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MotoGP-Stars: Fatale Unfallserie im Motorradsport muss enden, aber wie?

Drei tote Motorradrennfahrer im Teenager-Alter allein in diesem Jahr: Wie die MotoGP-Piloten darauf und auf Maverick Vinales' Startverzicht in Austin reagieren

(Motorsport-Total.com) - MotoGP-Pilot Maverick Vinales hat sich in Anbetracht des tödlichen Unfalls seines 15-jährigen Cousins Dean Berta Vinales entschieden, auf den Grand Prix von Amerika an diesem Wochenende in Austin zu verzichten. Seitens seines Arbeitgebers Aprilia wurde ihm dafür Verständnis entgegen gebracht und die Freigabe zum Daheimbleiben erteilt. Dafür bedankt er sich ausdrücklich.

Isaac Vinales, Maverick Vinales

Sonntag in Jerez: Isaac und Maverick Vinales trauern um ihren Cousin Dean Berta Zoom

"Danke Aprilia dafür, dass ihr meine Situation versteht und ihr so freundlich seid, das zu akzeptieren", schreibt Maverick Vinales in seiner Instagram-Story und weiter: "Ich wollte eigentlich für meinen kleinen Cousin fahren, aber die Emotionen sind sehr stark. Das macht es sehr schwierig, fokussiert zu bleiben. Ich danke euch allen."

Von seinen MotoGP-Kollegen erntet Vinales für seine Entscheidung ebenso vollstes Verständnis wie man es Aprilia für die Genehmigung entgegenbringt. Der noch amtierende MotoGP-Weltmeister Joan Mir sagt: "Wenn es zu einer Tragödie wie dieser kommt, ist der Verlust bei allen spürbar. Wir alle rücken in solchen Momenten zusammen."

"Wir wissen, dass so etwas jedem von uns passieren kann. Dass sich Maverick nicht in der Lage fühlt, hier zu fahren, kann ich komplett nachvollziehen. Ich finde, Aprilia hat da gut reagiert. Die Fahrer wissen so etwas zu schätzen", so Mir.

Kollegen äußern volles Verständnis für Maverick Vinales

Auch Marc Marquez kann Vinales' Entscheidung absolut nachvollziehen. "Ich würde die Entscheidung genauso treffen", sagt der achtmalige Motorrad-Weltmeister. Auch Alex Rins "kann Maverick vollkommen verstehen, dass er jetzt lieber zu Hause sein will anstatt hier zu fahren" und merkt in diesem Zusammenhang an, dass er den verunglückten Dean Berta Vinales persönlich kannte: "Ich habe Dean einmal getroffen, als er zusammen mit Maverick trainierte."

Dean Berta Vinales

Dean Berta Vinales verunglückte im Supersport-300-Rennen in Jerez tödlich Zoom

Zum tragischen Unfall vom vergangenen Samstag in Jerez meint Rins: "Das ist das Risiko unseres Sports. Es ist aber auch so, dass du dieses Thema verdrängst, wenn du selber fährst oder auch wenn du ein Bike kaufst für deinen Sohn oder für deinen Cousin." Im Gegensatz zu Rins, der dieser Tage erstmals Vater geworden ist, sieht Aleix Espargaro das Thema etwas anders. Er hofft inständig, dass seine beiden dreijährigen Kinder nicht Motorradrennfahrer werden.

Jack Miller beschreibt den Motorradrennsport mit den Worten: "Dieser Sport ist wie er ist. Er ist brutal. Einerseits ist es faszinierend, dass er so unverdorben und gefährlich ist. Andererseits ist es mehr als schrecklich, es ist grauenhaft, dass er in diesem Jahr schon so viele junge Leben gekostet hat."

Lässt sich Sicherheit im Motorradsport verbessern?

Damit spricht Miller auf Jason Dupasquier im Mai in Mugello, Hugo Millan im Juli in Alcaniz und zuletzt Dean Berta Vinales am vergangenen Samstag in Jerez an. Alle drei sind im Teenager-Alter ums Leben gekommen, nachdem sie in einer Gruppe zu Sturz gekommen waren und überfahren wurden.

