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Interview: Ebels "Kai-lights" des Jahres

"Mister Boxengasse" Kai Ebel über Party mit "Schumi" und dessen "Lehrabend" bei Henry Maske, ein Interview mit Leo Sayer und - natürlich - seine auffälligen Outfits

Kai Ebel
Kai Ebels Bekanntheitsgrad übersteigt den von vielen aktuellen Rennfahrern
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com) - Wenn man in Deutschland Formel 1 sagt, fällt den meisten wahrscheinlich spontan Kai Ebel ein: Der gelernte Diplom-Sportlehrer ist seit 1992 das Grand-Prix-Gesicht des Privatsenders RTL und hat hierzulande in der breiten Öffentlichkeit - mit Ausnahme vielleicht von Michael Schumacher - wahrscheinlich einen höheren Bekanntheitsgrad als viele Fahrer.

Ebel kommt ab 2013 als regelmäßiger Kolumnist für das Portal Formel1.de zur SPORT MEDIA SERVICE GROUP und wird vor allem bunte Einblicke gewähren, die die Fans sonst nicht im Fernsehen oder aus Fachmedien erhalten. Im Jahresrückblicks-Interview spricht er über seine coolsten Momente 2012, sein Verhältnis zu Michael Schumacher (mit dem er fast zeitgleich in die Formel 1 gekommen ist) und viele unterhaltsame Begegnungen, die sich abgespielt haben, als die RTL-Kameras abgeschaltet waren...

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Frage: "Kai, was war denn abseits der TV-Kameras dein coolstes, aufregendstes, spannendstes, witzigstes, unterhaltsamstes Erlebnis in diesem Jahr?"
Kai Ebel: "Ich fand eine Geschichte superwitzig, die in Texas passiert ist. Ich war ja schon ein paar Tage früher da und kenne die Tilke-Leute ganz gut, die die Strecke gebaut haben. Ich habe mich dort mit einem Freund verabredet, und der hatte einige seiner Kollegen mit."

Tilkes Olli und Schumachers Panne

"Einer hieß Olli. Und der Olli war schon ganz aufgeregt, denn Olli sollte am Sonntag in der Fahrerparade Sebastian Vettel chauffieren. Und deswegen war Olli bei uns immer nur der 'designated Driver'. Wir haben ihn natürlich immer damit aufgezogen und gesagt: 'Das kriegst du doch eh nicht hin, du würgst doch den Wagen ab! Irgendwas wird doch da schiefgehen.' Wir haben ihn dann eigentlich drei Tage lang damit aufgezogen."

"Am Sonntagmorgen kam er dann im Streckenhotel ganz aufgeregt auf mich zu und meinte: 'Du, ich muss dir was sagen.' Ich sage: 'Du, ich komm dich vielleicht sogar interviewen, mal abwarten.' Dann sagt er: 'Ja, ich fahr jetzt aber gar nicht mehr den Vettel, ich fahr den Michael Schumacher.' Dann begann unsere Live-Sendung, Niki Lauda und Florian König standen etwas weiter hinten in der Startaufstellung, ich stand ziemlich weit vorn."

Kai Ebel und Sebastian Vettel
Kai Ebel bei der Arbeit: Im lockeren Gespräch mit Weltmeister Sebastian Vettel
© xpbimages.com

"Und dann hör ich nur: Da gibt es ein Problem an Michael Schumachers Auto. Den Rest kennen wir, und das war halt unser Olli! Das Schöne ist: Jeder hat mitgekriegt, da gab's ein Problem. Nur wir haben ihn drei Tage vorher schon damit aufgezogen, und die Prophezeiung hat sich dann irgendwie bestätigt."

