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Valtteri Bottas: Wie Pech seinen Formel-1-Titelkampf 2020 beeinträchtigt hat

Das Titelduell gegen Lewis Hamilton war für Valtteri Bottas geprägt von Pleiten, Pech und Pannen - Wir schlüsseln auf, welche Grands Prix ihm die Titelchance kosteten

(Motorsport-Total.com) - Dass sich Valtteri Bottas beim Grand Prix von Sachir ausgerechnet von Mercedes-Debütant George Russell düpieren lassen musste, war wohl der Negativhöhepunkt einer für den Finnen insgesamt enttäuschenden Formel-1-Saison 2020.

Valtteri Bottas

Valtteri Bottas hatte im Titelkampf gegen Lewis Hamilton erneut keine Chance Zoom

Zwar landete er als Achter am Ende noch eine Position vor Russell, doch das Rennen beider war durch unglückliche Umstände kompromittiert worden. Von diesen gab es im Falle von Bottas während der Saison eine ganze Reihe.

Obwohl sie vielleicht nicht genug waren, um das Blatt im Formel-1-Titelrennen gegen Lewis Hamilton zu wenden, rücken sie das Rennjahr des Vizeweltmeisters sicherlich in ein anderes Licht. Wo also ist für Bottas 2020 etwas schiefgelaufen? Und macht ihn das tatsächlich zum glücklosesten Fahrer dieser Formel-1-Saison?

Silverstone: Reifendefekt

Bottas kam zum britischen Grand Prix nach Silverstone und musste reagieren, nachdem Hamilton die beiden vorherigen Rennen von der Pole gewonnen hatte.

Doch ein frühes Safety-Car zwang Mercedes zu einem langen zweiten Stint, um die Einstoppstrategie umzusetzen. In der Folge wurden die Pirelli-Reifen auf der energiereichen Strecke von Silverstone bis an ihr absolutes Limit gebracht.

Bottas erlitt drei Runden vor Schluss einen Reifenschaden, der früh in der Runde auftrat und bedeutete, dass er eine Menge Zeit verlor, als er an die Box zurückschlich. Das hatte zur Folge, dass er das Rennen nur auf Platz elf beenden konnte.

Valtteri Bottas

Null Punkte: Ein Reifenschaden bremste Bottas in Silverstone aus Zoom

Hamiltons Reifenschaden ereignete sich in der Mitte der letzten Runde, sodass er die Ziellinie auf drei Rädern überqueren musste - und trotzdem das Rennen gewann. Damit machte er in der WM 25 Punkte auf seinen Teamkollegen Bottas gut.

Monza: "Phantom"-Reifenschaden

Ausrutscher von Hamilton sind in der Formel 1 selten, aber in Monza machte er einen seiner größten Fehler, als er in eine geschlossene Boxengasse einfuhr und sich eine Stop-and-Go-Strafe einhandelte, die ihn an das Ende des Feldes zurückwarf.

Es war die große Chance für Bottas, im Titelkampf zurückzuschlagen, doch der Finne hatte Mühe, daraus Kapital zu schlagen. Ein schlechter Start warf ihn in der Anfangsphase auf den sechsten Platz zurück, und auch nach einer roten Flagge und dem Neustart konnte er sich nicht wie erwartet durch das Feld kämpfen.

Bottas kam als Fünfter ins Ziel, nur zwei Plätze vor Hamilton, berichtete aber nach dem Rennen, sein Auto habe sich an einigen Stellen so schlecht verhalten, dass er dachte, er hätte einen Reifenschaden. Außerdem kämpfte er mit einer überhitzenden Power-Unit - traditionell einer der Schwachpunkte von Mercedes - was bedeutete, dass er keinen Druck auf die Autos vor ihm ausüben konnte.

Nürburgring: Ausfall der Power-Unit

Auf dem Nürburgring erhielten Bottas' Titelhoffnungen einen weiteren Dämpfer. Nachdem er die Pole erobert und Hamilton mit einem mutigen Manöver in Kurve 1 abgewehrt hatte, schien der Sieg für Bottas beim Eifel-Grand-Prix zum Greifen nah.

Doch ein Fehler ermöglichte es Hamilton, in Führung zu gehen, während Bottas seinen frühen Vorsprung verspielte, bevor ein virtuelles Safety-Car Max Verstappen die Chance eröffnete, ebenfalls in Führung zu gehen.

Jegliche Hoffnungen von Bottas, den Kampf mit Hamilton und Verstappen aufzunehmen, wurden ein paar Runden später zerstört, als er einen Leistungsverlust nach einem Defekt der MGU-H meldete und zur Rennaufgabe gezwungen wurde.


Ist Bottas der glückloseste F1-Fahrer 2020?

Obwohl Mercedes ein unglaubliches Jahr hatte und die Formel 1 erneut dominierte, erlebte Valtteri Bottas, der den zweiten Platz belegte, möglicherweise das glückloseste Jahr von allen Fahrern in der Startaufstellung. Viele Gründe waren dafür verantwortlich, dass Bottas' Chancen, Lewis Hamilton den Titelgewinn streitig zu machen, gering waren. Formel-1-Reporter Luke Smith wirft einen Blick zurück. Weitere Formel-1-Videos

Bottas sagte nach dem Rennen ein, dass er ein "Wunder" benötige, um Hamilton in der WM noch zu schlagen - aber die Glücksgöttin war nicht gewillt, ihm den Gefallen zu tun.

