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  • 16.02.2016 · 09:08

  • von Anthony Rowlinson und Scott Mitchell (Haymarket)

Zeitreise: Das bisher letzte Haas-Team in der Formel 1

Schon 1985/86 trat in der Formel 1 ein US-Team mit dem Namen Haas an - Trotz Ex-Weltmeister Alan Jones und Ford-Turbomotoren war das Projekt ein Desaster

(Motorsport-Total.com) - Vor 30 Jahren debütierte ein US-amerikanisches Team mit dem Namen Haas in der Formel 1. Alan Jones, der Weltmeister von 1980, konnte für dieses Projekt aus dem Ruhestand zurückgeholt werden. In der Gegenwart wird das neue Formel-1-Team Haas mit gewissen Erwartungen 2016 einsteigen. Es wird mehr erwartet als die neuen Rennställe der jüngeren Vergangenheit - HRT, Virgin/Marussia/Manor und Lotus Caterham. Das liegt an der technischen Partnerschaft mit Ferrari und der starken Fahrerpaarung.

Alan Jones

1985/86 fuhr schon ein US-Team mit Namen Haas in der Formel 1 Zoom

Während Romain Grosjean ein Fahrer mit offensichtlicher Klasse ist, hat Esteban Gutierrez einen guten Lebenslauf in den Nachwuchskategorien vorzuweisen. Dazu kommt das Motoren- und Chassis-Paket von Ferrari respektive Dallara. Insgesamt hat das neue Haas-Team mit dem letzten Haas-Rennstall in der Formel 1 nichts zu tun. Nur der Name ist gleich, obwohl es sich bei den Besitzern um unterschiedliche Personen handelt.

Jones fuhr seine letzte volle Formel-1-Saison 1981. Mit zwei Siegen wurde er als amtierender Champion WM-Dritter. 1983 startete er für Arrows. Aber bei seinem einzigen Grand Prix in Long Beach schied er aus. Dazu kam ein Podestplatz bei damaligen Race of Champions in Brands Hatch. 1984 ging Jones mit einem Kremer-Prosche 956 in Le Mans an den Start und belegte Rang sechs. Bei einem Gaststart in der IndyCar-Serie ein Jahr später wurde er in Road America Sechster. Parallel fuhr Jones in der australischen Tourenwagen-Meisterschaft.

Auf dem Papier vielversprechend, aber...

Dann kam der Anruf von Haas. Und Jones erzählt uns die Geschichte von damals: "Ich dachte mir, wer weiß? Ich bin zurück in der Formel 1. Ich bekomme sehr gutes Geld bezahlt, also was solls. Wenn es großartig wird, dann wird es großartig. Wenn nicht, dann habe ich mehr Geld auf der Bank", gibt der heute 69-Jährige unverblümt zu.

Der Rennstall wurde von Carl Haas, der ein Team in der CART-Serie hatte, und Ex-McLaren-Teamchef Teddy Mayer gegründet. An Board waren mit Goodyear, Ford und Sponsor Beatrice Foods ernstzunehmende Partner. Außerdem wurde Designer Neil Oatley - der später bei McLaren einige Weltmeister-Autos baute - von einem damals noch recht unbekannten Ross Brawn unterstützt.


Fotostrecke: Das Haas-Team der 1980er-Jahre

"Ich dachte an eine wunderbare Küche mit all den fantastischen Zutaten, aber der Koch hat es vermasselt", erinnert sich Jones zurück. "Ich werde jetzt nicht sagen wer der Koch oder die Köche waren, aber einige haben es nicht hinbekommen. Dazu kam die 'Handgranate', der Hart-Motor. Regelmäßig flogen uns die Motoren um die Ohren. Und dann kamen auch noch die Amerikaner und sagten: 'Du wirst die amerikanischen Muskeln zu sehen bekommen'. Und ich antwortete: 'Ach wirklich, das wird ja toll...'"

Ford-Turbo verzögert sich bis Frühling 1986

Die Entwicklung verzögerte sich und Haas stieg 1985 verspätet ein. Das Auto debütierte beim zwölften Saisonrennen in Monza. Jones fuhr in dieser Saison nur drei Rennen. Nachdem er sich in Italien als 25. qualifiziert hatte, schied er aus. Er schied auch beim Grand Prix von Europa (von Startplatz 22) aus. Und auch bei seinem Heimrennen sah Jones von Startplatz 19 nicht die Zielflagge. Beim Rennen in Südafrika ging er nicht an den Start.

Alan Jones

Zu Beginn musste Haas auf den Turbo von Brian Hart zurückgreifen Zoom

Jones kam mit dem Hart-Motor nie ins Ziel. Beim Saisonauftakt 1986 in Brasilien schied er an elfter Stelle liegend aus. Beim nächsten Rennen in Spanien war schon nach der ersten Runde Feierabend. Für den dritten Grand Prix wurde der Hart-Motor gegen Cosworth getauscht. Das neue Auto war komplett für den neuen Ford-Motor entwickelt worden und kam so zu einem verspäteten Debüt.

Jones erinnert sich an "einen schönen, kleinen Motor, aber er war unnachgiebig. Entweder konnte man damit nicht aus der Box fahren, oder er würde auf der Strecke nicht gut laufen. Oder umgekehrt. Zu diesem Zeitpunkt hatte Honda einen elektrischen Mechanismus für den Ladedruck, aber wir hatten Hebel, die aus dem Armaturenbrett vorstanden. Um den Druck richtig einzustellen, musstest du eine konstante Drehzahl halten, sagen wir 10.000 Touren."

Keine Fortschritte mit Ford

"Dann stellt man den Ladedruck wunschgemäß ein. Anschließend machte man die andere Zylinderbank. Es dauerte zwei Runden, bis man den Druck richtig eingestellt hatte, denn in einer Runde machtest du die linke Zylinderbank, in der nächsten die rechte. Ich werde nie vergessen, wie wir in Monza auf den Geraden rund 24 km/h langsamer waren. Keith Duckworth fragte mich, welchen Flügel ich fahre. Und ich sagte: 'Keith, verdammt noch mal, schau es dir an und tu mir einen Gefallen.' Die anderen fuhren mit einem Schneunentor als Heckflügel und waren um 24 km/h schneller. Unser Flügel war praktisch flach."

Patrick Tambay, Adrien Tambay

Zeltweg 1986: Beide Haas-Ford fahren in die Punkteränge (damals Top 6) Zoom

Der Ford-Motor war ein Fortschritt, wenn auch kein signifikanter. In Kanada kam Jones zum ersten Mal seit seinem Formel-1-Comeback ins Ziel - als Zehnter. Der Qualifying-Höhepunkt in Ungarn war mit Platz zehn eine Ausnahme. Trotzdem belegte der Australier in Deutschland Platz neun und fuhr anschließend in Österreich und Italien in die Top 6. Durch die hohe Zahl an Ausfällen kann Jones einen 100 Prozent Rekord mit Ergebnissen in den Top 10 vorweisen. Seine vier WM-Punkte bedeuteten 1986 WM-Platz zwölf.

Wenig überraschend wurde das Projekt eingestellt. Beatrice beendete das Sponsoring und der Rennstall war bald danach am Ende. "Es war ein komplettes Desaster", bringt es Jones im Rückblick auf den Punkt. "Es hätte gut werden können, aber es sollte nie sein." Neben Jones war Patrick Tambay der zweite Fahrer, der zuvor für Ferrari und Renault achtbare Ergebnisse erzielt hatte. Auch für den Franzosen endete 1986 die Formel-1-Karriere.