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MotoGP-Test Valencia: Aprilia vorn, Marc Marquez beeindruckt beim Ducati-Debüt

Ducati-Neuzugang Marc Marquez führt beim Valencia-Test zwischenzeitlich - Jorge Martin stürzt zwei Mal - Honda bringt umfassendes Update - Aprilia an der Spitze

(Motorsport-Total.com) - Das mit Spannung erwartete Ducati-Debüt von Marc Marquez verlief äußerst vielversprechend. Beim MotoGP-Nachsaisontest in Valencia behauptete sich Marquez im vorderen Feld und lag zwischenzeitlich an der Spitze.

Titel-Bild zur News: Marc Marquez

Marc Marquez erlebte einen vielversprechenden ersten Ducati-Test Zoom

Der achtmalige Weltmeister landete schlussendlich auf der vierten Position. Aprilia-Werkspilot Maverick Vinales holte sich mit einer 1:29.253er-Runde die Test-Bestzeit. Mit Aprilia, KTM und Ducati waren drei Hersteller in den Top 3 vertreten.

Zum Vergleich: Die Polezeit von Maverick Vinales beim Rennwochenende lag bei 1:28.931 Minuten. Die schnellste Rennrunde beim Rennwochenende wurde von Ex-Honda-Pilot Marc Marquez im Sprint in 1:29.809 Minuten gefahren.

Wenig überraschend waren die Temperaturen beim Testauftakt am Morgen niedrig. Die Fahrer warteten in ihren Boxen ab, als die Boxenampel auf Grün umschaltete. Honda-Neuzugang Luca Marini war um 10:20 Uhr der erste Fahrer, der die Arbeit aufnahm.


Fotos: MotoGP-Test in Valencia für 2024


Pramac-Ducati-Neuzugang Franco Morbidelli fuhr als zweiter Fahrer auf die Strecke. Der Italiener verließ die Boxengasse um 10:33 Uhr, ließ es aber sehr ruhig angehen. Sein Nachfolger im Yamaha-Werksteam, Alex Rins, fuhr 10:40 Uhr auf die Strecke und verschaffte sich einen ersten Eindruck von der M1.

Nach 11:00 Uhr nahm der Fahrbetrieb zu. Gegen Mittag wurden zweistellige Temperaturen erreicht. Moto2-Weltmeister Pedro Acosta (GasGas) fuhr auf die Strecke. Der Rookie verwendet in der MotoGP-Saison 2024 die Startnummer 31, da seine bisher verwendete 37 bereits auf dem Motorrad von GasGas-Teamkollege Augusto Fernandez klebt.

Großer Andrang vor der Gresini-Ducati-Box wegen Marc Marquez

Nachdem VR46-Neuzugang Fabio di Giannantonio ebenfalls auf die Strecke fuhr, wurde es vor der Gresini-Box plötzlich hektisch. Marc Marquez stieg erstmals auf sein neues Arbeitsgerät und zog die volle Aufmerksamkeit auf sich, als er 11:15 Uhr die Boxengasse verließ.

Marc Marquez verwendete eine 2023er-Ducati in der Konfiguration von Pramac-Pilot Johann Zarco. Beim ersten Stint fuhr Marquez acht Runden und sortierte sich mit lediglich 0,3 Sekunden Rückstand hinter Bruder und Gresini-Teamkollege Alex Marquez ein, der die Wertung zu diesem Zeitpunkt anführte.

Bei der Rückkehr an die Gresini-Box schauten alle gespannt auf die erste Reaktion des achtmaligen Champions. Marquez lächelte und wirkte sehr zufrieden. Offensichtlich harmoniert der langjährige Honda-Pilot gut mit der Ducati Desmosedici.

Jorge Martin stürzt in Kurve 10 und später in Kurve 6

Vize-Weltmeister Jorge Martin (Pramac-Ducati) kam um 11:38 Uhr zu Sturz. Martin verlor in Kurve 10 die Kontrolle, als er sich mit einer 2023er-Ducati ans Limit tastete. Verursacht wurde der Sturz durch einen kalten Vorderreifen.

