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Kolumne: Das Aus von Volvo

Nach dem vielversprechenden ersten Jahr ist Schluss: Redakteur Stefan Ziegler schreibt über das plötzliche Aus von Volvo in der Tourenwagen-WM

Robert Dahlgren

Schade, Volvo, alles ist vorbei: 2012 fahren die Schweden nicht in der WTCC Zoom

Liebe WTCC-Fans,

wir alle haben auf eine Nachricht aus Schweden gewartet. Jetzt ist sie da, doch zumindest ich hatte mir das etwas anders vorgestellt. Dass Volvo ab diesem Jahr gar nicht mehr in der Tourenwagen-WM präsent ist, will mir nicht so richtig schmecken. Offen gestanden: Ich bin auch ein bisschen enttäuscht darüber, wie sich der Hersteller aus Skandinavien in dieser Woche aus der WTCC verabschiedet hat.

Doch der Reihe nach: Schon im Herbst 2010 kündigte Volvo an, zur neuen Saison einen C30 in der Tourenwagen-WM an den Start zu bringen. Prompt ließen die Schweden 2011 Taten folgen: Beim Jahresauftakt im brasilianischen Curitiba war das Polestar-Team mit Fahrer Robert Dahlgren mit von der Partie und bestritt auch alle weiteren WM-Stationen des Jahres. Dabei schlugen sie sich prima!

Die Schweden mischen munter mit

Lag man zu Beginn des WTCC-Experiments, das bewusst als Evaluationsjahr deklariert war, noch recht deutlich hinter der Spitze zurück, so kam Volvo den Führenden immer näher. Der eigens für den Einsatz in der Tourenwagen-WM entwickelte 1,6-Liter-Turbomotor verschaffte dem Rennstall im Sommer schließlich den entscheidenden Schwung: Volvo schloss damit zu den Besten auf.

Dahlgren stellte die - auch durch die Gewichtssituation begünstigte - Leistung seines C30 daraufhin oft unter Beweis: In Oschersleben stand das Auto aus Schweden erstmals in der ersten Startreihe, im Rennen gab es immerhin Platz vier. Bessere Ergebnisse jagten Dahlgren und Polestar in der Saison 2011 vergebens, was unterschiedliche Gründe hatte. Manchmal sollte es wohl einfach nicht sein.

Ich denke da vor allem an den Startcrash von Suzuka oder die Strategiepanne von Schanghai - und in Macao verhinderte ein Unfall im Qualifying vielleicht die ganz große Sensation. Kurzum: Es lief nicht ganz so rund, wie es möglicherweise hätte laufen können, doch insgesamt war das Engagement in der WTCC für Volvo ein schöner Erfolg. Wenn da nicht stets die ungewisse Zukunft gewesen wäre.

Dahlgren bleibt bei Volvo, aber nicht in der WTCC

Von Anfang an wurde nämlich klar kommuniziert: Im Sommer fällt eine Entscheidung darüber, wie es mit dem Rennprojekt weitergehen soll. Doch der Sommer kam und ging, aber in Skandinavien übte man sich in Funkstille. Eine für Herbst angekündigte Bekanntgabe blieb ebenso aus wie ein Signal bis zum Saisonende. Und in der Winterpause verschwand Volvo schließlich völlig in der Versenkung.

Robert Dahlgren

Robert Dahlgren zeigte 2011 eine klasse Debütleistung in der Tourenwagen-WM Zoom

Naja, nicht ganz: Am 2. Dezember gab der Hersteller nämlich bekannt, dass Dahlgren einen neuen Vertrag über vier weitere Rennjahre bei Volvo erhalten hatte. Bei Volvo - nicht für die WTCC. Diese Meisterschaft wurde damals nämlich mit keinem Wort erwähnt. Dahlgren startet 2012 vielmehr in der neuen TTA-Rennserie in Skandinavien. Schon damals deutete sich an, was jetzt Gewissheit ist.

