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Wurz: "Ich verstehe Alonso"

Alexander Wurz im Interview über ein mögliches Regenrennen in Suzuka, japanische Langeweile sowie sein Verständnis für Fernando Alonso

(Motorsport-Total.com) - Noch zwei Grands Prix muss Alexander Wurz als Freitagsfahrer bereisen, dann darf er endlich wieder selbst ins Renncockpit steigen und um WM-Punkte kämpfen. In Japan ist ihm an diesem Wochenende vorerst noch nur die Beobachterrolle zugeteilt, die er im Gespräch mit 'F1Total.com' als Basis für seine fachkundigen Analysen heranzog.

Alexander Wurz und Inga Stracke

Alexander Wurz drückt im WM-Kampf ganz klar Fernando Alonso die Daumen

Frage: "Alexander, Suzuka versinkt heute im Regen. Wie fährt es sich auf dieser Strecke, wenn es regnet?"
Alexander Wurz: "Bis jetzt war es immer sehr schlimm, weil sich Bäche bilden, die über die Strecke laufen, und das bedeutet eine sehr hohe Aquaplaninggefahr. Angeblich haben die Japaner die Strecke aber aus diesem Grund modifiziert und neue Abflusskanäle gebaut, die das verhindern sollen. Das kann ich aber erst nach dem Training beantworten - wenn du mich hoffentlich nicht in der Mauer siehst..."#w1#

Wurz erinnert sich an Senna gegen Prost

Frage: "Es wird zum vorerst letzten Mal in Suzuka gefahren. Du wärst hier im nächsten Jahr beim Grand Prix dabei gewesen. Findest du das schade?"
Wurz: "Die Strecke ist schon super. Wenn es trocken ist, ist es hier echt lässig. Sie hat natürlich auch viel Geschichte - ich erinnere mich noch an mein Alter, als ich Kartfahrer war und um 5:00 Uhr morgens aufgestanden bin, um Prost gegen Senna zu schauen, als Senna angekündigt hat, dass er Prost rausschießen wird. Das konnte ich natürlich nicht verpassen! Suzuka ist mir immer für diese tollen WM-Kämpfe in Erinnerung."

"Wenn ich nächstes Jahr nicht mehr hierher kommen muss, wird mir keine Träne im Gesicht hinunterkullern..." Alexander Wurz

"Selbst hier zu sein, ist natürlich auch interessant - erstens, weil du das Land der aufgehenden Sonne kulturell nie wirklich verstehen wirst und zweitens, weil die Strecke sehr schwierig zu fahren ist. Das ist schon cool. Andererseits bin ich immer froh, wenn ich wieder im Flieger nach Hause sitze. Wenn ich nächstes Jahr nicht mehr hierher kommen muss, wird mir auch keine Träne im Gesicht hinunterkullern..."

Frage: "Bist du kein Fan von Karaoke?"
Wurz: "Nein, nicht wirklich. Weil hier sonst wirklich nichts zu tun ist, gibt es diese Log-Cabins, in denen alle Karaokesingen gehen. Das endet teilweise in Herumgrölen der Fahrer mit den Teamchefs, was ein-, zweimal lustig ist, aber es wird mir nicht fehlen."

Frage: "Kommen wir zum WM-Kampf. Michael Schumacher könnte theoretisch am Sonntag schon Weltmeister werden. Was erwartest du von diesem Wochenende?"
Wurz: "Jetzt muss man einmal abwarten, was das Wetter bringt, weil die Wettervorhersage recht instabil ist. Das kann wieder alles durcheinander mischen. Wir haben in Shanghai gesehen, dass der Michelin im Regen, wenn es wirklich feucht ist auf der Strecke, vielleicht besser ist. Wenn es auftrocknet, wenn eher wenig Wasser steht, dann ist vielleicht der Bridgestone schneller. Natürlich kann bei diesen schwierigen Verhältnissen auf dieser schwierigen Strecke sehr viel passieren. Man muss abwarten. Es könnte nichts spannender sein als wenn sich Petrus auch noch in diesen WM-Kampf einmischt."

Wurz hat Verständnis für Alonso

Frage: "Fernando Alonso sagt, er fühlt sich von Renault im Stich gelassen. Wie kommt das?"
Wurz: "Das ist ein Zeichen dafür, dass der Druck der WM in diesem Jahr speziell groß ist. Er ist noch ein sehr junger Fahrer, aber wenn man sich anschaut, was auf ihm lastet und was in den letzten Wochen und Monaten passiert ist - zweimal eine fragwürdige Entscheidung der FIA gegen ihn, von der zumindest eine von vielen Insidern im Fahrerlager überhaupt nicht verstanden wird - das sind so viele Dinge, wenn du dann alleine dastehst und dich verlassen fühlst, dann kommt so etwas im Druck einfach raus. Das ist ja nicht persönlich gemeint, sicher nicht gegen sein Team, aber es zeigt, dass Schumacher und er im Augenblick irrsinnig unter Druck stehen."

"Da wissen wir gar nicht, was alles läuft." Alexander Wurz

Frage: "Wenn ein Fahrer so etwas sagt, wird das aber zum Beispiel bei den Mechanikern nicht das fröhlichste Gefühl auslösen, oder?"
Wurz: "Sicher nicht, aber da passiert so viel im Hintergrund, da geben dir alle Tipps - da wissen wir gar nicht, was alles läuft. Ich verstehe Alonso schon, man muss in dieser Situation Verständnis für ihn aufbringen. Meinen Support hat er auf jeden Fall."

Frage: "Im nächsten Jahr ist der Japan-Grand-Prix wegen Motorenhersteller Toyota so etwas wie ein Heimrennen für dein Team. Gibt es da schon Freundschaften, die geknüpft werden?"
Wurz: "Der Heim-Grand-Prix des Teams wird immer Silverstone bleiben, denn wir sind ein britisches Team. Meinen Heim-Grand-Prix in Österreich gibt es leider nicht mehr, deshalb wird das Ungarn sein. Mein Heim-Grand-Prix, wo ich wohne, ist Monaco, denn dort kann ich in meinem eigenen Bett schlafen. Japan sehe ich wirklich nur ganz, ganz bedingt als Heim-Grand-Prix. Unser Motorenhersteller ist japanisch, aber ich glaube, das wird nicht viel ändern."

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