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Wolff: "Bottas ist kein wirtschaftliches Harakiri"

Williams-Direktor Toto Wolff erklärt, was er 2013 von Valtteri Bottas erwartet, wie sich der Senna-Abgang finanziell auswirkt und wieso er an Pastor Maldonado glaubt

(Motorsport-Total.com) - Diese Saison gelang Williams ein großer Sprung nach vorne: Die Truppe aus Grove war 2011 das schwächste der etablierten Teams, 2012 holte Pastor Maldonado sogar einen Sieg für Williams. Dennoch fehlte die Konstanz, was auch an den Piloten lag. Maldonado glänzte mit Speed, machte aber zahlreiche Fehler, Bruno Senna konnte das Potenzial des FW34 nicht nutzen.

Toto Wolff

Toto Wolff fordert in der kommenden Saison mehr Effizienz von seinem Team Zoom

2013 wird der Brasilianer durch den langjährigen Testfahrer Valtteri Bottas ersetzt, der in den Nachwuchsserien von Williams-Anteilseigner Toto Wolff gemanagt wurde. Der Österreicher erklärt, was er im Rookiejahr vom Finnen erwartet, wie sich der Senna-Abgang finanziell auswirkt und was in der kommenden Saison besser werden muss.

Frage: "Das Finanzielle spielt in der Formel 1 immer eine große Rolle. Zu welchem Grad haben Sponsoren bei der Verpflichtung von Valtteri eine Rolle gespielt?"
Toto Wolff: "Uns allen ist bewusst, dass der Betrieb finanziert werden muss. Der Markt befindet sich derzeit in einer schwierigen Situation. Die Finanzierung spielt eine wichtige Rolle. Daher war es für uns wichtig, das bestmögliche Paket zu haben. Wir sind glücklich, dass Valtteri Partner hat, die sich der Formel 1 verschrieben haben und ihm in die Formel 1 gefolgt sind."

"Wir waren in Finnland bei der Suche nach Unterstützern ziemlich erfolgreich." Toto Wolff

Frage: "Bruno hatte viel finanzielle Unterstützung, da ist es sicher nicht leicht, das auszugleichen."
Wolff: "Valtteri ist schon seit einigen Jahren beim Team und war bis heute eine Investition, aber wie eben gesagt, befinden wir uns in einer wirtschaftlichen Realität, die allgegenwärtig ist. Daher bin ich froh, sagen zu können, dass Valtteri nicht nur auf der Strecke, sondern auch abseits der Strecke eine tolle Leistung gebracht hat. Wir waren in Finnland bei der Suche nach Unterstützern ziemlich erfolgreich. Das ist nicht bedeutungslos."

Wie gleicht man Sennas ausbleibende Millionen aus?

Frage: "Besteht die Gefahr, dass der Abgang von Senna dem Team finanziell schadet? Und inwiefern ist die Unterschrift von Valtteri eine Art Absichtserklärung des Teams?"
Wolff: "Alles, was wir tun, hat langfristige Gründe. Wie man bereits in der Vergangenheit gesehen hat, hat Williams immer versucht, ein profitabler Konzern zu sein. Heute kann ich sagen, dass all das offiziell ist, denn wir sind ein öffentliches Unternehmen, wir haben keine Schulden, wir sind profitabel, unsere breitgefächerten Geschäftsbereiche wachsen, und wir haben loyale Partner an unsere Seite, die auch nächstes Jahr bei uns bleiben werden. Valtteri an Bord zu holen, war also aus wirtschaftlicher Sicht kein Harakiri, alles ist gut finanziert. Das muss es auch sein. Es handelt sich um eine langfristige Entscheidung, die sorgfältig getroffen wurde."

Frage: "Gibt es eine Art Zielbeziehung - dass Valtteri gewisse Resultate einfahren muss, um den Verlust von Sennas finanziellen Mitteln auszugleichen?"
Wolff: "Das ist eine Frage, die sich jedes Team selbst stellen muss. Ein Beispiel, das ich gerne nenne, auch wenn ich nicht in die Details Einblick habe, ist Lotus. Wenn man sich anschaut, wo das Team letztes Jahr gestanden hat und wo man dieses Jahr liegt, dann war man sehr erfolgreich darin, Sponsoren durch die diesjährigen Leistungen an Bord zu holen. Das ist natürlich etwas, das wir uns ansehen und wonach wir streben."

Frage: "Valtteri ist diese Saison sehr unregelmäßig zum Einsatz gekommen. Wie wertvoll wird es für seine Weiterentwicklung sein, während der kommenden Saison über ein fixes Cockpit zu verfügen?"
Wolff: "Wahrscheinlich ist es heute der einzige Weg, einen Rookie in ein professionelles Renncockpit zu kriegen, indem er im Vorfeld lange mit dem Team arbeitet, all die Aerodynamiktests und die Simulatorarbeit verrichtet und - wenn möglich - an einigen Freitagen im Auto sitzt. Ich bin eigentlich ein Fan der Testeinschränkung, denn wir sollten nicht Geld ausgeben, um 40 Tage pro Jahr zu testen. Wir sollten also am Anfang nicht von fantastischen Leistungen träumen, denn Valtteri hat ein Jahr lang keine Rennen gefahren, sondern war an den Freitagen im Einsatz. Das ist natürlich ein Ausgleich. Es wird nächstes Jahr - sicher auch für andere Teams - interessant zu beobachten, wie das funktioniert."

