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  • 16.05.2011 · 13:35

Vettel: "Bin immer noch der Gleiche"

Sebastian Vettel erinnert sich an seinen ersten Formeltest in Spielberg und erklärt, wie es ihm gelungen ist, auch als Weltmeister nicht abzuheben

(Motorsport-Total.com) - Red Bull verleiht bekanntlich Flügel, aber Sebastian Vettel ist auch als Weltmeister nicht abgehoben, sondern bescheiden am Boden geblieben. Das liegt weniger am Anpressdruck, den die Flügel seines RB7 generieren, als vielmehr an seinem bodenständigen Charakter. Darüber und über eine Rückkehr der Formel 1 nach Österreich sprach er gestern am Rande der Eröffnung des neuen Red-Bull-Rings in Spielberg. Das Interview, das in der Sendung 'Sport am Sonntag' ausgestrahlt wurde, können unsere Leser heute mit freundlicher Genehmigung des 'ORF' in voller Länge auf 'Motorsport-Total.com' nachlesen.

Sebastian Vettel

In Österreich ist Sebastian Vettel wegen seiner Art besonders populär

Frage: "Sebastian, im Juni 2001 hattest du hier deinen ersten Test in einem Formelauto, genauer gesagt in einem Formel König. Welche Erinnerungen hast du noch an diesen Tag?"
Sebastian Vettel: "Ist schon einige Zeit her, aber das war das erste Mal, dass ich die Chance hatte, ein Formelauto zu testen. Es war das Fahrzeug von Bernhard Auinger aus der Formel König. Ich war noch sehr jung, gerade mal 13 oder 14 Jahre alt, und es war schon sehr eindrucksvoll. Um die Strecke habe ich mich am Anfang gar nicht so sehr gekümmert, denn erstmal musste ich mit dem Auto klarkommen."

Erinnerungen an den ersten Formeltest

"Es ist ein enorm großer Schritt aus dem Kartsport heraus in ein Formelauto. Man ist angeschnallt, das Auto ist viel größer - sich daran zu gewöhnen, ist nicht so einfach. Aber der Tag war sehr hilfreich, denn ich habe einen ersten Eindruck gewonnen und ich hatte wirklich alle Zeit der Welt. Es ging nicht darum, irgendwelche Rundenzeiten zu schlagen, sondern es ging einfach darum, dass ich ein bisschen fahren, mich an die Schaltung und ans Auto gewöhnen kann. Es hilft natürlich sehr, wenn man dafür die Zeit bekommt, denn oftmals ist es ohnehin schon eine sehr große Chance, wenn man als junger Kartfahrer mal ein Formelauto testen darf."

Sebastian Vettel

Zehn Jahre später: Sebastian Vettel fährt jetzt Formel 1 statt Formel König Zoom

"Man hat gleichzeitig sehr viel Verantwortung, denn so ein Test kostet in der Regel sehr viel Geld. Normalerweise hat man nicht viel Zeit, sich an alles zu gewöhnen. Das heißt, es muss gleich was dabei rausspringen, damit man zeigen kann: Jungs, schaut her, ich habe was auf dem Kasten! Da muss ich sagen, war es schon sehr hilfreich, die Zeit zu haben, ganz befreit einen Tag das Ganze kennenzulernen."

Frage: "August Auinger, eine österreichische Motorradlegende und Bernhards Vater, hat später gesagt, dass du damals schon einen unglaublich fokussierten Eindruck gemacht hast, als hättest du da schon ein großes Ziel gehabt. Hattest du mit 13 schon das Ziel, einmal als Formel-1-Weltmeister nach Österreich zurückzukehren?"
Vettel: "Naja, das war sehr weit weg, aber das Ziel war schon da - der Traum auf jeden Fall. Einmal ein Formel-1-Auto zu fahren, einen Grand Prix zu gewinnen und vielleicht Weltmeister zu werden - das war damals unerreichbar, aber das Ziel hatte ich schon als kleines Kind, ja."

Frage: "Wie fühlt es sich an, jetzt wieder nach Österreich zurückzukehren?"
Vettel: "Schön! Die Strecke gefällt mir sehr gut, die ganze Gegend hier. Es ist etwas Besonderes. Ich habe es in den Bergen lieber als irgendwo am Strand. In der Regel sind die Rennen in sehr warmen Regionen, aber es ist schade, dass wir hier nicht mehr zu Gast sind."

Kein Schnickschnack, sondern echtes Racing

"Hier gibt es nicht viel Schnickschnack, sondern hier geht's ums Rennfahren - für die Fahrer und auch für die Fans, die hierherkommen. Mit der Eröffnung ist das etwas ganz Tolles, weil man gezeigt hat, es geht hier weiter. Wenn die Formel 1 hierher zurückkommen würde - was sehr schwer realisierbar ist -, wäre das ein Traum, denn man weiß auch als Fahrer, dass es hier nicht um Schnickschnack geht, sondern um die Wurst!"

Frage: "Und Schnickschnack interessiert dich nicht - da hast du dich auch als Weltmeister nicht geändert. Wie hast du es geschafft, der zu bleiben, der du auch vorher warst?"
Vettel: "Als Mensch entwickelt man sich schon und man hat auch das Ziel, reifer zu werden und dazuzulernen, aber ich glaube, man ist, wer man ist - daran sollte man nicht viel ändern."