Frage: "Ein etwas ernsteres Thema: Am Jahresanfang hatten wir diesen umstrittenen Grand Prix in Bahrain, mit der angespannten politischen Situation, die es dort gab. Wie waren denn deine Eindrücke, als du dort gelandet bist? Hattest du irgendwann ein ungutes Gefühl?"
Ebel: "Nein, ich hatte grundsätzlich kein Problem damit. Ich fand's nicht schön und mir wäre auch lieber gewesen, dass man sagt: 'Wir lassen es.' Das wäre mir ganz recht gewesen."

Keine Angst am Bahrain-Wochenende

"Es ist einfach blöd, wenn du nicht ins Stadtzentrum gehen kannst. Man war schon eingeschränkt, aber ich kann jetzt nicht sagen, dass ich Angst hatte, dass da eine Bombe an der Strecke hochgeht. Ich glaube nicht, dass es der politisch richtige Weg war, da ein Rennen zu fahren. Auf der anderen Seite: Wir fahren auch in anderen politisch unkorrekten Ländern. Insofern ist das immer schwer zu beurteilen."

"Also: Unsicher habe ich mich nicht gefühlt, aber es war jetzt auch nicht so, dass ich gesagt habe: 'Mann, das war ja ein Traum-Grand-Prix!' Wir wissen ja auch, dass da Interessen dahinter stecken, warum da gefahren wird."

Frage: "Im Paddock war von der angespannten Situation nichts zu spüren, aber hast du außerhalb des Paddocks irgendwas mitbekommen, am Flughafen zum Beispiel, bei den Sicherheitskontrollen? War das anders als in den Jahren davor?"
Ebel: "Überhaupt nicht. Mann hat alle paar Meter irgendwo ein Militärfahrzeug oder Polizeiauto gesehen, sonst war nichts anders. Und ich habe ehrlich gesagt auch mein Hotel abends nie verlassen und deswegen eigentlich nichts mitbekommen."

Frage: "Das 'Corporate Thinking' war in Bahrain ein großes Thema. Viele Fahrer wurden kritisiert, dass sie sich nicht zu solchen Themen äußern, was natürlich schwierig ist, wenn Konzerne hinter ihnen stehen, die wiederum teilweise politische Interessen haben, teilweise noch dazu aus dem Land, wo das stattgefunden hat."
Ebel: "Ich finde es ein bisschen schade, dass auf der einen Seite immer alle schreien: 'Wir brauchen Individuen! Wir wollen Fahrer, die ihre Meinung sagen!'"

Kritik am FIA-Maulkorb

"Aber wenn sie dann tatsächlich mal ihre Meinung sagen, dann wird die Meinung eingedämmt oder sie kriegen einen Verhaltenskodex, weil sie auf dem Siegerpodest eine falsche Antwort geben, wie jetzt der Sebastian, der nun wirklich so redet, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Dann sagt er mal was Schönes, wo sich eigentlich jeder Journalist freuen kann: 'Mensch, blöd, da fährt mir dann so eine Gurke in den Weg.' Und dann regen sich alle auf: 'Wie kann er seinen Kollegen so bezeichnen?'"

"Das ist doch alles Heuchelei, das ist doch ein Feigenblatt. Und genau dasselbe, wenn er dann mal ein Slang-Wort oben auf dem Podest verwendet. Ich finde das alles halb so wild. Aber dadurch, dass man dann einen Verhaltenskodex anlegt und sagt, 'Die Fahrer brauchen jetzt einen gewissen Wortschatz', werden die alle nur noch aalglatter. Irgendwann brauchen wir so Dictionary 'Formel 1 - Deutsch, Deutsch - Formel 1'."

"Alle regen sich auf und sagen: 'Mensch der James Hunt, das war ein geiler Typ.' Jetzt hat man Kimi und sagt: 'Uh, der ist bestimmt Alkoholiker.'"
Kai Ebel

"Erst bürdet man denen das auf und hinterher beschweren sich alle: 'Ach, guck mal, die reden ja alle gleich, wieso sagt denn keiner was?' Und das finde ich irgendwie jammerschade und heuchlerisch. Mein Gott, lasst die doch fluchen! Es sind doch auch Menschen, das sind junge Menschen. Lasst sie reden. Alle regen sich auf und sagen: 'Mensch der James Hunt, das war ein geiler Typ.' Jetzt hat man Kimi und sagt: 'Uh, der ist bestimmt Alkoholiker.' Lasst den doch mal einen trinken, solange er schnell fährt."