Der Wind erschwerte in Kombination mit den niedrigen Temperaturen das Fahren. Im Laufe des Tages kam der Spanier ein zweites Mal zu Sturz. In der Mittagszeit verlor Martin in Kurve 6 die Kontrolle über seine Desmosedici. Martin konnte sich den Sturz nicht erklären.

Aprilia-Piloten duellieren sich an der Spitze der Wertung

Um 12:24 Uhr gelang Aprilia-Pilot Maverick Vinales die erste 1:29er-Zeit des Tests. Wenig später fuhr Marc Marquez bei seinem dritten Stint für Gresini seine ersten Sektor-Bestzeiten als Ducati-Pilot und reihte sich auf der zweiten Position ein. Zu diesem Zeitpunkt war Marquez der bestplatzierte Ducati-Pilot.

Aprilia-Pilot Raul Fernandez schob sich wenig später an die Spitze, wurde aber kurz nach 14:00 Uhr von Markenkollege Maverick Vinales verdrängt, der den Kurs 0,001 Sekunden schneller umrundete.

Marc Marquez startete 14:20 Uhr zu seinem vierten Stint und notierte erneut absolute Sektor-Bestzeiten. Erneut schnell unterwegs war Raul Fernandez, der ebenfalls reihenweise absolute Sektor-Bestzeiten fuhr und 14:27 Uhr in 1:29.710 Minuten die bis dahin schnellste Runde des Tests drehte.

Marc Marquez verärgert Joan Mir und fährt danach Bestzeit

Um 15:00 Uhr geriet Marc Marquez bei seinem fünften Stint mit Ex-Honda-Teamkollege Joan Mir aneinander. Marquez verbremste sich in Kurve 1 und fuhr danach langsam, was Mir störte, der von hinten näher kam.

Mir zog an Marquez vorbei und kämpfte hart mit seiner Honda, während Marquez wie auf Schienen fahrend ohne große Mühe folgen konnte. Marquez schob sich auf die fünfte Position, Mir lag außerhalb der Top 10.

Nach einer kurzen Pause kehrte Marquez erneut auf die Strecke zurück und fuhr wieder hinter Mir. Marquez ließ dieses Mal etwas Luft und ging auf Zeitenjagd. Mit einer 1:29.460er-Runde übernahm Marquez bei seiner 42. Runde auf der Ducati die Führung. Wenige Minuten später schob sich Bruder und Teamkollege Alex Marquez auf die zweite Position.

Francesco Bagnaia und Jorge Martin verzichten auf eine Zeitenjagd

Maverick Vinales kratzte zwischenzeitlich an Marc Marquez' Bestzeit und übernahm die zweite Position. Gut eine Stunde vor dem Ende des Tests verbesserte Marquez seine Bestzeit auf 1:29.424 Minuten. Doch Vinales konnte ebenfalls nachlegen und setzte sich mit einer 1:29.253er-Runde auf die erste Position.

Weltmeister Francesco Bagnaia (Ducati) beendete seinen Tag 45 Minuten vor Ende der Testzeit vorzeitig. Zu diesem Zeitpunkt lag Bagnaia auf der achten Position. Auf eine Zeitenjagd mit der 2024er-Ducati verzichtete der Champion.

Und auch WM-Rivale Jorge Martin zeigte kein Interesse an einer Zeitenjagd. Der Spanier erlebte mit zwei Stürzen einen durchwachsenen Tag und lief bereits in normaler Kleidung durchs Fahrerlager, als seine Kollegen noch ihre Runden drehten. Er beendete den Tag außerhalb der Top 10.

Viel Fahrbetrieb bis in den Sonnenuntergang

Obwohl der Sonnenuntergang in großen Schritten näher rückte, drehten die Piloten weiterhin ihre Runden. Brad Binder befand sich acht Minuten vor dem Ende auf Bestzeitkurs. Im letzten Sektor lief Binder auf Morbidelli auf.

Die Uhr blieb bei 1:29.281 Minuten stehen. Somit war Binder nur 0,028 Sekunden langsamer als Vinales. Eine Runde später notierte Binder erneut eine absolute Bestzeit im ersten Sektor, rutschte dann aber in Kurve 5 in den Kies. Damit war der Test für den Südafrikaner vorzeitig beendet.

