Magnussen: "Innerlich fühle ich mich bereit"

Kevin Magnussen drängt nach dem Titelgewinn in der Formel Renault 3.5 auf einen Aufstieg in die Formel 1 - Stammcockpit bei Marussia oder sogar bei McLaren?

(Motorsport-Total.com) - Im Alter von 21 Jahren sicherte sich Kevin Magnussen vor wenigen Tagen den Titel in der Formel Renault 3.5 (ehemals Renault-World-Series). Nach einem Lehrjahr bei Carlin blühte der zum McLaren-Nachwuchsprogramm gehörende Däne am Steuer seines von DAMS eingesetzten Boliden in diesem Jahr so richtig auf und holte sich mit fünf Saisonsiegen den Titel.

Titel-Bild zur News: Kevin Magnussen

Kevin Magnussen drängt in die Formel 1: Debüt wie Vater Jan bei McLaren? Zoom

"Es ist ein bisschen schade, dass die Rennsaison schon vorüber ist. Ich habe das Gefühl, dass sie gerade begonnen hätte", meint Magnussen als frischgebackener Champion. Ernsthafte Zweifel am Titelgewinn hatte der Sohn von Ex-Formel-1-Pilot Jan Magnussen nicht. "Natürlich herrschte jede Menge Druck, aber ich habe immer an meine Fähigkeiten geglaubt und daran, dass ich die Meisterschaft gewinnen kann. Wir waren über das gesamte Jahr gesehen sehr stark und es gab nie ein ernsthaftes Problem, das uns in Panik hätte verfallen lassen", so der 21-Jährige.

Mit Blick auf den weiteren Karriereweg stellt sich die Frage, was wichtiger ist: Der Titelgewinn in der Formel Renault 3.5 oder die Bindung an McLaren? "Beide Faktoren sind wichtig", betont Magnussen und führt aus: "Ich würde sagen, McLaren ist insofern sehr wichtig, da diese Bindung meine stärkste in Richtung Formel 1 ist. McLaren eines der größten Formel-1-Teams, die es gibt." Blind verlassen will sich der Sohn des ehemaligen McLaren-Piloten Jan Magnussen auf seine Verbindung nach Woking aber nicht. "Man muss auch seine Leistung bringen. Unterm Strich muss alles stimmen. So gesehen war auch der Titelgewinn sehr wichtig."

Hoffnung auf baldigen Einstieg in die Königsklasse

Kevin Magnussen

Beim Young-Driver-Test in Silverstone saß Magnussen für McLaren im Cockpit Zoom

So hofft der junge Magnussen darauf, am liebsten früher als später ein Formel-1-Stammcockpit zu erhalten. Ob es dank der Unterstützung von McLaren schon in der Saison 2014 soweit sein wird, bleibt abzuwarten. Unter anderem Marussia, wo man bekanntlich eine technische Partnerschaft mit McLaren unterhält, hat bereits Interesse bekundet.

"Ich hoffe, dass es klappt", sagt Magnussen in Bezug auf einen Aufstieg - ohne allerdings Teamnamen zu nennen. Stellt sich die Frage, ob Marussia für ihn die beste Gelegenheit darstellt? "Derzeit habe ich keine Ahnung, wo meine größte Chance wartet. Im Moment kann ich nicht mehr tun als abzuwarten und auf das Beste zu hoffen", beteuert der Däne, stellt aber klar: "Sollte ich bei einem großen Team die Chance erhalten, dann nur deshalb, weil dieses Team glaubt, in mir die beste Option zu sehen." Bei seinen Young-Driver-Test-Einsätzen für McLaren wusste Magnussen wiederholt zu überzeugen.

Chance auf Stammcockpit bei McLaren?

Welche Vorstellungen verbindet der Sohn von Jan Magnussen mit einem Aufstieg in die Königsklasse? "Ich möchte gewinnen und natürlich möchte ich in der Startaufstellung soweit vorn wie möglich stehen. Natürlich würde ich mich wohler fühlen, wenn ich in einem Auto sitze, mit dem man Rennen gewinnen kann. Das liegt auf der Hand", macht der Junior kein Hehl daraus, dass er insgeheim auf ein Cockpit bei McLaren spekuliert. Während Jenson Button bei den Chrompfeilen auch für 2014 gesetzt ist, muss Sergio Perez nach zuletzt wenig überzeugenden Leistungen noch um eine Vertragsverlängerung zittern.

"Natürlich würde ich mich wohler fühlen, wenn ich in einem Auto sitze, mit dem man Rennen gewinnen kann. Das liegt auf der Hand." Kevin Magnussen

Im Zusammenhang mit einer möglichen Magnussen-Beförderung stünde natürlich die Erwartung an entsprechende Ergebnisse, doch damit hat der Youngster aus Skandinavien kein Problem: "Innerlich fühle ich mich bereit", versichert Magnussen. "Ich habe schon eine lange Karriere hinter mir und der Titelgewinn hat mir das letzte Stückchen Zuversicht verliehen. Ich habe überall, wo ich angetreten bin, auch gewonnen. Ich wüsste nicht, warum das in der Formel 1 anders sein sollte. Wenn ich noch nicht für die Formel 1 bereit wäre, dann würde ich es spüren. Wir werden sehen, was passiert."

Im Vergleich zum kometenhaften Aufstieg des ehemaligen McLaren-Nachwuchspiloten Lewis Hamilton sieht Magnussen aber einen gravierenden Unterschied. "Wenn ich in diesem Jahr Woche für Woche testen gehen könnte, dann wäre ich natürlich noch besser vorbereitet. Wenn ich sage, dass ich bereit bin, dann heißt das nicht, dass ich in gleicher Weise vorbereitet wäre wie es die Fahrer vor zehn Jahren waren. Sie konnten damals ständig testen gehen. Es ist wohl so, dass nie wieder jemand so gut vorbereitet in die Formel 1 kommen wird die Fahrer damals. Die Zeiten haben sich einfach geändert."

Vater Jan Magnussen nur im Privaten ein Vorbild

Jan Magnussen

Kevins Vater Jan Magnussen ist selbst erfolgreicher Rennfahrer Zoom

Geändert haben sich die Zeiten nicht nur hinsichtlich der Testfahrten. Angesprochen auf Vater Jan Magnussen, der zwischen 1995 und 1998 insgesamt 25 Grands Prix für McLaren und Stewart bestritt und seit Jahren erfolgreich im Langstrecken-Sport unterwegs ist, entgegnet der Sohn: "Ich bin nicht mein Vater und habe nicht seine Fähigkeiten. Auch er ist ein großartiger Rennfahrer, aber eigentlich habe ich gar nichts von ihm. Ich bin ganz anders."

Trotz der Unterschiede habe Magnussen jun. "natürlich wie jedes Kind von den Eltern gelernt". Der Rennen fahrende Vater fungierte in diesem Zusammenhang "immer als mein Held, zu dem ich aufgeschaut habe", wie der 21-jährige McLaren-Nachwuchsfahrer betont. Eine spezielle Gabe habe ihm der Vater aber nicht mit auf den Weg gegeben: "Man kann es ohnehin nicht vergleichen. Es war eine andere Ära und er ist ein anderer Fahrer."