Frage: "Der FIA-Maulkorb war aus dieser Sichtweise das Unding des Jahres, findest du nicht?"
Ebel: "Unding des Jahres würde ich jetzt so nicht sagen, aber ich finde es einfach generell nicht okay, wenn man in den Sprachgebrauch der Fahrer eingreift. Das sind erwachsene Menschen. Man kann hinterher kritisieren, wie die reden, aber denen vorschreiben zu wollen, wie sie zu reden haben, welche Vokabeln sie benutzen, das finde ich einfach nicht in Ordnung."

Mit den Geissens in Monte Carlo

Frage: "Monte Carlo ist jedes Jahr ein ganz besonderes Wochenende. Was war dieses Jahr deine Monaco-Geschichte des Jahres?"
Ebel: "Monaco ist eigentlich immer schön, immer unterhaltsam, gefällt mir immer gut. Da ist die Formel 1 eigentlich so, wie man sie sich vorstellt: dass du auf Booten bist und feierst."

"Für mich war das Witzige dieses Jahr, dass ich tatsächlich mit den Geissens gedreht habe, die ich allerdings schon 20 Jahre kenne - also länger, als sie im Fernsehen waren. Es ist schon lustig, dass sich plötzlich auch Fahrer mit denen fotografieren lassen, oder auch Fußball-Nationalspieler da sind, die die Geissens kennen und sagen: 'Oh toll, von denen hätte ich auch gerne ein Autogramm'."

"Monaco ist verkehrte Welt."
Kai Ebel

Frage: "Das gibt es in der Form nur in Monaco."
Ebel: "Ja genau, verkehrte Welt. Darüber habe ich mich köstlich amüsiert."

Frage: "Du bist seit 20 Jahren bei 'RTL' der 'Mister Boxengasse' und hast bestimmt, mit Ausnahme von Michael Schumacher vielleicht, mehr Fernsehzeit gehabt als die meisten aktuellen Fahrer. Wie gehst du mit diesem Bekanntheitsgrad um?"
Ebel: "Das hat Vor- und Nachteile. So muss man das als Gesamtpaket eben auch kaufen. Ich sehe es immer noch so, dass das Nebengeräusche sind."

"Eigentlich werde ich dafür bezahlt, dass ich meinen Job vor der Kamera mache. Dadurch, dass es aber viele mitkriegen, wird man automatisch populär, sobald man in dieser Kiste auftritt. Und damit muss man dann halt umgehen."

Smartphones machen das Leben schwer

"Die Vorteile sind wiederum, dass man in der Regel nicht in der Schlange steht, wenn man ins Restaurant möchte, dass man auch in einem vollen Kino noch einen Platz kriegt, dass man zu jedem Sportereignis hin kann, wo man hin möchte. Nachteile sind wiederum, dass - wenn man sich gerade mal an die Nase packt oder an den Hintern, weil's da juckt - auch sofort einer mit dem Handyfoto dabei ist, und dass man auch nachts um 2:00 Uhr noch über taktische Finessen des roten Teams in der Pizzeria reden muss."

"Es hält sich die Waage. Das wusste ich, als ich den Job angefangen habe, und man merkt, wie sich das entwickelt. Damit muss man dann umgehen. Und wenn man das nicht kann, dann kann ich auch nur den Bernie zitieren: 'If you can't ride two horses, stay out of the circus.' Das nehme ich in Kauf und mach das mit."

