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Experten sind sich sicher: Reiterberger bekommt von BMW keine dritte Chance

Max Neukirchner und Stefan Nebel trauen Markus Reiterberger eine Rückkehr in die Superbike-WM zu, dann aber nur mit einem anderen Hersteller

(Motorsport-Total.com) - BMW ermöglichte Markus Reiterberger in der vergangenen Saison die Rückkehr in die Superbike-WM. Es war Reiterbergers zweiter Anlauf in der Serie. Im Sommer entschied sich das Team aber nach einigen durchwachsenen Ergebnissen dazu, Reiterberger nach der Saison 2019 durch Eugene Laverty zu ersetzen. In diesem Jahr startet der Deutsche in der Asiatischen Meisterschaft. Wir haben uns exklusiv mit zwei WSBK-Experten über Reiterbergers Karriere unterhalten. Bekommt er eine weitere Chance in der Superbike-WM?

Markus Reiterberger

Markus Reiterberger fährt auch in der Saison 2020 für BMW Zoom

"Für den Reiti tut es mir sehr leid, dass er seine zweite Chance nicht nutzen konnte", bemerkt Max Neukirchner, der erfolgreichste Deutsche in der Geschichte der Superbike-WM. "Ich bin noch immer davon überzeugt, dass er ein Super-Talent ist. Aber er kam nicht klar, wenn er nicht das passende Umfeld um sich herum hatte, wie es in der IDM war. Dort hat er sich perfekt wohl gefühlt."

"Wenn er sich nicht wohl fühlt, fällt seine Leistung deutlich ab. Vom Menschlichen ist er ein super Typ. Er kann meiner Meinung nach in die Top 5 der Superbike-WM fahren", ist Neukirchner überzeugt. Für die schwachen Ergebnisse in der WSBK-Saison 2019 macht Neukirchner die Arbeit von Reiterbergers Crew mitverantwortlich.

Max Neukirchner nennt die Gründe für das Scheitern

"Er hatte ein Problem beim Finden der richtigen Abstimmung. Er hat sich nicht wohl gefühlt. Über die Saison hat er immer nach etwas gesucht, was er aber nie gefunden hat bei der Abstimmung. Das macht einen irgendwann kaputt im Kopf", kommentiert Neukirchner.

Max Neukirchner

Max Neukirchner kämpfte bereits in der IDM gegen Markus Reiterberger Zoom

"Es ist verdammt schwierig. Ich musste diese Erfahrung auch machen. Wenn man ein Team hat, in dem alles perfekt ist, dann läuft alles spielerisch. Die Rundenzeiten kommen ganz von allein. Doch wenn es Probleme gibt, fällt es schwer, gute Zeiten und Ergebnisse einzufahren", weiß der WSBK-Laufsieger aus seiner aktiven Zeit.

Mit 25 Jahren hat der Obinger noch einige Jahre vor sich. Welche Chancen kann sich Reiterberger auf einen dritten Versuch in der Superbike-WM ausrechnen? "Ich glaube, dass er von BMW keine Chance mehr bekommt", so Neukirchner. "Wenn dann muss er mit einem anderen Hersteller zusammenarbeiten, um in die Superbike-WM zurückzukehren."

Auch Stefan Nebel traut Markus Reiterberger ein WSBK-Comeback zu

"Das würde ich unterschreiben", bemerkt ServusTV-Experte Stefan Nebel, der Markus Reiterberger vom Talent in der Superbike-WM sieht, aber dennoch einige Defizite erkennt: "Vom Talent hat es ihm jeder zugetraut, denn sonst hätte man diesen Schritt nie gemacht. Aber das Problem ist, dass Talent allein in einer Weltmeisterschaft nicht ausreicht. Man braucht ein gutes Gesamtpaket."

Markus Reiterberger

WSBK 2019: Markus Reiterberger konnte abgesehen von Assen kaum Highlights setzen Zoom

"Und da bin ich ehrlich, beziehungsweise weiß Reiti das auch: Bisher benötigte er ein viel familiäres Verhältnis, um sich wohl zu fühlen und schnell zu fahren. Da sind andere Fahrer ganz anders", vergleicht Nebel und orientiert sich am WSBK-Champion: "Man muss sich nur Jonathan Rea anschauen. Rea ist ein Motherfucker. Ihn interessiert es nicht, auf welchem Motorrad er wirklich sitzt und wer um ihn herum ist."

"Er hat die Luxussituation, dass er sich aussuchen kann, mit wem er arbeiten kann. Natürlich hat er sich die besten Leute zusammengesucht. Er hat sich aber auch durchgebissen, indem er sich vielleicht mal nicht wohlgefühlt hat und dann trotzdem abgeliefert hat", lobt Nebel das Durchhaltevermögen von Rea. "Da hat Markus ein größeres Problem. Doch das ist eine Erfahrungssache. Markus kann nicht an einem schlechten Tag so abliefern. Dann kommt noch Unsicherheit dazu."

Stefan Nebel empfiehlt Markus Reiterberger einen Markenwechsel

"Er steht 99,9 Prozent fit da, aber diese 0,1 Prozent entscheiden in der WM über die fehlenden zwei Zehntelsekunden", schildert Nebel. "Da müsste Markus mehr lernen und das geht nur, wenn man andere Dinge sieht und erlebt. Deshalb würde ich einen Markenwechsel vorschlagen, um auch ein anderes Gefühl zu bekommen für Motorräder, um andere Basis-Motorräder zu fahren und zu erkennen, dass es auch noch andere Charakteristiken gibt."

"Ich kenne Markus seit Ewigkeiten. Aus meiner Sicht ist es einer der absolut schnellsten BMW-Fahrer, die es jemals auf dem Planeten gab. Ich weiß aber nicht, was er auf einem anderen Motorrad machen kann. Es kann sein, dass er sich dann so viel wohler fühlt und das aktuell gar nicht weiß. Dann könnte der Knoten aufgehen. Doch bisher ging der Knoten bei BMW nicht auf. Deshalb muss aus meiner Sicht irgendetwas passieren", so Nebel.

Stefan Nebel

Stefan Nebel kommentiert auch in diesem Jahr die Superbike-WM auf ServusTV Zoom

"Er muss andere Erfahrungen machen. Wir brauchen nicht darüber philosophieren, dass er Motorrad fahren kann", stellt der ServusTV-Experte klar. In der bevorstehenden Saison greift Reiterberger in der Asiatischen Meisterschaft an und fährt zudem in der Langstrecken-WM. In beiden Serien pilotiert er eine BMW S1000RR.

Über die Asiatische Meisterschaft zurück in die WSBK?

"Es ist eine interessante Geschichte und auch eine andere Perspektive, aber wieder auf dem identischen Motorrad beziehungsweise der gleichen Marke", bedauert Nebel, der Reiterberger in Asien dennoch gute Chancen bescheinigt: "Ich mache mir gar keine Sorgen, dass er dort schnell sein wird, ehrlich gesagt. Das wird er schon machen."

Doch wie aussagekräftig sind Erfolge in der Asiatischen Meisterschaft? "Ich sehe diese Meisterschaft nicht stärker als die Deutsche Meisterschaft an, insbesondere nicht im Jahr 2020", spielt Nebel die Situation in der IDM mit Jonas Folger an.

"In der Asiatischen Meisterschaft sehe ich Markus ganz weit vorne. Es ist eine Saison, zum Selbstvertrauen finden. Aber ob dadurch der Knoten aufgeht, bezweifle ich. Ich hätte ihn lieber in der MotoAmerica gesehen. Aber ich bin froh, dass er etwas gefunden hat", so Nebel.

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