"Man kann sich natürlich die Frage stellen, welchen Preis das Verfolgen eines Traums haben darf. Ich denke nicht, dass ein Menschenleben der Preis dafür sein sollte", sagt Miguel Oliveira und merkt an: "In der Formel 1 haben wir große Fortschritte beim Thema Sicherheit gesehen. Im Motorradrennsport sitzen wir Fahrer aber frei auf dem Bike. Das macht es schwierig für die FIM und für die Dorna."

Marc Marquez

Im Gegensatz zum Autorennsport sitzen die Motorradrennfahrer buchstäblich im Freien Zoom

Marc Marquez dazu: "Die Dorna versucht natürlich ihr Möglichstes, um uns zu schützen. Sie versucht, die Sicherheit zu verbessern, seien es die Strecken, die Rennanzüge, die Helme oder was auch immer. Aber das Risiko wird beim Motorradfahren natürlich immer bleiben."

"Unterm Strich ist der Sport, den wir betreiben, ein gefährlicher. Dessen müssen sich alle, die in diesem Sport involviert sind, bewusst sein", weiß Oliveira, der angesichts der Reihe tödlicher Unfälle in diesem Jahr zugibt: "Ich habe keine Antworten. Ich habe nur jede Menge Fragen, warum solche Dinge passieren."

Marquez sieht große Starterfelder als Problem - Espargaro nicht

Marquez stellt in diesem Zusammenhang einen Faktor heraus: "Im Vergleich zu vor 20 Jahren gibt es jetzt doppelt so viele Rennklassen und doppelt so viele Fahrer, die zu Rennen antreten. Es ist einfach schwierig, einen guten Kompromiss zu finden, wenn die Suche nach mehr Talenten bedeutet, dass es mehr Klassen und mehr Fahrer auf der Strecke, und damit auch mehr Risiko gibt. Früher gab es einfach deutlich weniger Klassen und damit auch weniger Risiko."

Was Marquez damit meint? "Vor 15 oder 20 Jahren hatten wir nur drei, vier oder fünf Klassen. Wenn man gut genug war, durfte man Rennen fahren, wenn nicht, musste man zu Hause bleiben. Heutzutage gibt es so viel mehr Klassen, dass man es einfach in einer anderen probieren kann. Und je mehr Teilnehmer es bei einem Rennen gibt, desto höher ist auch das Risiko."

Dem hält Marquez' Teamkollege Pol Espargaro direkt entgegen: "Ich glaube nicht, dass es auf die Größe des Starterfeldes ankommt, denn Jason ist im Qualifying gestürzt und es waren nur drei Fahrer hinter ihm. Für mich sind die Motorleistung und das junge Alter ein Problem, denn sie haben wenig Erfahrung."

Renn-Action in der Supersport-300-Klasse in Jerez

An der Größe der Starterfelder (Foto: SSP 300) scheiden sich schon im Honda-Team die Geister Zoom

"Vielleicht sollte man das Alter erhöhen", regt Espargaro an, "oder man sollte das Level der Motorräder erhöhen. Meiner Ansicht nach sind die Motorräder zu langsam. Ich kann mich an die 125er-Klasse erinnern. Damals waren die Motorräder sehr aggressiv und schwierig zu fahren. Ein Fahrer, der eine halbe Sekunde langsamer war, konnte gar nicht folgen, weil er sonst einen Highsider gehabt hätte."

Eine definitive Antwort scheint derzeit niemand zu haben. Aber Miller schließt mit klaren Worten: "Hinsichtlich der Sicherheit braucht es einen großen Schritt. So wie momentan kann es einfach nicht weitergehen. In diesem Jahr war es besonders schlimm. Es kann nicht sein, dass drei Kids in einem Zeitraum von nicht einmal neun Monaten ihr Leben verlieren. Das ist grauenhaft. Ich glaube, ich spreche für alle, wenn ich sage, dass ich es leid bin, zu diesen Schweigeminuten für so junge Kids zu gehen. Das ist einfach schlimm. So kann es einfach nicht weitergehen."

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