Marco Bezzecchis Achterbahnfahrt: "Wenn man Probleme umfährt ..."

Nach dem Podium in Jerez ist Marco Bezzecchi in Le Mans in beiden Rennen gestürzt - Im VR46-Team unterstützt ihn in dieser Saison auch sein Freund Andrea Migno

(Motorsport-Total.com) - Der dritte Platz beim Grand Prix von Spanien in Jerez war für Marco Bezzecchi ein kleiner Befreiungsschlag. Seit den Wintertests hat der Italiener mit der Ducati Desmosedici GP23 Mühe. Vor allem in der Bremsphase und am Kurveneingang hat er nicht das gleiche Gefühl wie mit der GP22. Dazu kommt Untersteuern in der Kurvenmitte.

Titel-Bild zur News: Marco Bezzecchi

In Le Mans stürzte Marco Bezzecchi in beiden Rennen Zoom

In Frankreich hat Bezzecchi das Rennen im Vorjahr gewonnen. Diesmal qualifizierte sich der VR46-Fahrer in Le Mans in der ersten Startreihe. Aber im Sprint schied er durch Sturz in Kurve 8 aus. Auch im Grand Prix ging er zu Boden, diesmal in Kurve 6.

Nach fünf Rennwochenenden hat Bezzecchi 36 WM-Punkte auf dem Konto. Im Vorjahr waren es zum gleichen Zeitpunkt 93. "Die Top 5 wären möglich gewesen, aber wenn man stürzt, dann bedeutet das nichts", lautete sein Fazit nach Le Mans.

"Wenn man attackiert und Probleme umfährt, dann ist es nicht einfach. Aber meine Pace war nicht schlecht, das Motorrad hat gut funktioniert. Leider habe ich einen kleinen Fehler gemacht und bin gestürzt. Wir kämpfen um Tausendstelsekunden. Es ist nicht viel."

"Wenn man versucht, Details zu finden, dann ist das wirklich schwierig. Deshalb will ich das Motorrad nicht zu stark modifizieren, sondern will versuchen, besser zu fahren und die Probleme zu kompensieren. Es fehlt etwas, aber das werden wir sicher finden."

Denn was mit der GP23 möglich ist, zeigt Marc Marquez im Gresini-Team. Aber Bezzecchis Problem ist: "Wenn ich in der Kurvenmitte ans Gas gehe, habe ich immer Untersteuern. Dieses Gefühl habe ich schon seit dem ersten Test."

Im VR46-Team gibt es in dieser Saison ein neues Gesicht: Andrea Migno. Der Italiener hatte schon für 2023 keinen Stammplatz in der Moto3 oder der Moto2 gefunden und fuhr einige Moto3-Rennen im CIP-Team als Ersatzfahrer. Höhepunkt war Platz drei in Argentinien.

Marco Bezzecchi

An die Erfolge des Vorjahres konnte Bezzecchi bisher nicht anknüpfen Zoom

Aber dennoch fand Migno auch für dieses Jahr kein Motorrad. Da er Mitglied der VR46-Akademie ist, bekam er eine Aufgabe in Rossis MotoGP-Team. Migno ist neben Idalio Gavira der zweite Riding-Coach und unterstützt Bezzecchi und Fabio Di Giannantonio.

"Gemeinsam mit Idalio bin ich an der Strecke und filme unsere Fahrer", sagt Migno bei GPOne.com. "Anschließend machen wir Analysen, um zu verstehen, wo sie Mühe haben und wie sie sich verbessern können."

"Mit diesem Job erfahre ich den Motorradrennsport aus einem anderen Blickwinkel. Ich bin sehr glücklich über diese Möglichkeit und bin 'Uccio' sehr dankbar, dass er mich in dieses Projekt eingebunden hat."

Migno hätte eigentlich seine Karriere in der Moto2-Europameisterschaft fortsetzen wollen, aber da dort Teams bis zu 200.000 Euro Mitgift pro Saison verlangen, war das für ihn nicht leistbar. Es ist offen, ob er in Zukunft seine eigene Karriere fortsetzen kann.

Migno versucht Bezzecchi auch psychologisch zu helfen

Nun versucht er, Bezzecchi zu helfen. "In erster Linie ist er ein Freund. Wenn er den Helm aufsetzt, ist er ein Fahrer, der sein ganzes Herzblut gibt", beschreibt Migno seinen Kollegen. "Im Winter hatte er Mühe, das Motorrad für ihn abzustimmen."

"Er war andere Dynamiken gewöhnt. In Jerez hat er ein tolles Podium erobert, aber meiner Meinung nach hat er immer noch kein hundertprozentiges Vertrauen zur GP23. Ihm ist das bewusst. Vor allem fehlt ihm das Gefühl für das Vorderrad."

Andrea Migno

Argentinien 2023: Andrea Migno erobert als Moto3-Ersatzfahrer Platz drei Zoom

"Nach Katar war er verzweifelt, weil er überhaupt kein Vertrauen hatte. Ich erinnere mich, dass wir in Lusail gemeinsam in einem Zimmer waren. Ich habe mit ihm als Freund gesprochen und ihm gesagt, dass nicht alles so schlecht ist, wie er das sieht."

"Langsam hat er sich verbessert, aber von außen konnte man das nicht sehen. In Portimao hatte er ein gutes Qualifying und in Jerez fuhr er auf das Podium. In Le Mans war er auch konkurrenzfähig, aber leider ist er gestürzt und war stinksauer."

"Wie gesagt, 'Bez' ist sehr hart zu sich selbst und er akzeptiert seine aktuelle Position im Vergleich zum Vorjahr nicht. Außerdem ist er ein echter Charakter, der ein gutes Umfeld für sich aufbauen kann. Außerdem ist er zäh und entschlossen."

Teamkollege Di Giannantonio hat 47 Punkte gesammelt und befindet sich in der WM-Wertung einen Rang vor Bezzecchi auf Platz neun.

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