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Wie DRS die Überholrekorde der Formel 1 verfälscht

Seit Einführung des DRS-Systems hat sich die Anzahl der Überholmanöver deutlich erhöht - 2016 krallte sich Max Verstappen dadurch auch einen Uralt-Rekord

(Motorsport-Total.com) - Max Verstappen hat in der vergangenen Saison einen 32 Jahre alten Rekord gebrochen und 78 Überholmanöver gezeigt. Doch ist die Sache so beeindruckend, wie sie sich anhört? Bevor es die Antwort darauf geben kann, müssen zuerst die Rahmenbedingungen abgesteckt werden, wie die Daten gesammelt werden.

Max Verstappen, Sergio Perez

Max Verstappen war 2016 der Überholkönig der Formel 1 Zoom

Als Überholmanöver zählt es, wenn es auf einer ganzen fliegenden Runde geschieht - also wird die erste Runde nicht gezählt - und die gewonnene Position bis zur Start- und Ziellinie gehalten wird. Positionswechsel durch große technische Probleme oder Überrundungen werden nicht gezählt, genauso wenig wie Positionsveränderungen durch Boxenstopps.

Verstappen beendete Niki Laudas Herrschaft an der Spitze, die der Österreicher seit 1984 mit 60 Überholmanövern innehatte. Mittlerweile ist Lauda einer von nur noch zwei Fahrern in den Top 10 (neben Michael Schumacher), der seine Bestmarke vor Einführung der Überholhilfe DRS im Jahr 2011 aufstellte.

Die Top 10 der Fahrer mit den meisten Überholmanövern:
1. Max Verstappen (2016): 78 Überholmanöver - 3,71 pro Rennen
2. Daniel Ricciardo (2016): 61 - 2,90
3. Niki Lauda (1984): 60 - 3,75
3. Michael Schumacher (2003): 60 - 3,75
3. Sebastian Vettel (2012): 60 - 3,00
6. Felipe Massa (2013): 59 - 3,10
6. Mark Webber (2013): 59 - 3,10
8. Jean-Eric Vergne (2012): 58 - 2,90
9. Kimi Räikkönen (2013): 56 - 2,95
9. Sergio Perez (2016): 56 - 2,66

Verstappens Form war unzweifelhaft stark in dieser Saison. Speziell sein Auftritt in Brasilien sticht heraus, als er 13 Manöver innerhalb der Kriterien zeigte. Allerdings hatte er wie sein Teamkollege Daniel Ricciardo, der sich mit 61 Überholmanövern auf Rang zwei schob, den Vorteil durch DRS. Zudem fuhren beide in der mit 21 Rennen längsten Formel-1-Saison aller Zeiten und in einer Ära, in der Pirelli Reifen mit hohem Abbau produzieren sollte.


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Niki Lauda hatte bei seinem Rekord nur 16 Rennen Zeit, genau wie Michael Schumacher. Stellt man die Tabelle nach den durchschnittlichen Überholmanövern pro Rennen auf, dann lägen Lauda und Schumacher mit 3,75 Manövern pro Rennen vorne, Verstappen würde mit 3,71 auf Rang drei zurückfallen. Sebastian Vettel, der den Rekord ebenfalls teilte, wäre nur Sechster.

Der Einfluss von DRS wird noch deutlicher, wenn man die Gesamtzahl an Überholmanövern pro Jahr seit 1990 nimmt.

Überholmanöver pro Saison:
1990: 494 Manöver in 16 Rennen (30,9 pro Rennen)
1991: 495 Manöver in 16 Rennen (30,9)
1992: 406 Manöver in 16 Rennen (25,4)
1993: 392 Manöver in 16 Rennen (24,5)
1994: 289 Manöver in 16 Rennen (18,1)
1995: 297 Manöver in 17 Rennen (17,5)
1996: 186 Manöver in 16 Rennen (11,6)
1997: 265 Manöver in 17 Rennen (15,6)
1998: 207 Manöver in 16 Rennen (12,9)
1999: 260 Manöver in 16 Rennen (16,3)
2000: 279 Manöver in 16 Rennen (16,4)
2001: 230 Manöver in 17 Rennen (13,5)
2002: 235 Manöver in 17 Rennen (13,8)
2003: 303 Manöver in 16 Rennen (18,9)
2004: 287 Manöver in 18 Rennen (16,2)
2005: 207 Manöver in 19 Rennen (10,9)
2006: 291 Manöver in 18 Rennen (16,2)
2007: 270 Manöver in 17 Rennen (15,9)
2008: 267 Manöver in 18 Rennen (14,8)
2009: 211 Manöver in 16 Rennen (13,2)
2010: 452 Manöver in 19 Rennen (23,8)
2011: 821 Manöver in 19 Rennen (43,2)
2012: 870 Manöver in 20 Rennen (43,5)
2013: 760 Manöver in 19 Rennen (40,0)
2014: 636 Manöver in 19 Rennen (33,5)
2015: 509 Manöver in 19 Rennen (26,8)
2016: 866 Manöver in 21 Rennen (41,2)

Als DRS 2011 eingeführt wurde, verdoppelte sich die Zahl der Überholmanöver fast von 452 auf 821 und war beinahe viermal so hoch wie die Zahlen Ende der 90er und Anfang der 2000er. Gleichzeitig kann man festhalten, dass die Zahl der Überholmanöver nach großen Regeländerungen wie 2009 und 2014 verglichen mit dem Vorjahr sank.

Die Zahlen werden durch diverse Faktoren wie Boxenstopps beeinflusst, besonders als Reifenwechsel in den frühen 90ern häufiger wurden. Durch Einführung des Nachtankens 1994 bekamen die Zahlen einen weiteren Knick und blieben viele Jahre lang niedrig. Als die Entscheider in der Formel 1 ab 2003 anfingen am Qualifying-Format zu basteln, gingen die Zahlen leicht nach oben, blieben aber dennoch niedrig.

Mit DRS und stark abbauenden Reifen gingen diese dann jedoch dramatisch nach oben. 14.913 Überholmanöver wurden seit 1983 gezählt. Ein gutes Drittel davon (4.462) passierten in den vergangenen sechs Saisons, als DRS verfügbar war.

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