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Whiting: Entscheidungen der Rennkommissare bleiben strittig

Renndirektor Charlie Whiting erklärt, warum die Rennkommissare trotz einer neuen Richtlinie auch weiterhin für ihre Entscheidungen unter Beschuss stehen werden

(Motorsport-Total.com) - In Österreich fuhren die Rennkommissare erstmals eine neue Linie: Ab sofort sollen in der Formel 1 weniger Strafen verteilt werden. Sanktionen soll es nur noch dann geben, wenn ein Fahrer die alleinige Schuld an einem Unfall trägt. Renndirektor Charlie Whiting erklärt jedoch, dass auch mit dieser neuen Vorgehensweise nicht alle glücklich sein werden.

Charlie Whiting

Renndirektor Charlie Whiting ist sich bewusst, dass es Streitfälle geben wird Zoom

"Wir werden sehen, wie es funktioniert, und wie lange es dauert, bevor es zum ersten Mal eine Uneinigkeit gibt", erklärt Whiting und ergänzt: "Die wird es immer geben, denn unsere Initiative - wenn wir sie so nennen wollen - besagt, dass es keine Strafen geben wird, wenn die Rennkommissare nicht eindeutig der Ansicht sind, dass ein Fahrer die alleinige Schuld trägt."

"Es ist also noch immer eine Entscheidung der Stewards. Sie entscheiden, ob ein Fahrer die alleinige Schuld trägt. Es wird also Meinungsverschiedenheiten geben." In Österreich profitierte Sebastian Vettel als erster Fahrer von dieser neuen Herangehensweise. Der Weltmeister war mit Esteban Gutierrez kollidiert, hatte dafür allerdings keine Strafe erhalten.

Vorfälle werden trotzdem untersucht

Viele stellten sich daraufhin die Frage, warum der Vorfall angesichts der neuen Richtlinie überhaupt untersucht wurde. Whiting erklärt, dass die neue Richtlinie nicht bedeutet, "dass wir den Vorfall nicht untersuchen, denn natürlich kann man gar nicht beurteilen, ob ein Fahrer eindeutig die Schuld trägt, wenn man sich das nicht genauer angesehen hat."

Esteban Gutierrez, Sebastian Vettel

In Spielberg erhielt Vettel für seine Kollision mit Esteban Gutierrez keine Strafe Zoom

"Die Rennkommissare haben es untersucht und dann entschieden, dass es keine weiteren Maßnahmen geben wird. Das ist die Prozedur." Der Rennleiter berichtet weiter: "Die Idee dahinter ist, dass die Sache gar nicht so weit geht, die Fahrer zu den Rennkommissaren bestellen, um zu erklären, was passiert ist. Es wird dann einfach keine weiteren Maßnahmen geben."

"Wir werden sehen, wie das funktioniert. Ich denke, es ist noch etwas zu früh, um ein Fazit zu ziehen. Der Punkt ist folgender: Als dieser Vorschlag aufkam, von dem alle der Meinung waren, dass es eine gute Vorgehensweise sei, habe ich klargestellt, dass wir immer nur auf Basis dessen handeln, worum wir gebeten werden. Es liegt also an den Teams, uns darum zu bieten, dass wir nicht auch die kleinen Vorfälle untersuchen."

"Ich habe keine Rückmeldung von den Fahrern bekommen, aber von vielen anderen Leuten haben wir ein positives Feedback erhalten", freut sich Whiting. Trotzdem wird es auch weiterhin zu Streitfällen kommen, wie es beispielsweise in Kanada nach dem Unfall von Sergio Perez und Felipe Masse der Fall gewesen war.

Whiting verteidigt Kommissare

Dort wurden die beiden Fahrer nicht angehört, woraufhin der Fall in Österreich noch einmal neu aufgerollt wurde. Whiting erklärt: "Ich denke nicht, dass das essentiell ist. Die FIA hat festgelegt, dass die Fahrer immer angehört werden müssen, und der Grund, warum sie in Kanada nicht angehört wurden, war der, dass wir von jedem Team zwei Vertreter bei uns hatten, die ihre Fahrer zu diesem Zeitpunkt vertreten haben."

Sergio Perez, Felipe Massa, Charlie Whiting

In Spielberg mussten Sergio Perez und Felipe Massa noch einmal zu Charlie Whiting Zoom

"Uns wurde gesagt, dass die Fahrer noch mindestens drei Stunden im Krankenhaus sein würden. Anstatt zu warten, bis sie dann endlich kamen, haben wir uns dazu entschieden, die Sache ohne sie zu klären. Wenn die Teams gesagt hätten, dass sie es nicht ohne die Fahrer machen wollen, dann hätten die Rennkommissare es vielleicht anders geregelt. Ich glaube aber, dass ihre Vorgehensweise absolut akzeptabel war."

Force India sah das allerdings anders und forderte in Spielberg eine erneute Untersuchung. "Die Stewards in Österreich haben festgestellt, dass es ein neues Element hab", berichtet Whiting und ergänzt: "Es waren sogar zwei Gründe, wenn ich mich recht erinnere. Erstens sagten sie, dass Sergio nicht angehört wurde, was ein zusätzlich Element sein könnte."

"Wir werden sehen, wie das funktioniert. Ich denke, es ist noch etwas zu früh, um ein Fazit zu ziehen." Charlie Whiting

"Außerdem wollten sie gerne die Telemetrie vorlegen. Die Rennkommissare haben sich das angehört und sind zu dem gleichen Schluss gekommen (wie in Kanada; Anm. d. Red.)." Die Behauptung, dass die Rennkommissare gerne eine andere Entscheidung gefällt hätten, es aber nicht konnten, verneint Whiting: "Das ist eindeutig nicht der Fall."

Für die Stewards bedeutet die neue Richtlinie in erster Linie weniger Arbeit. Sie werden nun nicht mehr bei jedem Zwischenfall mit den Fahrern sprechen, sondern die Sache im Zweifelsfall als normalen Rennunfall abstempeln - wie es bei besagter Situation zwischen Vettel und Gutierrez passierte. Es wird aber wohl noch einige Rennen dauern, bevor sich sicher sagen lässt, auf wie viel Gegenliebe die Maßnahme bei Teams und Fahrern stößt.

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