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Welten hinter allen anderen: Williams endgültig am Tiefpunkt?

Williams legte mit 1,4 Sekunden Rückstand auf den 18. Platz einen neuen schockierenden Tiefpunkt hin: Was ist mit dem Fahrzeug falsch?

(Motorsport-Total.com) - Wer gedacht hat, dass Williams nach dem doppelten Top-10-Ergebnis von Monza wieder in die Spur gefunden hat, der sah sich in Singapur aber mal sowas von getäuscht. Der Rennstall gräbt bereits die ganze Saison über nach neuen Tiefpunkten, doch auf dem Marina Bay Street Circuit konnte man noch einmal eine ganze Erdschicht abtragen.

Lance Stroll, Sergei Sirotkin

Williams war vor allem im Qualifying weit von allen anderen entfernt Zoom

"Ich habe definitiv damit gerechnet, dass wir mit beiden Autos Letzter werden", hatte Lance Stroll schon im Qualifying mit einer Schlappe gerechnet. Doch mit welchem Abstand die Briten baden gingen, hat auch den Kanadier schockiert. 1,4 Sekunden fehlten dem Rennstall in Q1 - wohlgemerkt nicht auf den Führenden, sondern auf Stoffel Vandoorne auf Rang 18. "Das ist ein Schock", muss selbst Technikchef Paddy Lowe zugeben. "Es liegen Welten zwischen uns und den anderen Autos."

Im Rennen wurde es zumindest ein wenig besser: Stroll kämpfte sich auf einen guten 14. Platz nach vorne, Teamkollege Sergei Sirotkin kämpfte auch verbissen, aber vergeblich. Als 19. und Letztem fehlte ihm am Ende mehr als eine Minute auf den Fahrer vor ihm. Auch für den Russen war der Rückstand "schockierend", wie er sagt. Vor allem das Qualifying habe sich für ihn überhaupt nicht wie eines angefühlt.

Stroll: Williams war "unfahrbar"

Laut ihm ging es für ihn nur darum "zu überleben". Das Auto war schon in seiner ersten Runde so schrecklich, dass er zweimal schon aufgegeben hatte, um sich auf einen drohenden Crash vorzubereiten. "Es war so scharf am Abgrund, dass man im zweiten Versuch seine Mentalität ändert. So will man es aber nicht angehen, und so macht es keinen Spaß", sagt der Russe. Doch was war denn am Williams eigentlich falsch?

Eigentlich fast alles, meint Stroll. "Es ist unfahrbar", schüttelt er mit dem Kopf. "Wir haben sehr wenig Grip, das Fahren über die Randsteine ist sehr schlecht, die Traktion ist sehr schlecht. Eigentlich alles, was man auf dieser Strecke braucht, um schnell zu sein, haben wir nicht richtig hinbekommen." Andere Kurse würden die Schwächen eher kaschieren - Singapur verstärken: "Diese Strecke ist sehr extrem, in vielerlei Hinsicht. Der meiste Grip der ganzen Saison, die weichsten Reifen. Da wird jede Schwäche des Autos multipliziert", sagt Paddy Lowe.

Die Piloten sind dabei die ärmsten Schweine, die mit den Gegebenheiten zurechtkommen müssen. Sie haben kein Vertrauen in ihr Fahrzeug und konnten auch nicht schneller fahren. "Uns fehlt Stabilität am Kurveneingang, Traktion, die Räder drehen einfach durch, wir haben Untersteuern in den Kurven, Übersteuern - man bekämpft in den Kurven verschiedene Brandherde, die uns immer daran hindern, schneller zu fahren", hadert Stroll.

Problemfall Reifen

"Je mehr ich versuche zu pushen und Rundenzeit herauszuholen, desto mehr rutsche ich und desto mehr Temperatur bekommt die Reifenoberfläche, was wiederrum den Grip beeinflusst", so der Kanadier. Williams bekommt es auch nicht hin, genügend Temperatur in den Reifen zu bekommen. Sirotkin sagt, es gebe nur eine feine Linie zwischen dem Gripverlust aufgrund überhitzter Reifen und einer zerstörten Lauffläche.


Fotostrecke: GP Singapur: Fahrernoten der Redaktion

"Es ist einfach so unvorhersehbar", schimpft er. "Du startest die Runde und bist schon ein paar Zehntelsekunden davon weg, was der Reifen eigentlich leisten kann, und dann wird es im Laufe der Runde nur noch schlimmer", so der Russe. "Es ist wie ein Schneeball: Das macht etwas am Reifen, das ohnehin nicht richtig war, nur schlimmer. Und dann versuchst du einfach die Runde ohne groben Fehler zu Ende zu fahren."

Nun könnte man sagen, dass man so zumindest für das kommende Jahr herausfinden kann, wo die Schwächen liegen. "Wir werden aus den Schwierigkeiten lernen und versuchen, sie auszumerzen", sagt Stroll. Aber: "Ich denke nicht, dass ein Team auf solche Wochenenden hofft, um das Auto für das kommende Jahr zu verbessern." Sportlich kann Williams eigentlich kaum tiefer sinken als in Singapur. Aber das hat man in diesem Jahr schon häufig gedacht ...

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