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Wie Lucas di Grassi ein Formel-1-Siegerauto verpasst hat

Formel-E-Champion Lucas di Grassi erklärt, warum er vor der Formel-1-Saison 2009 gleich doppelt übersehen wurde und so die große Chance verpasste

(Motorsport-Total.com) - "Ich hätte 2009 für Renault oder, noch besser, für Brawn fahren können", sagt Lucas di Grassi. So ist es aber nicht gekommen. Der brasilianische Rennfahrer bestritt stattdessen nur eine Formel-1-Saison, 2010 für Neueinsteiger Virgin und ohne WM-Punkte. Doch wie nahe dran war di Grassi eigentlich an einem Formel-1-Debüt in einem Siegerteam?

Lucas di Grassi, Virgin

Lucas di Grassi in seinem einzigen Jahr in der Formel 1, in der Saison 2010 Zoom

Diese Frage beantwortet der heute 35-Jährige gelassen damit, dass er als Renault-Testfahrer eigentlich parat stand, um 2009 seinen Landsmann Nelson Piquet im zweiten Fahrzeug neben Fernando Alonso abzulösen.

"Dann aber kam der Singapur-Skandal", sagt di Grassi und verweist auf den absichtlichen Unfall Piquets, der als "Crashgate" in die Formel-1-Historie Eingang fand. Mit Folgen, auch für di Grassi, wie er meint: "Das war einer der Gründe, weshalb Renault an Piquet festhielt. Ich bekam also kein Cockpit."

Ein Schritt zur Seite, ein Schritt nach vorne

Kurz darauf verflüchtigte sich auch di Grassis zweite Möglichkeit, nämlich ein Platz im Honda-Werksteam. Im Herbst 2008 hatte er noch für das Team getestet. "Wenige Wochen später gab es den Rennstall nicht mehr", sagt er. "Das Team kam dann als Brawn zurück, aber man holte Button und Barrichello."


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So blieb di Grassi nichts anderes übrig als ein weiteres Jahr in der Nachwuchsserie GP2, wo er 2007 den zweiten und 2008 den dritten Gesamtplatz belegt hatte. "Ich fuhr damals ohne Bezahlung", sagt di Grassi. Er wollte einfach nur seine Chancen auf ein Formel-1-Cockpit wahren. Mit Erfolg: 2010 kam er bei Neueinsteiger Virgin unter.

Die Situation dort war kaum vergleichbar mit einem Engagement bei Renault oder Brawn. Der komplett digital entwickelte Rennwagen erwies sich als Flop. Di Grassi beschreibt seine Saison 2010 daher als "wunderbar, aber mit einem sehr schlechten Auto". Einziger Pluspunkt: "Ich habe meine Erfahrung gemacht."

Formel-1-Saison eröffnet neue Chancen

Ob ihn die Frage beschäftigt, was hätte sein können? Eigentlich nicht, meint di Grassi. Zwei Formel-1-Türen hätten sich geschlossen, dafür hätten sich andere aufgetan. Sein Auftreten bei Virgin etwa "führte zu meinem Audi-Test im Jahr darauf", erklärt er. "So kam ich zur Langstrecke und in den LMP1. Und so ging es immer weiter."

Nach mehreren Le-Mans-Podestplätzen zog es di Grassi in die Formel E, wo er in der dritten Saison 2016/2017 den Meistertitel erreichte. Sein Credo dabei: "Wenn du weiter an dich selbst glaubst und hart arbeitest, dann kommt auch deine Stunde. Deine einzige Chance ist, zurückzuschlagen."

Mit seiner verpassten Formel-1-Gelegenheit habe er sich arrangiert. "So ist das Leben", meint er. "Manchmal hast du Glück, manchmal hast du Pech. Mit einem potenziellen Siegerauto in die Formel-1-Karriere zu starten, das hätte aber natürlich schon etwas gehabt ..."