans Stück für Stück an. Mit Renault ergibt sich ja ein Interesse im französischsprachigen Raum und wir nehmen da möglicherweise einen kleinen Umweg über die Ardennen und dem 24-Stunden-Rennen in Spa."

"Aber mit dem Mégane gibt es wohl nur wenig Aussichten für Le Mans. Ich weiß es ja nicht, aber vielleicht wird es irgendwann einmal ja ein dementsprechendes Reglement geben. Aber derzeit würde mir auch schon eine Showrunde in Le Mans reichen."

Frage: Warum geht ihr mit eurem Biokonzept nicht zu Porsche? Vielleicht gibt es ja einen GT2, der mit Biosprit betrieben werden kann?"
Smudo: "(lacht; Anm. d. Red.) Also wenn das passiert, dass es einmal einen GT2-Porsche mit Biodiesel gibt, dann unterhalten wir uns noch einmal."

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