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Geheimnis um McLaren-Aerodynamik gelüftet?

11. März 2010 - 22:06 Uhr

Die McLaren-Stars Button und Hamilton steuern die Aerodynamik offenbar mit dem Knie - Protest eines Konkurrenzteams unwahrscheinlich

Loch im McLaren MP4-25
Vorne wird die Luft ins Cockpit geleitet, wo sie der Fahrer steuern kann...
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com) - Der McLaren MP4-25 hat heute die technische Abnahme in Bahrain überstanden und ist damit nach aktuellem Wissensstand völlig legal. Zwar haben die Konkurrenzteams jetzt Gelegenheit, gegen die umstrittene Aerodynamik des britischen Silberpfeils Protest einzulegen, doch das wird aller Voraussicht nach nicht passieren.

"Ich halte es für unwahrscheinlich, dass wir dagegen protestieren werden, sondern wir werden wohl eher versuchen, unsere eigene Version zu entwickeln", seufzt Red-Bull-Teamchef Christian Horner, während Martin Whitmarsh meint: "Die Leute werden sich anschauen, was wir am Auto haben, und ich kann mir gut vorstellen, dass sie sich dann selbst überlegen werden, wie sie so ein System hinkriegen können."

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Konkurrenz will kopieren

"Zuerst wurde gefragt, was das ist, dann hieß es, dass das nicht legal sein kann, und jetzt fangen sie damit an, es verstehen zu wollen. Sie fragen sich: 'Wie können wir das implementieren?' Die meisten Leute, mit denen ich darüber gesprochen habe, halten es für einen Geniestreich. Es war eine sehr kreative und einfallsreiche Person in unserer Firma, die mit dieser Idee daherkam. Wir haben diese dann entwickelt", grinst der McLaren-Teamchef.

Doch worum geht es eigentlich? Die Aufregung um die kleinen Luftdurchlässe am Heckflügel, die zunächst im Fokus von Red Bull und Ferrari standen, hat sich inzwischen gelegt. Stattdessen sickerte heute nach und nach durch, wie das System wirklich funktioniert: Durch ein Loch im Monocoque tritt ein Luftstrom ins Cockpit ein, der kanalisiert und vor dem Heckflügel wieder hinausgeleitet wird. Dieser Luftstrom kann den Anpressdruck auf dem Heckflügel stören und den Luftwiderstand verringern.

McLaren-Heckflügel
... und vor dem Flügel tritt die Luft wieder aus, um Luftwiderstand zu verringern!
© xpb.cc

Allerdings kann der Fahrer die Strömung abreißen lassen, indem er sein Knie an eine bestimmte Position bewegt. Das erhöht den Anpressdruck, der bekanntlich nur in Kurven erforderlich ist, und bringt in der anderen Kniestellung auf den Geraden um bis zu zehn km/h mehr Höchstgeschwindigkeit! Weil die aerodynamischen Teile an sich starr sind und das Knie des Fahrers nicht zum Bodywork gehört, stuft die FIA die Idee als völlig legal ein.

"So wie ich das sehe, gibt es keine Grundlage für einen Protest", blickt Whitmarsh dem Rest des Wochenendes optimistisch entgegen. "Ich glaube nicht, dass unsere Systeme von allen verstanden werden. Wenn also jemand einen Protest einreicht, dann möglicherweise auf Basis der falschen Rückschlüsse." Denn im Gegensatz zur Affäre um den Doppeldiffusor vor ziemlich genau einem Jahr gibt es diesmal keine unklaren Grauzonen im Reglement.

Änderungen nur nach Crashtest möglich

Der große McLaren-Vorteil ist, dass das Monocoque im Zuge der Sicherheitsauflagen homologiert werden musste. Im Klartext: Niemand kann einfach ein Loch in die Nase fräsen, nur um die Performance zu verbessern, solange die FIA nicht grünes Licht gibt. Theoretisch könnte der MP4-25 also bis zum Saisonende das einzige Auto bleiben, das den neuen aerodynamischen Trick nutzt. In der Praxis sieht es freilich anders aus.

"Das Chassis ist homologiert, also müssen wir uns etwas anderes einfallen lassen", weiß Horner. "Aber Ingenieure sind kreative Menschen. Denen wird schon etwas einfallen." Selbst Whitmarsh rechnet bald mit ähnlichen Lösungen der Konkurrenz, geht aber davon aus, dass jede neue Nase erst einmal einen Crashtest durchlaufen muss. Auf diese Weise gewinnt McLaren Zeit - und vielleicht entscheidende WM-Punkte.

Dennoch bildet sich der Teamchef nichts auf die Idee seines Mitarbeiters ein: "Wenn wir uns überhaupt etwas einbilden, dann erst, wenn wir in Abu Dhabi Weltmeister sind", unterstreicht er. "Jetzt sind wir zwar konkurrenzfähig, aber es ist noch viel zu früh, um sich etwas einzubilden. Wir sind hier, um Rennen und die Weltmeisterschaft zu gewinnen. Solange wir das nicht geschafft haben, wird niemand im Team zufrieden sein."

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