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Bagnaia beschreibt Barcelona-Highsider - Für Misano fit erklärt, aber ...

Francesco Bagnaia entscheidet am Freitag, ob er das Misano-Wochenende durchzieht - Beweglichkeit des rechten Beins eingeschränkt - Sturzursache eingegrenzt

(Motorsport-Total.com) - Francesco "Pecco" Bagnaia ist am Donnerstag in Misano, nur vier Tage nach seinem dramatischen, aber glimpflich ausgegangenen Barcelona-Highsider, von den MotoGP-Ärzten für fit erklärt worden.

Titel-Bild zur News: Francesco Bagnaia

Ducati-Pilot Francesco Bagnaia bei seiner Ankunft am Donnerstag in Misano Zoom

Der Ducati-Werkspilot, der die aktuelle MotoGP-Gesamtwertung 2023 mit 50 Punkten Vorsprung anführt, will am Freitag im ersten Freien Training zum Grand Prix von San Marino wieder auf seine GP23 steigen. Danach wird entschieden, ob er das Rennwochenende weiter bestreitet oder gegebenenfalls doch aufgibt.

Beim seinem Highsider in der ersten Runde des Barcelona-Rennens am vergangenen Sonntag ist Bagnaia zwar mit viel Glück ohne Knochenbrüche davongekommen, hat aber Prellungen und einen großen Bluterguss am rechten Bein davongetragen. Die Beweglichkeit des Beins ist eingeschränkt.

An die Rennstrecke in Misano ist Bagnaia am Donnerstag zwar selber mit dem Auto angereist. Das Motorradfahren aber ist noch ein anderes Thema. "Zuerst muss ich sagen, dass ich froh und glücklich bin, hier zu sein", so Bagnaias erste Worte in der Pressekonferenz am Donnerstag.

Bagnaia: Startunfall mit Bastianini & Co. "war Glück für mich"

Dass er sich in Barcelona keine Knochen gebrochen hat - weder beim Aufschlagen auf den Asphalt noch in dem Moment als ihm KTM-Pilot Brad Binder über das Bein fuhr - dafür bedankt sich Bagnaia ausdrücklich.

"Die Arbeit und Evolution, die von Alpinestars in Bezug auf die Sicherheit verrichtet wird, ist Weltklasse, keine Frage", so Bagnaia, der erklärt: "Der größte Schlag war der, als ich auf dem Asphalt aufgeschlagen bin. In diesem Moment war mir der Hüftprotektor wirklich eine große Hilfe."

"Als ich mich dann auf dem Asphalt liegend um die eigene Achse gedreht habe", so der Ducati-Pilot weiter, "konnte ich die anderen Motorräder hören und sehen. Ich sah, wie mir eine KTM über die Beine fuhr und habe in diesem Moment einfach nur gehofft, dass mich kein anderer mehr erwischt. Es war wirklich eine ganz dramatische Situation".

Dass es wenige Sekunden vor seinem Highsider den Startunfall mit fünf Ducati-Fahrern in Kurve 1 gab, der ausgerechnet von seinem eigenen Teamkollegen Enea Bastianini ausgelöst wurde, das bezeichnet Bagnaia rückblickend als Glück für sich selber.

"Für mich war es Glück, dass schon fünf Fahrer draußen waren", sagt Bagnaia. "Denn dadurch gab es im Feld schon eine etwas größere Lücke und es war einfacher für die anderen, mich zu sehen. Das Entscheidende war sicherlich, dass Jorge [Martin] und Brad [Binder] so aufmerksam waren und Schlimmeres verhindern konnten. Es waren einfach unglückliche Umstände, aber ich war in jeder Sekunde voll da."

Ursachenforschung: Reifen im Verdacht, aber nicht bestätigt

Zur Ursache für den Highsider, der die Folge des laut Bagnaia "längsten Slides, den ich jemals hatte" war, kann "Pecco" auch vier Tage später noch keine wirkliche Erklärung abgeben. Anhand des Ausschlussprinzips vermutet er als möglichen Grund den Reifen. Dass der Reifen schon vor dem Sturz beschädigt war, ist aber nicht bestätigt. Die Untersuchungen laufen noch.

Bagnaia erinnert sich: "Ich spürte schon in der Aufwärmrunde, dass der Grip am Hinterrad gleich null war. Deshalb wäre ich beinahe schon in der Aufwärmrunde dreimal gestürzt, nämlich in Kurve 3, in Kurve 9 und in Kurve 12. Dabei habe ich zu diesem Zeitpunkt ja noch gar nicht gepusht, weil es die Aufwärmrunde war." Die von Bagnaia genannten Kurven sind allesamt Rechtskurven. Der Sturz ist ihm ausgangs einer Linkskurve (Kurve 2) passiert, die sich unmittelbar an eine Rechtskurve (Kurve 1) anschließt.

