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  • 14.11.2011 · 17:10

Vettel: McCartney-Konzert als Trostpflaster

Sebastian Vettel suchte nach dem verkorksten Renntag Ablenkung beim McCartney-Konzert - Lewis Hamilton feierte derweil mit seiner stolzen Mutter den Sieg in Abu Dhabi

(Motorsport-Total.com/SID) - Eine Gitarre war die einzige Trophäe seines Sohnes Sebastian an diesem verkorksten Tag, deshalb hielt Norbert Vettel sie fest umklammert, als er im Fahrerlager von Abu Dhabi die gesamte Familie um sich versammelte. Als der Weltmeister dann um 20:40 Uhr Ortszeit aus dem Red-Bull-Haus rannte und mit Vater, Mutter, Bruder, Schwester und besagter Gitarre zum Konzert von Paul McCartney aufbrach, huschte auch schon wieder ein Lächeln über sein Gesicht.

Sebastian Vettel

Beim Konzert des Ex-Beatles konnte Sebastian Vettel seinen Frust vergessen

Der Blick des Formel-1-Weltmeisters war nach vorne gerichtet, die Freude auf den Abend mit einem seiner größten Idole hatte nach Stunden des Frusts endlich die Oberhand gewonnen. In der Yas-Arena angekommen, wurde der große Beatles-Fan, der nach eigenen Angaben das Gesamtwerk der "Pilzköpfe" auf Vinyl sein eigen nennt, von McCartney erst einmal gefoppt: "Ich habe Sebastian ausrichten lassen: Lass die britischen Jungs gewinnen", teilte McCartney den rund 30.000 Zuschauern mit und ergänzte schmunzelnd: "Und was soll ich sagen? Er hat's getan."

"Lass die britischen Jungs gewinnen." Paul McCartney

Nicht wirklich freiwillig natürlich. Ein Plattfuß direkt nach dem Start hatte Vettel den Sieg, die Rekordjagd und zunächst auch die Laune verdorben. Ausgerechnet in Abu Dhabi, wo er im Vorjahr seinen ersten WM-Triumph errungen hatte, fiel er erstmals seit mehr als einem Jahr aus. Ausgerechnet hier, wo seine nahezu gesamte Familie und sein Idol McCartney vor Ort waren, hatte er gerade einmal 15 Sekunden wirklich am Rennen teilnehmen dürfen. Einziger Trost war die Bassgitarre, die der 24-Jährige nach dem Konzert von dem 45 Jahre älteren Ex-Beatle signiert bekam - und die Vater Norbert keine Sekunde aus den Augen ließ.

Red Bull tappt weiterhin im Dunkeln

Auch Red-Bull-Motorsportkonsulent Helmut Marko war sichtlich frustriert. Die "Ratlosigkeit ob der Radlosigkeit" (so Marko gegenüber dem 'Kurier') machte ihm zu schaffen. "Wir wissen nicht, was wir falsch gemacht haben", sagte er und war sich sicher, "dass das ein lockerer Sieg für Sebastian geworden wäre".

"Ratlosigkeit ob der Radlosigkeit." Helmut Marko

Vettel analysierte später immerhin, er habe "etwas mitgenommen" - und damit meinte er nicht die Gitarre. Am Kommandostand hatte er das restliche Rennen verfolgt und dabei sogar an der Taktik für Teamkollege Mark Webber mitgefeilt. Interessant sei das gewesen, erzählte Vettel, deshalb sei er auch weit länger als die geplanten fünf Minuten geblieben. Die Frage, ob sich Vettel als Co-Teamchef schon für eine Karriere nach der Karriere empfohlen habe, entlockte Marko ein leises Schmunzeln. "Das ist noch weit weg", sagt er. "Aber was er zu sagen hatte, war sehr aufschlussreich."


Fotos: Großer Preis von Abu Dhabi, Sonntag


Dennoch: Dass er die nach Punkten erfolgreichste Saison der Geschichte ebenso nicht mehr perfekt machen kann wie Michael Schumachers Rekord von 13 Siegen in einem Jahr, wird Vettel maßlos ärgern. Seine Aussagen, Rekorde seien ihm egal, verfolgt sein einstiger Förderer Gerhard Berger jedenfalls amüsiert: "Dem Seb ist überhaupt nichts egal", sagt Berger. "Er ist extrem ehrgeizig. Er will alle Rekorde brechen - und er wird sie auch brechen."

Das Glück kehrt zu Hamilton zurück

Lewis Hamilton

Ein Sieg für die Mama: In Abu Dhabi endete Lewis Hamiltons Pechsträhne Zoom

Am Wochenende gab's erst einmal Lebensratschläge vom zuletzt selbst so gebeutelten Lewis Hamilton: "Manchmal braucht man eben Pech, um die guten Zeiten zu schätzen", philosophiert der Brite. "Und ich kann mich nicht erinnern, wann Sebastian zum letzten Mal Pech hatte."

Hamilton hatte diesmal Glück und zeigte sein ganzes Können. Mitten in seiner schweren Lebenskrise hatte er Mutter Carmen Lockhart nach Abu Dhabi einfliegen lassen. Als er vor ihren Augen und an ihrem Geburtstag zum dritten Saisonsieg gefahren war, schossen der Mama prompt die Tränen in die Augen. "Ich bin so stolz auf meinen Jungen", sagte sie und kam zu dem Schluss: "Ich sollte öfter zu seinen Rennen kommen."

Ihr Sohn, den nach dem zwischenzeitlichen Zerwürfnis mit dem Vater zuletzt die Trennung von Freundin Nicole Scherzinger aus der Bahn zu werfen drohte, war ebenfalls erleichtert: "Es waren schwierige Monate für mich", sagte er. "Aber der Sieg war gut für die Seele. Ich bin sicher, er war der Start für etwas Gutes. Und ich war froh, dass meine Familie dabei war."

Die wusste auch Vettel um sich. Der Abend mit seinen Lieben bei Paul McCartney war der bestmögliche Trost an einem verkorksten Renntag. Nicht zu vergessen die Gitarre...