Frage: "Du hast gerade das Thema Handys angeschnitten. Die Geburt der Smartphones hat - was die öffentlichen Personen angeht - eine ganz neue Dimension aufgetan. Hast du damit schon mal negative Erfahrungen gemacht?"
Ebel: "Zu 90 Prozent nicht, weil die Menschen höflich sind und fragen: 'Dürfen wir ein Handyfoto machen oder nicht?'"

"Einige halten einfach drauf oder fangen an, einen zu filmen. Da gehe ich dann hin und sage: 'Es wäre nett, wenn man mich fragt, denn ich möchte auch mal privat sein.' Gerade, wenn man irgendwo isst. Es ist ja auch nicht so schön, dabei gefilmt zu werden, wenn man sich gerade ein Würstchen in den Mund steckt."

Bekanntheit und ihre negativen Folgen

"Oder wenn jemand plötzlich ankommt und sagt: 'Ey Boxenluder, das ist mein Bruder, der hat Geburtstag. Sag mal Happy Birthday.' Wenn ich höflich gebeten werde, mache ich sowas, aber nicht so. Aber so etwas ist eher die Ausnahme. Zu 90 Prozent sind die Leute sehr höflich. Das Handy hat insofern die Autogrammkarte ein bisschen ersetzt. Man muss weniger schreiben und Autogramme geben, sich aber immer daneben stellen und ein Foto machen."

Frage: "Negative Erfahrungen, im Sinne von dass jemand ein Handyfoto macht und dann zu einer Zeitung geht, hast du noch nie gemacht?"
Ebel: "Da habe ich noch nie schlechte Erfahrungen gemacht. Da ist unsere Privatsphäre noch nie verletzt worden."

Frage: "Nächstes großes Thema, an dem man in einem Jahresrückblick nicht vorbeikommt, ist der endgültige - oder wahrscheinlich endgültige - Rücktritt von Michael Schumacher. Ihr beide habt ja die Parallele, dass ihr fast gemeinsam angefangen habt Anfang der 1990er-Jahre. Schildere doch mal, wie das bei dir damals stattgefunden hat."
Ebel: "Ich bin wie die Kuh zum Eis zur Formel 1 gekommen. Da wurde Not zur Tugend gemacht."

"Wir haben die Fußballrechte verloren, und da hat der Chef dann gesagt: 'Geh doch mal zur Formel 1, guck dir doch mal ein Rennen an, vielleicht kann man da was machen.' Das war dann Barcelona 1992, und wir haben sofort geschnallt, das ist so etwas wie Olympia, da kann man eine ganze Menge machen, eben auch um die Strecke herum und nicht nur so wie diese ganzen Spritköpfe."

Kein angeborenes Benzin im Blut

"Ich bin nicht so ein Kind, das an der Nordschleife zur Welt gekommen ist und auch schon die unterschiedlichen PS-Zahlen auseinanderhalten konnte. Ich komme überhaupt nicht aus dem Motorsport und habe mich deswegen eher wie ein Tourist angenähert. Aber ich glaube, das war auch irgendwie ganz gut. Deswegen habe ich es mit anderen Augen gesehen, offener gesehen, vielleicht auch Randgeschichten gesehen, die andere nicht unbedingt auf den ersten Blick bemerken. So habe ich die Formel 1 lieben gelernt."

"Ich habe am Anfang auch Helme auswendig gelernt, damit ich weiß, wer wer ist. Daraufhin habe ich in Barcelona mein erstes Interview mit Michael Schumacher gemacht - erstes Rennen, erstes Interview. Da war er noch kein Weltmeister. Und ich habe schon gemerkt, da ist jemand, der weiß genau, was er will, und wirkt unglaublich professionell und von seiner Sache überzeugt. Da hatte man schon das Gefühl, da wird mit Sicherheit was draus."

