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  • 26.05.2014 · 08:18

  • von Timo Pape

Wolff: Wie zwei Teenies, die sich um eine Frau streiten

Toto Wolff weiß genau, wo er bei Lewis Hamilton und Nico Rosberg psychologisch ansetzen muss - Ein freundschaftliches Verhältnis der beiden schließt er aus

(Motorsport-Total.com) - Kein Sieg, kein Lächeln, keine Gratulation - Lewis Hamilton war nach seinem zweiten Platz in Monaco sichtlich angesäuert. Nach zuletzt vier Siegen in Serie musste sich der Mercedes-Pilot seinem Teamkollegen Nico Rosberg zum ersten Mal in dieser Saison auf der Strecke geschlagen geben (in Australien scheiterte er nicht an Rosberg, sondern an der Technik). Damit ist auch die mühsam erkämpfte WM-Führung erst einmal futsch. Kein Wunder, dass sich die Fronten allmählich verhärten.

Nico Rosberg, Lewis Hamilton

ss Zoom

Inzwischen sollte sich das Gemüt des Briten nach dem kontroversen Qualifying-Zwischenfall jedoch wieder beruhigt haben, glaubt Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff. Hamilton brauche im Normalfall etwa zwölf Stunden, um eine Niederlage zu verdauen. Bei den Silbernen weiß man jedoch, wie man mit Hamiltons Charakter umzugehen hat: "Lewis ist sehr sensibel und ehrgeizig, und eine von unseren Aufgaben ist es jetzt, seine Bedürfnisse zu befriedigen und ihn so zu beschützen, dass er für das Team optimal funktioniert", so der Österreicher gegenüber 'Bild'.

"Ich glaube, wir verstehen sehr gut, was Lewis braucht und wie wir ihn wieder zurück auf Linie bringen", meint Wolff. Doch nicht nur Hamilton kann die Mercedes-Seelsorge in Anspruch nehmen: "Die beiden sind so verschieden und brauchen komplett andere Unterstützung von uns. Nico und Lewis sind manchmal wie zwei Teenager, die ihre Grenzen austesten. Manchmal muss man sie vorsichtig schütteln, um sie wieder auf Kurs zu bringen."

Das einst so freundschaftliche Verhältnis entwickelt sich mehr und mehr zu einem verbitterten Kampf, in dem sich keiner etwas gönnt. "Wenn zwei Männer um dieselbe Frau kämpfen, dann mögen sich diese beiden nach einiger Zeit nicht mehr", gibt Wolff zu bedenken und rechnet nicht damit, dass der Hamilton-Frust von Monte Carlo die letzte Regung in diese Richtung war: "Die beiden kämpfen um dieselbe Sache, dieselbe Frau - also den WM-Titel. Um diesen Pokal am Ende der Saison in der Hand zu halten, gehst du sehr weit."


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Auch, wenn Rosberg und Hamilton lange Zeit gut harmoniert haben, kann sich Wolff nicht vorstellen, dass die Freundschaft der beiden einen WM-Kampf unbeschadet überstehen wird: "Ich glaube persönlich, dass Rennfahrer genau deshalb nie Freunde sein können! Nico und Lewis sind Kollegen, Gegner. Und auf der Strecke sind sie Feinde." Es sei interessant, diese Dynamik zwischen den beiden beobachten zu können. "Wie sie auf einmal nicht mehr miteinander reden, sich nicht die Hand geben. Aber das ist 100 Prozent normal."