Vinales' Bestzeit blieb ungefährdet. Der Spanier wurde seinem Ruf als "Test-Weltmeister" gerecht und schloss die MotoGP-Saison mit der Bestzeit ab. Auf Position zwei folgte Binder. Marco Bezzecchi (VR46-Ducati) war als Dritter bester Ducati-Pilot und lag innerhalb einer Zehntelsekunde. Marc Marquez beendete den Test auf der vierten Position, nur 0,171 Sekunden hinter der Bestzeit.

Nach dem Ablaufen der Testzeit erhielten die Piloten noch einmal Zeit, um ihre Starts zu üben.

Ducati betreibt bei der Desmosedici nur Feinschliff

Mit 17 von 20 möglichen Laufsiegen war Ducati der dominante Hersteller der MotoGP-Saison 2023. Deshalb ist es keine Überraschung, dass Ducati bei der 2024er-Version nur feine Details verändert hat, wie es jahrelang von den japanischen Herstellern praktiziert wurde. Laut Insidern hat Ducati einige Änderungen vom Motor vorgenommen.

Optisch unterscheidet sich die 2024er-Version kaum von der 2023er-Maschine. Neben den Ducati-Werkspiloten konnte auch Pramac-Pilot Jorge Martin Erfahrungen mit dem neuen Modell sammeln. Pramac-Neuzugang Franco Morbidelli fuhr mit der bewährten 2023er-Maschine, um sich an die Charakteristik zu gewöhnen.

Ducati Desmosedici GP24

Ducati Desmosedici: Optisch gibt es keine auffälligen Updates Zoom

Aus personeller Sicht gab es noch eine Neuerung. Manuel Poggiali trug am Dienstag das Teamoutfit der Werksmannschaft und wird als Riding-Coach vor allem für Enea Bastianini tätig sein. Bei VR46 übernimmt Ex-Moto3-Pilot Andrea Migno diese Aufgabe und ersetzt Roberto Locatelli.

Honda testet eine Reihe von Änderungen an der RC213V

Honda war der Hersteller, der die meisten Updates zum Valencia-Test brachte. Die Honda RC213V war in der abgelaufenen Saison das wohl schlechteste Motorrad im Feld. Nach dem Weggang von Marc Marquez steht HRC vor einem Neuanfang.

Im Lager von Honda sah man am Dienstag ein neues Chassis und eine neue Schwinge. Optisch auffällig war ein neues Aeropaket. Eine umfassende Änderung am Motor scheint es nicht zu geben. Die Zündfolge bleibt unverändert.

Luca Marini

HRC-Neuzugang Luca Marini war als Zehnter bester Honda-Pllot Zoom

Werkspilot Joan Mir fuhr zuerst mit der 2023er-Version und wechselte danach zur 2024er-Honda, die sich optisch in einigen Bereichen unterscheidet. Alberto Puig lobte die präzisen Kommentare von Neuzugang Luca Marini, der ebenfalls mit der 2024er-Maschine fuhr.

Das LCR-Team erhielt ebenfalls 2024er-Material und konnte die Neuerungen mit dem 2023er-Bike vergleichen. LCR-Neuzugang Johann Zarco war zwischenzeitlich stark unterwegs, kam aber in Kurve 4 zu Sturz.

KTM mit neuem Aeropaket in Tarnlackierung

Die beiden KTM-Werkspiloten erhielten am Dienstag einige Neuerungen. Die auffälligste Änderung war eine neue Aero-Verkleidung in schwarz/weißer Tarnlackierung. Diese neue Verkleidung hat viele interessante Details, die auf Grund der Lackierung schwer zu erkennen sind.

Moto2-Weltmeister Pedro Acosta erhielt bei GasGas eine 2023er-KTM und sammelte viele Erfahrungen mit dem MotoGP-Bike. Der Rookie kam bis auf 1,2 Sekunden an die Bestzeit heran, stürzte aber eine halbe Stunde vor dem Ende in Kurve 2. Dabei blieb der Spanier unverletzt.