"Und dann habe ich ja damals auch noch erlebt, wie ihn mal jemand zum Maske-Kampf gegen Iran Barkley in Halle eingeladen hat. Da hat er seinen ersten Boxkampf gesehen und mich gefragt: 'Kannst du mich zum Henry in die Kabine bringen?' Ich sag: 'Ja klar, kein Thema.' Der war ja schon Weltmeister, Michael war kurz davor. Und dann nahm er alle Informationen auf, die er so kriegen konnte."

"Er hat genau geguckt, wie verhält sich Henry Maske, wie verhält er sich Journalisten gegenüber. Was ist das für ein Typ? Weil der war ja wirklich auch Weltmeister, und das war der erste gesamtdeutsche Held nach der Maueröffnung. Und Michael hat immer alle Informationen aufgesaugt und die Leute genau beobachtet. Was machen sie? Was machen sie nicht? Er hat schon damals nichts dem Zufall überlassen."

Schumacher: Lehrling bei Henry Maske

Frage: "Du meinst, er hat das nicht nur aus bloßem Faninteresse an diesem Boxkampf aufgesaugt, sondern tatsächlich geschaut, was er da für sich selbst mitnehmen kann?"
Ebel: "Ja. Ich glaube, er ist schon hingekommen, weil ihn die Atmosphäre und das alles gereizt hat. Aber wenn er dann einmal da ist, dann nimmt er alles mit, was er sieht."

"Er nimmt unheimlich viele Informationen auf - das hat man ja auch in der Formel 1 immer gemerkt. Sobald er das Team gewechselt hat, hat er sofort gemerkt: 'An den muss ich mich halten.' Er hat sich gefragt: 'Wie läuft hier die Teampolitik? Wie nehme ich das Team für mich ein?' Und so weiter. Das hat er immer super gemacht, und er war auch immer lernbegierig, hatte den Drang nach vorne."

Frage: "RTL und Schumacher sind in der Formel 1 gemeinsam groß geworden und damit auch du in diesem Dreiergespann. Wie hat sich denn das Verhältnis im Laufe der Jahre - es waren ja immerhin zwei Jahrzehnte - entwickelt?"
Ebel: "Ich würde sagen, es hat sich ein vertrauensvolles Verhältnis entwickelt. Aus meiner Sicht war es nie eine Freundschaft."

"Es war immer ein sehr positives Verhältnis, das von gegenseitigem Respekt geprägt war. Ich kann da jetzt nicht für RTL, sondern nur für ihn und mich sprechen. Das fand ich eigentlich immer wirklich sehr angenehm. Der eine wusste schon, woran er beim anderen war. Was ich auch gut fand: Wenn Michael mal was nicht gepasst hat, kam er dann auch wirklich persönlich an und hat gesagt: 'Hör mal, das wollte ich jetzt mal wissen, was hast du da jetzt gefragt oder warum hast du das gefragt?' Und da konnte man mit ihm auch drüber reden."

Respekt vor Schumachers Methoden

"Es war super, dass er so offen damit umgegangen ist. Das ist mir lieber, als wenn hinten rum der Manager kommt und sich über irgendwas beschwert. Das hätte ich dann doof gefunden. Aber wenn ihm was nicht gepasst hat, dann kam er selber an und hat einen drauf angesprochen."

Frage: "Du hast jetzt betont: Freundschaft war es nicht. Hat es dennoch - in so vielen Jahren kommt man sich ja irgendwann mal näher - irgendein prägendes persönliches Erlebnis gegeben?"
Ebel: "Er hat uns irgendwann einmal - es war sein erster oder zweiter WM-Titel - zu einer Party auf Schloss Reinhartshausen eingeladen. Da waren nur ganz wenige Journalisten eingeladen, und ich zählte auch dazu. Das war eine ganz tolle Party, und da hat er es auch richtig krachen lassen. Und da dachte ich mir: 'Ach guck mal, der kann auch richtig feiern!' Das fand ich schon sehr interessant."