Wolff fordert von Bottas Punkte

"Für uns ist es wichtig, dass wir mit beiden Fahrern langfristige mehrjährige Verträge haben." Toto Wolff

Frage: "Wie lange läuft der Vertrag mit Valtteri, und was glaubst du, kann er mit dem Team erreichen?"
Wolff: "Es ist nicht die Herangehensweise von Williams, über Verträge zu sprechen. Für uns ist es wichtig, dass wir mit beiden Fahrern langfristige mehrjährige Verträge haben, die dem Team Stabilität geben. Das ist bei Pastor und Valtteri der Fall. Uns als Team ist absolut bewusst, dass Valtteri nächstes Jahr sein Rookiejahr bestreiten wird, aber er spielt für uns eine wichtige Rolle, denn jeder im Team kennt ihn und er ist eine Investition des Teams. Daher glauben wir, dass er sich gut schlagen wird und am Anfang viel von Pastor lernen wird. Für uns ist es wichtig, regelmäßig Punkte zu holen. Das ist es, was wir von ihm erwarten."

Frage: Ihr wollt Valtteri in seinem Rookiejahr nicht zu sehr unter Druck setzen. Dieses Jahr hatte man den Eindruck, dass das Auto zu mehr imstande gewesen wäre, als es die WM-Punkte zeigen. Wie beurteilst du selbst diese Saison, und welche Erwartungen hast du für die WM 2013?"
Wolff: "Wenn man in die Formel 1 kommt, dann muss man mit Druck umgehen können. Ich bin der Meinung, dass Valtteri fähig ist, mit diesem Druck zurecht zu kommen. Ich will ihn jetzt nicht zu sehr schützen, weil es sein Rookiejahr ist und mehr oder weniger alles erlaubt ist. Das ist nicht der Fall, und Vallteri ist sich dessen absolut bewusst. Er ist ein entspannter Fahrer, und das war immer der Fall. Daher wird es ihn nicht extrem beeinflussen."

"Was ich vom Auto erwarte? Es handelt sich mehr oder weniger um eine Weiterentwicklung dieses Jahres. Es wird nicht so einen großer Schritt geben, wie wir ihn 2014 erwarten. Ich rechne nicht mit großen Performance-Unterschieden im Vergleich zu diesem Jahr. Klar, wenn unsere Fahrer regelmäßig in die Punkte fahren, einander pushen, Fehler vermeiden, dann sollte uns das in der Konstrukteurs-WM am Ende in eine bessere Position bringen. Das Mittelfeld ist sehr eng. Unser Ziel ist es, dieses Mittelfeld anzuführen, manchmal sogar die Top-Teams zu ärgern. Das ist es, was wir auch dieses Jahr erwartet hatten, aber am Ende hat sich das nicht in WM-Punkten niedergeschlagen. Für uns ist klar, dass es sich nächstes Jahr niederschlagen muss."

Wolff rechnet mit stark verbessertem Maldonado

Frage: "Kannst du - Hand aufs Herz - bestätigen, dass Pastor wegen seines Talents und nicht wegen der Sponsorengelder bleiben darf, obwohl er öfter bei den Rennkommissaren war als in den Punkten?
Wolff: "Ja. Ich hätte lieber gerne jemanden, der viel Speed und einen schweren Gasfuß hat, aber dazu tendiert, Fehler zu machen und diese auch zugibt, als jemanden, der den Speed nicht hat. Den hat man, oder man hat ihn nicht. Pastor ist über das Jahr hinweg gereift. Er hatte eine ziemlich harte Zeit, und wir haben bemerkt, dass er aus seinen Fehlern viel gelernt hat und sie zugibt, was für einen Fahrer immer sehr schwierig ist, aber er hat es getan. Ich denke, dass wir nächstes Jahr einen stark verbesserten Pastor sehen werden. In seinem Fall geht es darum, Fehler zu vermeiden, aber nicht um den Speed. Der Speed ist da."

"Pastor ist über das Jahr hinweg gereift." Toto Wolff

Frage: "Diese Saison hatte Williams mit Susie Wolff und Valtteri zwei offizielle Testfahrer. Gibt es nach Valtteris Beförderung Pläne, einen neuen Testfahrer zu engagieren?"
Wolff: "Derzeit sehen wir uns mit einen schwierigen Markt konfrontiert. Wir sind froh, dass wir die Entscheidung getroffen haben, Valtteri zu nehmen. Wir sind froh, das jetzt bestätigen zu können. In Hinblick auf die Nominierung des Ersatzpiloten und des Testfahrers, sind wir noch nicht so weit. Wir sehen uns den Markt an. Valtteri hat es geschafft, das Renncockpit zu ergattern, aber wir wollen nicht die nächste Generation möglicher Williams-Piloten verpassen. Hoffentlich sind wir bei der Präsentation des neuen Autos bereit, das gesamte Fahrerteam zu präsentieren."

Frage: "Ist Susie eine Kandidatin als Ersatzpilotin?"
Wolff: "Wenn Ferrari sie uns nicht wegschnappt, dann ja."

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