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Vorjahresmotor als Strategie: Niemand glaubt Kaltenborn

Andere Teamverantwortliche können sich nicht vorstellen, dass Sauber einen Nachteil in Kauf nimmt, wenn es nicht darum geht, Geld zu sparen

(Motorsport-Total.com) - Noch mehr als der Sauber-Entscheid, in der Formel-1-Saison 2017 mit Ferrari-Vorjahresantrieben anzutreten, sorgte die dazugehörige Begründung für Verwunderung. Man wolle Spielraum haben, sich auf die Entwicklung der Fahrzeug-Aerodynamik zu konzentrieren, hieß es. Sparmaßnahmen hätten damit nichts zu tun. Wirklich? Die Konkurrenz glaubt den Schweizern nicht: "Jedes Team will doch den neuesten Motor haben", schüttelt Manor-Sportdirektor Dave Ryan den Kopf.

Monisha Kaltenborn

Kaltenborn scheint die Sache mit Vorjahresmotoren noch erklären zu müssen Zoom

Er kommt zu dem Schluss: "Vor diesem Hintergrund gibt es wohl finanzielle Aspekte, wenn eine Mannschaft sich für eine ältere Version entscheidet." Bei Manor muss man es wissen, schließlich erlaubten die Regelhüter dem Schlusslicht es 2015 entgegen der Formel-1-Bestimmungen, mit veraltetem Material in den Rennbetrieb zu gehen - der Kosten wegen. Aktuell ist Toro Rosso mit Ferrari-Power von gestern unterwegs, weil es nach der Trennung von Renault keine Alternative gab.

Der leidgeprüfte Teamchef Franz Tost kann sich offenbar nicht vorstellen, dass Sauber freiwillig auf der Stelle trabt: "Mir würde es nicht gefallen, wenn ich leistungsmäßig im Nachteil wäre", erklärt er, will die Kollegen aus Hinwil aber nicht zur Nutzung aktueller Triebwerke verdonnern. "Von den Regeln her denke ich schon, dass es die Möglichkeit geben muss, da es meist kostengünstiger ist." Williams-Geschäftsführer Mike O'Driscoll fügt vielsagend an: "Ich bin nicht gegen sie, sie werden schon gute, finanzielle Gründe haben."

Force Indias Co-Teamchef Robert Fernley plädiert dafür, die finanziellen Grundlagen - etwa über die Verteilung der Gelder aus den allgemeinen Formel-1-Töpfen - zu schaffen, dass sich jeder das neueste Material leisten kann. "Ich hätte gerne einen Antriebsjahrgang im Feld, weil es dafür sorgen würde, dass jeder konkurrenzfähig ist", so der Brite. "Es mag finanzielle Gründe geben, andererseits geht es um Leistung oder um die Verfügbarkeit. Man muss sich das Gesamtbild ansehen." Auch McLaren-Rennleiter Eric Boullier findet: "Idealerweise sollte jeder die neueste Version des Antriebs bekommen. Ich denke, darauf wird es auch in Zukunft hinauslaufen."