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  • 02.12.2022 · 15:01

  • von Lewis Duncan

Marc Marquez: MotoGP darf nicht zu sehr den Weg der Formel 1 einschlagen

Das Motorrad darf nicht wichtiger als der Fahrer sein: Marc Marquez warnt davor, dass es immer schwieriger wird, einen Unterschied auszumachen

(Motorsport-Total.com) - In den zurückliegenden Jahren gab es in der MotoGP immer mehr Entwicklungen im Bereich der Aerodynamik und der Ride-Height-Devices, was zu Diskussionen über die Sicherheit und den Mehrwert für das Spektakel geführt hat. Ab dem Jahr 2023 sind vorne angebrachte Ride-Height-Devices verboten - ein Schritt, den Ducati als unsportlich empfand, als er von den Herstellern beschlossen wurde (zur Story).

Marc Marquez

Marc Marquez beim Start auf der abgesenkten Honda RC213V Zoom

In einem exklusiven und umfassenden Interview mit 'Autosport' äußert sich der sechsfache MotoGP-Weltmeister Marc Marquez über die aktuelle Wettbewerbsordnung der Serie. Dabei verrät Marquez, dass er in der Sicherheitskommission der MotoGP Bedenken geäußert hat, dass die Serie Gefahr läuft, sich in eine Richtung zu bewegen, in der die Fahrer nicht mehr so wichtig sind im Vergleich zu den Motorrädern. Marquez vergleicht die Situation mit der in der Formel 1.

"Die Jungs an der Spitze sind immer die schnellsten Jungs", sagt Marquez auf die Frage, ob die aktuellen Spitzenfahrer in der MotoGP eine echte Bedrohung darstellen. "Ich habe aber das Gefühl, dass das Motorrad immer wichtiger wird als der Fahrer."

Marc Marquez warnt vor der Entwicklung in der MotoGP

"Noch immer ist der Fahrer wichtiger als die Maschine. Zumindest möchte ich so denken. Aber man hängt immer stärker von dem ab, was man hat, denn wenn man kein [konkurrenzfähiges] Motorrad hat, kann man nichts ausrichten. Es ist nicht wie in der Formel 1, die ein anderes Extrem ist, aber wir gehen in diese Richtung, und wir müssen vorsichtig sein."

Marc Marquez

Marc Marquez hofft, dass sich die MotoGP nicht zu sehr in Richtung Formel 1 entwickelt Zoom

"Und ich habe schon in einigen Sicherheitskommissionen gesagt, dass wir vorsichtig sein müssen", warnt Marquez. "Unterm Strich ist es wichtig, darauf zu achten, dass der Fahrer wichtiger ist als das Motorrad."

Die Motorräder bestimmen das Limit und nicht der Fahrer

Marquez, der sich Mitte des Jahres einer vierten großen Operation am rechten Arm unterziehen musste, den er sich 2020 schwer gebrochen hatte, erklärt, dass die MotoGP-Maschinen mit all den neuesten Entwicklungen "weniger manuell" zu fahren sind, was zu einem viel engeren Feld geführt hat.


Fotostrecke: Der Leidensweg von MotoGP-Star Marc Marquez

"Die Sache ist, dass jetzt alles ausgeglichener ist, denn das Motorrad definiert das Limit", fügt der Honda-Pilot hinzu. "Es stimmt, dass in der Vergangenheit der Unterschied zwischen dem Werksmotorrad und dem Satelliten-Bike größer war. Jetzt gibt es keinen Unterschied mehr. Die Satellitenteams haben offizielle Werksmotorräder. Also haben sie die nötigen Werkzeuge."

Die Technik übernimmt viele Aufgaben des Fahrers

"Bevor ich in die MotoGP kam, hatte man, wenn man auf einer Geraden den vierten Gang einlegte, nicht das volle Drehmoment zur Verfügung, denn man musste Wheelies mit der Hinterradbremse, mit dem Drehmoment und mit dem eigenen Körper kontrollieren", erinnert sich Marquez an seine Anfänge in der Königsklasse.

Jack Miller

Das Ride-Height-Device verringert die Neigung zu Wheelies Zoom

"Jetzt gehst du raus und hast schon im zweiten und dritten Gang mit dem Ride-Height-Device und dank der Hilfe der Aerodynamik das volle Drehmoment anliegen und machst dich wie auf einem Moto3-Motorrad klein", vergleicht der Spanier.

"Die Motorräder sind also weniger manuell zu fahren. Vorher war es mehr manuell, und man musste mit mehr Dingen spielen. Aus diesem Grund ist jetzt alles gleichmäßiger, denn wenn es mehr manuell ist, dann macht man mehr Fehler und es ist schwieriger", stellt Marquez fest.