"Michael hatte schon fast so eine Art Galgenhumor, das war herrlich."
Kai Ebel

"Dazu muss man auch sagen, dass Michael in seiner zweiten Karriere deutlich lockerer war als in der ersten. Und er war auch deutlich humorvoller. Er hat manchmal echt richtige Dinger rausgehauen - das fand ich superwitzig und lustig. Er hatte schon fast so eine Art Galgenhumor, das war herrlich. Er konnte aber auch über die Missgeschicke bei Mercedes teilweise lachen. Das fand ich echt ganz cool."

Frage: "Zwischen 1992 und 2012 ist der Paddock gewachsen, viel mehr Journalisten sind heute akkreditiert. Wie hat sich für dich allgemein der Job in diesem Zeitraum verändert?"
Ebel: "Am Anfang fühlte ich mich wie 'in the Candyshop'. Alles war neu, groß und toll, und was es hier alles zu tun gibt, in dieser Wunderwelt. Irgendwann merkt man dann, man wird Bestandteil davon, man wird ein Mitspieler in diesem Zirkus, in diesem Spiel, man gehört ein bisschen dazu. Und dann macht es auch mehr Spaß, man kapiert mehr, man lernt, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden."

Überwiegend positive Kritik

"Man merkt, dass es auch in dieser brutalen, harten Welt eine Handvoll Freunde gibt, was sehr schön ist. Man lernt Rituale, wächst natürlich auch mit der ganzen Nummer, wird auch bekannter. Das Lustigste war für mich eigentlich immer, dass ich plötzlich dann als 'Mr. Boxengasse' gesehen wurde, dabei habe ich immer gedacht, ich bin so weit weg von diesen ganzen Geschichten. Und trotzdem hat man in mir ab einem gewissen Zeitpunkt eine Glaubwürdigkeit gesehen, was die Formel 1 angeht."

"Das sind aber meistens die, die nach einem Langstreckenflug ungeduscht an der Strecke ankommen."
Kai Ebel

"Am Anfang dachte ich, es muss auch mal Kritik geben, die meistens eben auf das Äußere abzielte, ob es der Strampelanzug war, ob es mein Grinsen war, ob es dann die progressive Kleidung war, die manche Menschen einfach nicht verstehen, weil sie von Mode a) keine Ahnung haben oder b) Individualismus nicht so groß schreiben. Das sind aber meistens die, die nach einem Langstreckenflug ungeduscht an der Strecke ankommen."

"Das ist so das, was sich alles bewegt hat. Und dass du auch plötzlich merkst, du gehörst irgendwie mit dazu zu diesem Zirkus und wirst mehr von den Leuten respektiert. Und die eben erwähnte Handvoll Freunde: Es ist eben auch toll, dass es in so einem harten Geschäft auch Freundschaften gibt."

Frage: "Deine Kleidung ist in gewisser Weise eine echte Trademark geworden über all die Jahre. Spielst du damit ganz bewusst oder ist das eher passiert?"
Ebel: "Das ist einfach passiert, denn es gab so viele Kleiderordnungen. Es gab damals diesen Overall. Darüber hat man ja auch schon immer geschrieben. Dann gab es bei uns eine Zeit lang Krawatten. Eine Saison lang gab es zwei vorgeschriebene Sakkos mit drei oder vier vorgeschriebenen Krawatten, die wir immer wieder tragen mussten. Aber das hat sich dann zum Glück schnell erledigt."

Schriller Vogel mit Modebewusstsein

"Und irgendwann, als man mir dann wirklich freie Hand gelassen hat - und ich habe mich immer schon so ein bisschen für Klamotten interessiert -, dann zieht man halt das an, was man gerne mag. Wenn ich das nur für die Kamera oder für die Öffentlichkeit tragen würde, dann würde das privat anders aussehen."