"In der ersten Kurve ist mir das Hinterrad leicht weggerutscht", erinnert sich Bagnaia weiter und sagt: "Wenn man sich die Bilder noch einmal ansieht, erkennt man, dass Jorge [Martin] hinter mir stark bremsen musste. Deshalb hatte ich in der zweiten Kurve schon einen kleinen Vorsprung. Aber sobald ich nach dem Umlegen wieder ein bisschen das Gas aufgedreht habe, ist mir das Hinterrad komplett weggerutscht."

Sturz von Francesco Bagnaia beim GP Katalonien 2023 in Barcelona

In diesem Moment hoffte Bagnaia, dass ihn nach Binder kein weiterer Fahrer erwischt Zoom

"Wir haben die Daten gecheckt und analysiert", sagt Bagnaia und weiter: "Bezogen auf die Elektronik, die Mechanik und den Fahrstil haben wir keine Fehler gefunden. Jetzt warten wir noch darauf, bis Michelin alles analysiert hat, denn es ist wichtig, dass wirklich alles analysiert wird. Ich kann nur sagen, dass es ein sehr seltsamer Sturz war. Deshalb ist es wichtig, alles zu verstehen."

Aus seiner Erfahrung aus vorherigen Reifenanalysen von Michelin weiß Bagnaia: "Das kann lange dauern oder es kann schnell gehen. Ich weiß jetzt nicht, ob mein Team schon mit ihnen gesprochen hat. Ich hatte heute jede Menge um die Ohren. Ich bitte [Michelin] aber um eine Auskunft, denn ich will verstehen, warum ich schon während der gesamten Aufwärmrunde so stark herumgerutscht bin."

Bluterguss am Bein: Steht Bagnaia das Misano-Wochenende durch?

Und steht es körperlich um Bagnaia? "Das größte Problem", erklärt er, "ist das rechte Knie. Das ist die Stelle, an der mich Binder getroffen hat. Ich habe am Knie einen großen Bluterguss, der bis runter zum Fuß geht. Deshalb wird es ein Problem, das Bein zu bewegen. Warten wir mal ab".

Francesco Bagnaia, Jorge Martin

Jorge Martin (Hintergrund) konnte dem gestürzten Bagnaia knapp ausweichen Zoom

Nach ein paar Tagen Physiotherapie hat er es am Mittwoch "versucht, auf das Motorrad zu steigen und das war ganz okay", sagt Bagnaia. Die abschließende Entscheidung, ob er das Misano-Wochenende tatsächlich durchziehen will und kann, wird aber erst am Freitag nach dem ersten Freien Training getroffen.

KTM-Pilot Brad Binder, der in Bagnaias Highsider so unglücklich verwickelt wurde, indem er dem Ducati-Piloten nach dessen Landung über das rechte Bein fuhr, sagt: "Dass ich 'Pecco' erwischt habe, das war natürlich alles andere als optimal. Ich bin so froh, dass er unversehrt davongekommen ist und jetzt in einem Stück hier sitzt. Hoffentlich kann er morgen so fahren wie er sich das vorstellt."

Michele Pirro für drei Rennen gesetzt - zwei davon als Bastianini-Ersatz

Während Francesco Bagnaia am Donnerstag von den MotoGP-Ärzten für fit erklärt wurde, um das Misano-Wochenende am Freitag zumindest in Angriff nehmen zu können, fällt Teamkollege Enea Bastianini für drei Rennwochenenden aus.

Bastianini hatte am Sonntag in Barcelona den Startunfall ausgelöst, in den inklusive ihm selber fünf Ducati-Fahrer verwickelt waren. Das Ganze spielte sich wenige Sekunden vor Bagnaias Highsider ab. Weil sich Bastianini Knochenbrüche im linken Knöchel und im Ringfinger der linken Hand zugezogen hat, verpasst er die Rennwochenenden Misano (San Marino), Noida (Indien) und Motegi (Japan).

An diesem Wochenende in Misano wird Bastianini im Ducati-Team noch nicht vertreten, weil das Barcelona-Wochenende erst eine Woche zurückliegt. Bei den Grands Prix in Indien und Japan wird dann Ducati-Testfahrer Michele Pirro auf der zweiten GP23 des Werksteams sitzen. Das wurde am Donnerstag bestätigt.

Michele Pirro

Michele Pirro ist als Ersatz für Enea Bastianini in Indien und Japan bestätigt Zoom

Unabhängig davon ist Pirro aber auch schon an diesem Wochenende in Misano am Start, allerdings mit einer Wildcard auf einer GP23 des Ducati-Testteams. Am Donnerstag hat sich Pirro schon seine Kleidung des Werksteams für die beiden anstehenden Asien-Rennen abgeholt.

Der erste Indien-Grand-Prix der Motorrad-WM ist für 24. September geplant. Der Japan-Grand-Prix steht für 1. Oktober im MotoGP-Kalender 2023. Anschließend geht die Asien-Tournee direkt weiter. Beim Indonesien-Grand-Prix in Mandalika (15. Oktober) soll Bastianini nach aktuellem Stand der Dinge sein Comeback geben.