Hätte sich Volvo nämlich für einen Verbleib in der Tourenwagen-WM entschieden, das Team hätte sicherlich nicht auf Dahlgren verzichten wollen, wo der Schwede doch sämtliche Entwicklungsarbeit am C30 geleistet hatte. Zumindest theoretisch waren die Würfel aber noch nicht gefallen, denn der provisorische Rennkalender der TTA hätte Renneinsätze in der WTCC 2012 gewiss zugelassen.

Dahlgren und Tarquini: Das wäre was geworden...

Allem Optimismus zum Trotz ist nun aber klar: Volvo wird das Starterfeld in der neuen Rennsaison nicht bereichern. Dies bestätigte der Technische Direktor des Konzerns gegenüber 'Touring Car Times'. Und das erst auf Nachfrage. Von einer offiziellen Verlautbarung sah man ab. Wie ich das finde? Mit einem Wort: schwach! Das hätte Volvo nämlich gewiss anders und eleganter lösen können.


Fotos: WTCC-Höhepunkte 2011: Volvo


Die Schweden gaben so die Chance aus der Hand, ihren Rückzug aus der WTCC in eigene Worte zu kleiden und die Umstände entsprechend zu erläutern. Der Abschied, wie er aber tatsächlich stattfand, hat etwas Sang- und Klangloses an sich, das Dahlgren und die Polestar-Mannschaft nicht verdient haben. Ich hätte dieses Gespann gerne erneut gesehen, denn das Potenzial war wirklich groß!

Man stelle sich nur einmal vor, Dahlgren hätte 2012 in Gabriele Tarquini einen erwiesenermaßen starken Teamkollegen an seiner Seite gehabt. Wer hätte Volvo angesichts dieser Konstellation und der positiven Entwicklung von 2011 nicht zu den Anwärtern auf den WM-Titel gezählt? Der C30 und seine Piloten hätten das Zeug zum Siegen gehabt. Bei Volvo scheint man das aber anders zu sehen.

Der S60 passt nicht in die WTCC

Auf einmal ist der C30 nicht mehr das Auto, mit dem man Werbung für das Unternehmen machen möchte. Der S60 soll das klare Flaggschiff von Volvo sein, doch dieses Fahrzeug gibt es nicht in einer S2000-Version, wie sie in der WTCC eingesetzt werden muss. "Mit der Serie als Ganzes sind wir mehr als zufrieden, aber wir haben 2012 halt kein Auto dafür", beschreibt Derek Crabb die Situation.

Stefan Ziegler

Ich hätte gerne gesehen, wie Volvo 2012 in der WTCC um den WM-Titel kämpft... Zoom

Was der Technische Direktor von Volvo damit sagen will: Wenn wir den S60 bewerben wollen - und das tun die Skandinavier in der TTA-Meisterschaft -, dann brauchen wir nicht auch noch den C30 in der WTCC rennen lassen. Dabei wollte Volvo gerade die weltweiten Marketing-Möglichkeiten der WM nutzen und sich nicht nur auf den Kernmarkt Schweden beschränken. Passieren wird aber Letzteres.

Klar: Der S60 soll andere Kunden ansprechen als der C30 und in der WTCC bieten sich dafür wohl nicht die richtigen Wettbewerber. Die Tourenwagen-WM hat dafür etwas, was die TTA-Rennserie in Skandinavien nicht hat: den Status als offizielle FIA-WM und eben die Präsenz auf fünf Kontinenten. Wer aber ausgehend von einer erfolgreichen Evaluationssaison den Stecker zieht, ist selbst schuld.

Andererseits, und das darf man nicht vergessen: Dem Begriff "Evaluationssaison" innewohnend ist, dass Volvo 2011 die WTCC und deren Umfeld erkunden wollte. Das ist geschehen, das Ergebnis war positiv. Trotzdem verzichtet man auf die Fortsetzung des Engagements. Okay. Da kann man ihnen keinen Vorwurf machen. Schade ist es allemal. Ich glaube nämlich: Der erste Sieg war nicht fern...

Beste Grüße & danke, Volvo, für die Saison 2011!

Euer

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