Aprilia testet das neue Carbon-Chassis

Aprilia war am Dienstag mit vier Fahrern unterwegs. Maverick Vinales fuhr konstant schnelle Rundenzeiten. Teamkollege Aleix Espargaro musste den Test nach lediglich 17 Runden vorzeitig abbrechen, weil er Beschwerden mit dem linken Bein hatte. Espargaro lässt sich in Barcelona untersuchen.

Raul Fernandez erhielt von Aprilia Unterstützung, um den Test nach dem Chaos rund um das RNF-Team nicht zu verpassen. Der Spanier erhielt zwei 2023er-Maschinen. Testpilot Lorenzo Savadori drehte ebenfalls einige Runden und testete das neue Carbon-Chassis.

Zudem sah man bei Aprilia neue Verkleidungsteile. Es kam ein neues Aeropaket mit horizontalen Elementen an der Seite der Verkleidung zum Einsatz. An Vinales' Aprilia waren hinter dem Sitz einige Sensoren angebracht-

Yamaha M1 mit modifiziertem Motor und neuem Aeropaket

Für Yamaha war der Valencia-Test ein wichtiger Termin, um weiter an der Performance der M1 zu arbeiten. Beim zurückliegenden Test in Misano äußerte sich Fabio Quartararo kritisch zum neuen Motor. Laut Massimo Meregalli brachte Yamaha eine leicht modifizierte Version zum Nachsaison-Test nach Valencia. Die ersten Eindrücke damit bezeichnet der Italiener als positiv.

Optisch stach erneut der seitliche Auspuff ins Auge, der auf Grund der niedrigen Geräuschentwicklung nicht besonders beliebt ist bei den Yamaha-Piloten. Der Auspuff soll die Leistungsentfaltung verbessern und damit die alte Stärke der M1 betonen. Zudem wurde ein neues Aeropaket getestet.

Alex Rins

Alex Rins sammelte erste Erfahrungen mit der Yamaha und lag 1,3 Sekunden zurück Zoom

Massimo Meregalli wunderte sich am Dienstag über den hohen Reifenverschleiß am Hinterrad. Im Vergleich zum Rennwochenende bauten die Hinterreifen deutlich schneller ab. Der Pirelli-Test am Montag kann eine Erklärung sein.

Der nächste Test für die MotoGP-Saison 2024 findet in Sepang (Malaysia) statt. Vom 1. bis 3. Februar 2024 fahren die Testpiloten und Rookie Pedro Acosta. Vom 6. bis 8. Februar stoßen die Stammpiloten dazu.

Die Rundenzeiten vom Valencia-Test:
1. Maverick Vinales (Aprilia) - 1:29.253 Minuten (86 Runden)
2. Brad Binder (KTM) +0,028 Sekunden (51)
3. Marco Bezzecchi (VR46-Ducati) +0,093 (62)
4. Marc Marquez (Gresini-Ducati) +0,171 (49)
5. Raul Fernandez (Aprilia) +0,263 (64)
6. Alex Marquez (Gresini-Ducati) +0,385 (56)
7. Fabio Di Giannantonio (VR46-Ducati) +0,409 (60)
8. Enea Bastianini (Ducati) +0,543 (56)
9. Jack Miller (KTM) +0,648 (62)
10. Luca Marini (Honda) +0,703 (72)
11. Francesco Bagnaia (Ducati) +0,717 (51)
12. Fabio Quartararo (Yamaha) +0,769 (63)
13. Joan Mir (Honda) +0,798 (69)
14. Augusto Fernandez (GasGas) +0,824 (72)
15. Jorge Martin (Pramac-Ducati) +0,899 (51)
16. Franco Morbidelli (Pramac-Ducati) +0,953 (69)
17. Johann Zarco (LCR-Honda) +1,030 (61)
18. Pedro Acosta (GasGas) +1,223 (70)
19. Alex Rins (Yamaha) +1,311 (54)
20. Cal Crutchlow (Yamaha) +1,512 (74)
21. Takaaki Nakagami (LCR-Honda) +1,723 (63)
22. Aleix Espargaro (Aprilia) +3,059 (17)
23. Lorenzo Savadori (Aprilia) +3,431 (27)