McLaren-Honda enttäuscht: Kein Tempo, keine Zielankunft

Fernando Alonso und Jenson Button mussten ihre lahmen McLaren-Honda-Boliden mit defektem Auspuff abstellen - Zweikampf mit Vettel für Alonso das Highlight

(Motorsport-Total.com) - Nach vier WM-Punkten für Platz acht in Monaco fiel McLaren-Honda beim Grand Prix von Kanada auf den knallharten Boden der Tatsachen zurück. Technische Probleme sowohl am MP4/30 von Fernando Alonso als auch an dem von Jenson Button sorgten dafür, dass die einstige Erfolgstruppe zum zweiten Mal in dieser Saison einen Doppelausfall hinnehmen musste. Kurios: Sowohl bei Alonso (Runde 44) als auch bei Button (Runde 54) war es der Auspuff, der eine Zielankunft vereitelte. Das Team spricht in diesem Zusammenhang von "nicht verwandten Auspuffproblemen".

Titel-Bild zur News: Fernando Alonso

Sowohl für Alonso als auch für Button endete der Kanada-Grand-Prix vorzeitig Zoom

Neben der nach wie vor problematischen Zuverlässigkeit ist auch das Renntempo des McLaren-Honda MP4/30 nach wie vor problematisch. So wurde Button - bedingt durch Start vom Ende des Feldes und eine Durchfahrtsstrafe, nicht zuletzt aber durch das mangelnde Tempo - schon in der 22. Runde von Spitzenreiter Lewis Hamilton (Mercedes) überrundet. Der von Startplatz 13 ins Rennen gegangene Alonso lieferte sich vor seinem Ausfall ein sehenswertes Duell mit seinem von Position 18 gestarteten Ferrari-Nachfolger Sebastian Vettel.

Eine Berührung der beiden Autos blieb ohne Folgen. "Ich war so viel langsamer als er, dass ich versuchte, mich so gut es ging zu verteidigen. Das Ganze ging über eineinhalb Runden. Ich habe das Duell sehr genossen, er vermutlich weniger", schildert Alonso den ungleichen Kampf mit Vettel aus seiner Sicht.

Buttons Highlight des Rennens war "das Tempo auf abgefahrenen weichen Reifen, denn das war gar nicht so schlecht". Zu den negativen Punkten seines Tages zählt der Brite den geringen Top-Speed seines MP4/30 (Top-Speeds in Montreal bei Start/Ziel) und den daraus folgenden hohen Spritverbrauch.

"Vielleicht ist es eine Frage der Effizienz, vielleicht eine Frage des Abtriebs" rätselt Button, ist sich aber über eines im Klaren: "Wenn man aber auf den Geraden nicht schnell genug ist, verbringt man mehr Zeit mit voll durchgetretenem Gaspedal. Das treibt den Spritverbrauch natürlich nach oben." Auf Höhe der Start/Ziel-Linie fehlten Button mehr als 20 km/h auf die von Ferrari-Pilot Vettel angeführte Konkurrenz.

Nachdem beide McLaren-Honda-Fahrer mit defektem Auspuff die Segel streichen mussten, ist es um die Stimmung in Reihen der britischen-japanischen Truppe nicht zum Besten bestellt. "Es war mein dritter Ausfall hintereinander. Das ist traurig und zeigt, dass wir ein paar Dinge ändern müssen", bekennt Alonso.

Button schildert: "Es war ein schwieriger Tag, der für mich natürlich noch schwieriger wurde, weil ich von ganz hinten losfahren musste und eine Durchfahrtsstrafe ableisten musste. Einmal aus der Sequenz des Feldes herausgefallen, wurde ich von der Spitze überrundet. Dann gingen die Führenden an die Box, nur, um mich kurz darauf wieder zu überrunden. Das zeigt, wie viel Zeit wir auf der Strecke verloren haben."

"Extrem trauriges Ergebnis" für Honda

"Um es mit einem Wort zu sagen: Enttäuschend", fasst McLaren-Rennleiter Eric Boullier den Montreal-Auftritt des einstigen Weltmeisterteams zusammen. "Fernando startete gut. Von Platz 13 kommend war er am Ende der ersten Runde schon Elfter. Dann aber war er nicht in der Lage, das Tempo der anderen Autos mitzugehen. Dies lag am Defizit hinsichtlich des Top-Speeds, welches wiederum darin begründet lag, dass es Schwierigkeiten mit dem Spritverbrauch gab. So musste er am gesamten Nachmittag erheblich lupfen."

"Leider fielen beide Autos aufgrund von nicht verwandten Auspuffproblemen aus." Honda-Motorsportchef Yasuhisa Arai

Honda-Motorsportchef Yasuhisa Arai spricht von einem "extrem traurigen Ergebnis". Das Team habe nach den technischen Problemen aus den Trainings und dem Qualifying "so hart gearbeitet und entgegen der Erwartungen beide Autos rechtzeitig zum Rennen wieder aufgebaut. Leider fielen beide Autos aufgrund von nicht verwandten Auspuffproblemen aus".

"Im Moment können wir nichts tun. Die Situation ist, wie sie ist", hadert Alonso. Wie gedenken er, Button und das Team, den anthrazitfarbenen Karren aus dem Dreck zu ziehen? "Wir müssen härter arbeiten als jemals zuvor, denn wir wollen diese Situation verändern", gibt sich Alonso kämpferisch.

So frustrierend die aktuelle Situation ist, so wenig denkt der Spanier daran, aufzugeben: "Die Dinge, die wir für die kommenden Rennen in Planung haben, ergeben Sinn. Ich erkenne positive Signale. Wie gesagt: Noch härter zu arbeiten, ist alles, was wir jetzt tun können."


Fotos: McLaren, Großer Preis von Kanada, Sonntag


Button findet es "unfair, wenn man uns mit Ausnahme von Monaco eine schwache Saison andichtet, schließlich erzielen wir von Rennen zu Rennen mit mindestens einem unserer Autos Fortschritte". Wunder könne man in der ersten Saison eben nicht erwarten. "Wenn man ein Projekt von Null beginnt, dann gibt es schwierige Tage. Heute war einer davon", bemerkt der Brite nüchtern.

"Unser Hauptziel für diese Saison ist es, weiterhin so große Schritte zu machen wie bisher", sagt McLaren-Geschäftsführer Jonathan Neale mit Blick auf den Abstand zur Spitze. An eine weitere Performance-Steigerung des Honda-Antriebs denkt man dabei aber noch nicht. "Token spielen für unser Team im Moment keine Rolle. Was wir brauchen, ist Zeit", sagt Neale und kündigt für die kommenden zwei, drei Rennen weitere Schritte an.

McLaren-Rennleiter Boullier nimmt den zweiten Doppelausfall der Saison zum Anlass, um sich für den Einsatzwillen seiner beiden Piloten zu bedanken: "Ich möchte die Gelegenheit nutzen, um sowohl Fernando als auch Jenson ein Lob auszusprechen. Sie fahren unter diesen schwierigen Umständen brillant. Sie knien sich voll rein und arbeiten hinter den Kulissen extrem hart, um uns zu besserer Wettbewerbsfähigkeit und letzten Endes zum Erfolg zu führen."