Fotos: Eröffnung Red-Bull-Ring


"Wie macht man das? Ich hoffe, dass ich immer noch der Gleiche geblieben bin. Für mich gibt es keinen Grund, warum die Dinge anders laufen sollten oder warum sich etwas verändern sollte. Das, was ich letztes Jahr erreicht habe, macht mich sehr stolz - und es freut mich jedes mal, wenn ich daran zurückdenke. Aber man schaut immer nach vorne. An der Person muss man nichts ändern."

Frage: "Dein Vater Norbert ist bei jedem Rennen dabei, ist auch ein sehr bodenständiger Typ. Ist das familiäre Umfeld das, was dich am Boden hält?"
Vettel: "Ich glaube auch. Zum einen die Familie, zum größten Teil vielleicht, und dann noch der Freundeskreis. Die Leute, mit denen man sich umgibt und umgeben will, tragen natürlich dazu bei und machen letzten Endes die Person aus einem, die man ist. Wenn man den ganzen Tag nur eingesperrt irgendwo sitzen würde, wäre man nicht so."

Geerdetes Umfeld bei Familie und Freunden

"Das kann jeder für sich selbst nachempfinden, dass die Familie da einen großen Einfluss hat und eben auch die Freunde. Die kann man sich aussuchen, schon von klein auf. Ich fühle mich sehr wohl, bin sehr zufrieden und kann von meinen Eltern sehr viel lernen. Das alles trägt dazu bei, dass man nicht den Fokus verliert und sich aufs Wesentliche konzentriert."

Frage: "Ansonsten gibst du von deinem Privatleben wenig preis - du bringst deine Freundin nie an die Strecke mit, es gibt keine Skandale..."
Vettel: "Wenn man in der Öffentlichkeit steht, sucht der eine hier oder da nach einer Geschichte, aber ich glaube, so, wie das die letzten Jahre gelaufen ist und jetzt läuft, bin ich sehr zufrieden damit."

Sebastian Vettel

Sebastian Vettel wurde für die "Straße der Sieger" in Beton verewigt Zoom

"Es ist nicht immer ganz einfach, das den Leuten zu erklären, aber man muss irgendwo auch für sich den Strich ziehen, wo man sagt: Bis hierhin und nicht weiter - das ist privat, meine Sache. Das den Leuten beizubringen und dass sie es auch respektieren, ist nicht immer ganz einfach, aber bis jetzt sind wir da sehr konsequent geblieben und das klappt hervorragend."

Frage: "Aber mit steigendem Erfolg wird es doch immer schwieriger, Privatsphäre für sich zu behalten, oder?"
Vettel: "Es kommt auch ein bisschen auf die Art Mensch an, die man ist; die Art, was für ein Bild man nach außen herausträgt. Ich versuche mich nicht zu verstellen - ich bin, wer ich bin. Für manche ist das schön, für andere nicht so sehr, aber das ist ganz normal. Man hat eben Leute, die man mag, und andere mag man nicht - da kann man auch keinem zu nahe gehen oder ein Urteil drüber fällen. Aber wie gesagt: Ich versuche, das so zu handlen, wie es für mich passt, und bis jetzt hat das sehr gut geklappt. Die Leute haben das auch immer respektiert."

Großes Lob von Ex-Senna-Ingenieur

Frage: "Giorgio Ascanelli ist Technischer Direktor bei Toro Rosso, wo du gefahren bist. Er hat bei Benetton mit Michael Schumacher gearbeitet, bei McLaren mit Ayrton Senna. Er sagt, du stehst eine Stufe über Michael Schumacher, hebt dich auf die gleiche Stufe mit Ayrton Senna. Siehst du dich auch schon in solchen Sphären?"
Vettel: "Naja... Er kann das besser beurteilen als ich. Ich komme mit Giorgio sehr gut aus. Die Zeit damals bei Toro Rosso hat sehr viel Spaß gemacht und er ist jemand, von dem ich sehr viel lernen konnte. Mich mit irgendwelchen Fahrern zu vergleichen, ist immer schwierig. Wenn man über sich selbst reden soll, fällt einem das immer schwer, deswegen sollen das die anderen machen."

"Ich glaube, das täuscht. Es ist sehr eng." Sebastian Vettel

Frage: "Weiter geht's am kommenden Wochenende in Barcelona. Wer soll Red Bull auf dieser aerodynamisch anspruchsvollen Strecke überhaupt in Bedrängnis bringen?"
Vettel: "Ich glaube, das täuscht. Es ist sehr eng. Es gibt natürlich Strecken, wo wir vielleicht einen kleinen Vorteil haben, aber es gab auch schon Abschnitte dieses Jahr, wo es sehr, sehr eng war, zum Beispiel mit McLaren in Malaysia. Es wird also nicht einfach."

"Wir müssen schauen, dass wir genauso weitermachen wie bisher. Das heißt: Wenn wir nach Barcelona kommen, ist erstmal das Wichtigste, das erste Freie Training zu absolvieren, dann das zweite, dann das dritte, dann das Quali und dann erst das Rennen. Wirklich Schritt für Schritt die Dinge anzugehen und nicht zu weit vorgreifen, zu sagen: Okay, wir sind hier Chef im Ring und uns gilt es zu schlagen! Ich glaube, jeder ist schlagbar, so auch wir. Also müssen wir zusehen, dass wir hart an uns arbeiten, damit wir es dann ein weiteres Mal schaffen."

Frage: "Letzte Frage noch: Teilst du die Hoffnung, dass die Formel 1 irgendwann wieder hier in Spielberg fahren wird?"
Vettel: "Ja, das wäre cool, absolut!"

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