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Theissen: "Nick konnte da nichts machen"

27. April 2008 - 17:45 Uhr

BMW Motorsport Direktor Mario Theissen kritisiert nach Nick Heidfelds Pech die Safety-Car-Regel und analysiert den Grand Prix von Spanien

Mario Theissen
Mario Theissen hätte heute aus Barcelona auch mehr Punkte mitnehmen können
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com/Premiere) - Robert Kubica fuhr für das BMW Sauber F1 Team heute in Barcelona einen sicheren vierten Platz ein, aber Nick Heidfeld war der Pechvogel des Tages: Wegen seines langen ersten Stints musste er zu Beginn der zweiten Safety-Car-Phase an die Box kommen, was natürlich eine Stop-&-Go-Strafe nach sich zog. BMW Motorsport Direktor Mario Theissen erklärte anschließend im Interview, warum diese nicht zu vermeiden war.

Frage: "Herr Theissen, sind Sie zufrieden mit dem heutigen Rennen?"
Mario Theissen: "Ja, es war gut - bis auf das Lottospiel mit der Safety-Car-Phase. Das hat leider uns erwischt, Nick konnte da praktisch nichts mehr machen. Wir haben ihn noch reinholen wollen, haben ihn reingerufen, aber Nick war da schon an der Boxeneinfahrt vorbei. Dann musste er irgendwann reinkommen, denn ohne Benzin auf der Strecke stehen zu bleiben, ist noch schlechter als eine Zehn-Sekunden-Strafe hinzunehmen. Wir haben ihn also reingeholt. Es war uns klar, dass er dafür diese Strafe bekommt, und das hat ihn am Ende aus den Punkterängen nach hinten gespült."

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Mehr Lottospiel als Autorennen

"Ich hoffe, dass die FIA bald mit einer besseren Regelung ankommt."
Mario Theissen

Frage: "So etwas hat es ja auch mit Heikki Kovalainen in Australien schon gegeben. Was halten Sie von dieser umstrittenen Regel?"
Theissen: "Ich habe ja schon gesagt, es ist eher ein Lottospiel als ein Autorennen. Ich weiß aber, dass die Teammanager schon seit einiger Zeit mit der FIA darüber diskutieren, und ich hoffe, dass sie bald mit einer besseren Regelung ankommt."

Frage: "War die Stop-&-Go-Strafe nicht zu hart? Hätte nicht auch eine Durchfahrstrafe gereicht?"
Theissen: "Das steht nun mal so in den Regeln. Wer bei geschlossener Boxengasse zum Tanken reinkommt, der kriegt genau diese Zehn-Sekunden-Strafe. Klar ruiniert das praktisch das Rennen, daher gäbe es bessere Möglichkeiten, das eigentliche Ziel zu erreichen, das ja darin besteht, dass unter Gelb keine Autos volles Rohr über die Strecke donnern, um dann hinten aufzuschließen, und dabei Gefahr laufen, in einen bestehenden Unfall hineinzufahren."

Frage: "Was wäre ohne dieses Malheur für Nick Heidfeld drin gewesen?"
Theissen: "Nach unserer Rechnung wäre er hinter Robert als Fünfter ins Ziel gefahren."

Frage: "An diesem Wochenende war Robert Kubica wieder der schnellere Mann. Muss sich Nick Heidfeld langsam Sorgen machen?"
Theissen: "Er wäre Fünfter geworden, was gemessen am Startplatz eine gute Leistung war. Er hat heute wieder gezeigt, dass er im Rennen sehr stark ist, hat am Start zwei Positionen geholt und wieder ein gutes Überholmanöver gezeigt. Es ist wohl im Moment so, dass Robert der stärkere Qualifyer ist, aber Nick kann dank seiner Erfahrung und Übersicht und Aggressivität im Rennen dann doch wieder seine Position holen."

Frage: "Das Überholmanöver gegen Giancarlo Fisichella in der ersten Kurve war ganz schön knapp..."
Theissen: "Das war knapp, ja. Da hat Giancarlo Fisichella sicher den Fuß ein bisschen früher auf die Bremse gesetzt, denn sonst hätte es da gescheppert. Aber es ist in solchen Situationen eben eng."

Kubica solider Vierter

"Das Ergebnis war in diesem Fall schon in der ersten Kurve festgelegt."
Mario Theissen

Frage: "Wie war das Rennen von Robert Kubica?"
Theissen: "Er hat am Start eine Position verloren, ist knapp hinter Lewis Hamilton in die erste Kurve eingebogen - und fast genauso knapp hinter ihm über die Ziellinie gefahren. Die Strategien waren identisch, die Tankstopps kamen in derselben Runde, daher war das Ergebnis in diesem Fall schon in der ersten Kurve festgelegt."

Frage: "Wie schätzen Sie denn das Kräfteverhältnis nach den ersten vier Rennen ein? Wo steht das BMW Sauber F1 Team?"
Theissen: "Wir haben hier gesehen, dass Ferrari die Nase vorne hat, aber der Abstand war erfreulich gering. Ich weiß nicht, ob sie noch ein paar Reserven hätten lockermachen können, aber ich glaube, wir können uns auf eine spannende Saison einrichten. Derzeit ist es ein Dreikampf an der Spitze. Ich hoffe natürlich, dass das so bleibt."

Frage: "Angeblich hat Fernando Alonso Interesse an einem Wechsel zu Ihnen, nachdem er von Ferrari die Absage bekommen hat. Wie steht es denn mit Ihrem Interesse an ihm?"
Theissen: "Ich dachte, das Gerücht sei schon wieder vom Tisch. Es ist jedenfalls nichts dran. Auf jeden Fall ist er einer der Topfahrer, aber ich sehe derzeit keinen Bedarf, an unserer Fahrerkonstellation etwas zu ändern."