"Und diejenigen, die mich privat irgendwo treffen, die wissen ja auch: 'Mensch, da ist er ja eigentlich fast noch bunter als bei der Arbeit.' Bunter im beispielhaften Sinne, nicht tatsächlich, weil nochmal: Ich bin ja nicht Jürgen von der Lippe mit bunten Hemden, sondern bin modeinteressiert. Das finde ich immer lustig, wenn ich jetzt mit einem besonderen Hemd ankomme, das weiß ist, aber ganz speziell geschnitten, oder eine tolle Form hat, und alle sagen dann: 'Heute siehst du aber langweilig aus.' Das zeigt schon wieder, die haben nichts begriffen."

Frage: "Gab es in diesem Jahr ein spezielles Interview, das bei dir aus irgendeinem Grund hängen geblieben ist?"
Ebel: "Da fällt mir Australien ein. Ich habe Lenny Kravitz interviewt. Da war Leo Sayer dabei, der immer in Australien und mittlerweile auch ein guter Bekannter von mir ist. Den fand ich immer gut, auch seine alten Hits kenne ich noch."

"Bei RTL habe ich immer gesagt: 'Mensch, lass uns doch Leo Sayer interviewen.' Dann haben die immer gesagt: 'Ach, das ist doch irgendwie kein Großer.' Und das war jahrelang immer die Diskussion, und ich musste immer für ihn kämpfen. Und jetzt stehe ich da dieses Jahr in der Startaufstellung und gehe auf Lenny Kravitz zu, der mir mit Leo Sayer entgegenkommt - und das erste Wort, was er sagt, ist: 'Mensch, interviewe doch nicht mich, nimm doch einfach Leo Sayer, das ist eine Legende, das ist ein Mann!' Und das war in diesem Fall ernst gemeint, das hat man gemerkt."

"Lenny Kravitz fand Leo Sayer also richtig geil, einen super Typen, was er ja auch ist. Daraus haben wir so ein richtig schönes Dreiergespräch gemacht, und es war ein lustiges Interview. Ich glaube, jetzt brauche ich dann nicht mehr zu sagen, wer Leo Sayer ist, wenn der große Lenny Kravitz sagt: 'Wow, hier ist Leo Sayer, und der weiß alles über die Formel 1.' Das war echt gut."

Karriere-Ende mit Rosberg jun. jun.

Frage: "Wie lange willst du deinen Job noch machen?"
Ebel: "Als ich angefangen habe, war Keke Rosberg bei uns Experte, und wir haben mit Keke geredet. Jetzt interviewe ich seinen Sohn, der fährt. Wenn Nico Papa wird, dann wird es Zeit aufzuhören. Wenn der Sohnemann von dem plötzlich Formel 1 fährt, dann wird's Zeit."

Frage: "Deine Pläne für die Feiertage, für Silvester?"
Ebel: "Silvester feiern wir traditionell im Familien- und Freundeskreis hier bei uns zu Hause in Mönchengladbach."

Frage: "Hast du einen besonderen Wunsch für 2013, egal ob Formel 1 oder etwas anderes?"
Ebel: "2013 würde ich mir eine ähnlich spannende Saison wünschen wie dieses Jahr. Es ist natürlich immer überlebenswichtig, dass ein Deutscher um den Titel mitfährt und dass sich das auch wieder im letzten Rennen entscheidet."

"Das ist für unsere Arbeit ganz toll, wenn du die breite Masse erreichen willst, denn die wollen ihren eigenen Hero haben - also einen deutschen Star, der vorne mitfährt. Es ist brutal: Wir können unseren Job noch so toll machen, aber wenn das Finale Massa gegen Hamilton heißt, gucken nicht so viele. Das Interesse und die Werbung sind geringer, und man hat dann das Gefühl, man macht einen schlechteren Job, obwohl es gar nicht so ist."

"Das ist eigentlich sehr schade, aber so ist es. Insofern muss man auch immer den deutschen Protagonisten ein bisschen die Daumen drücken. Das ist ähnlich wie ein Champions-League-Finale zwischen PAOK Saloniki und Schachtar Donezk: Da gucken auch weniger als wenn Dortmund im Finale steht."

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