Imola: Trümmerteile erwischt

Bei der Rückkehr der Formel 1 nach Imola sah es für Bottas zunächst gut aus. Der Finne sicherte sich seine zweite Pole-Position in drei Rennen, bevor er den Start meisterte und seine Führung behauptete. Als Hamilton hinter Verstappen auf den dritten Platz zurückfiel, keimte Hoffnung auf, Boden gutmachen zu können.

Aber selbst als die Karten scheinbar so fest zu Bottas' Gunsten lagen, warf ihn ein erneuter Zwischenfall zurück: Er fuhr über Trümmerteile von Sebastian Vettels Ferrari. Eine zerbrochene Endplatte von Vettels Auto blieb in Bottas' Mercedes stecken und verursachte einen Schaden am Boden, der ihn bis zu einer Sekunde pro Runde kostete.

Das bedeutete, dass er sich nicht von Verstappen absetzen konnte. Hamilton wusste das für sich zu nutzen. Er fuhr einen längeren ersten Stint, wodurch er beide Autos überholen und Bottas einen weiteren Sieg wegschnappen konnte.

Türkei: Beschädigung

Der Grand Prix der Türkei war der Tiefpunkt von Bottas' Saison. Während Hamilton zum siebten Mal zum Weltmeister gekrönt wurde, kam Bottas als 14. über die Ziellinie, nachdem er von seinem Mercedes-Teamkollegen überrundet worden war.

Nasses Wetter und schlechte Grip-Verhältnisse machten es allen Fahrern schwer, aber Bottas hatte ein besonders qualvolles Rennen. Er war gezwungen, sein Auto in Kurve 1 in einen Dreher zu schicken, um Esteban Ocon auszuweichen, der mit Daniel Ricciardo kollidiert war. Acht Kurven später versuchte Bottas dann, auf der Innenseite an Ocon vorbeizugehen, doch es kam zur Berührung.

Valtteri Bottas

In der Saison 2020 wurde Bottas des Öfteren zum Opfer höherer Gewalt Zoom

Durch den Zusammenstoß wurde Bottas' Auto beschädigt, was ihn für den Rest des Rennens beeinträchtigte, da seine Lenkung nicht mehr mittig war. Insgesamt drehte sich er im Rennen sechsmal und beendete seine Titelhoffnungen damit endgültig.

Bahrain: Reifenpanne

Wenn Bottas dachte, dass der fehlende Druck im Titelkampf sein Glück in Bahrain begünstigen würde, dann irrte er sich gewaltig. Nach einem schlechten Start fiel er zurück und war Sechster, als das Rennen mit einer roten Flagge abgebrochen und hinter dem Safety-Car schließlich offiziell wiederaufgenommen wurde.

Doch dann fing sich Bottas einen Reifenschaden ein, der ihn zwang, an die Box zu fahren und auf eine Dreistoppstrategie umzustellen. Obwohl er sich bis auf den achten Platz zurückkämpfen konnte, war es ein weiteres verkorkstes Wochenende.

In den letzten Runden half dem Mercedes-Piloten nicht einmal sein Reifenvorteil, als er auf Pierre Gasly auflief, der nur einen Stopp eingelegt hatte. Drei Runden vor Schluss kam das Safety-Car und beendete das Rennen quasi vorzeitig.

Pre-Sachir: Hamilton positiv getestet

Eine der größten Herausforderungen, die die Fahrer in dieser Saison zu bewältigen hatten, war es, extrem vorsichtig zu sein, um sich keine Corona-Infektion einzufangen. Denn sie wussten, dass ein oder zwei verpasste Rennen ihre Saison ruinieren könnten - besonders wenn man um die Meisterschaft kämpfen wollte.


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Lewis Hamilton mag laut Toto Wolff wie ein "Einsiedler" gelebt haben, aber das hat ihn nicht davor bewahrt, sich vor dem Grand Prix von Sachir mit COVID-19 zu infizieren. Nachdem er leichte Symptome gemeldet hatte, wurde Hamilton positiv getestet, was ihn vom zweiten Rennwochenende in Bahrain ausschloss.

Die Ironie an der Sache war, dass Hamilton zum ersten Mal seit seinem Formel-1-Debüt Anfang 2007 ein Rennen verpasste - und das, als die WM bereits entschieden war. Aber selbst wenn das Titelrennen noch am Leben gewesen wäre, hätte das angesichts von Hamiltons großem Punktepolster nicht viel geändert.

Sachir: Boxenstopp-Patzer

Hamiltons Ersatzmann Russell mag die meisten Beileidsbekundungen erhalten haben, nachdem er in Bahrain nicht nur einmal, sondern gleich zweimal um seinen ersten Formel-1-Sieg gebracht worden war - aber auch Bottas hatte massiv gelitten.

Nachdem er im ersten Stint von Russell abgehängt worden war, gelang es Bottas nach dem Wechsel auf die harten Reifen, seinen temporären Teamkollegen einzuholen und den Rückstand von acht auf fünf Sekunden zu verringern.

Doch als das Safety-Car ausgerufen wurde und Mercedes versuchte, seine Autos in der Box doppelt abzufertigen, war das Rennen ruiniert. Man hatte jene Vorderreifen, die eigentlich für Bottas bestimmt waren, aus Versehen an Russells Auto montiert, der sich bereits wieder auf der Strecke befand, als Bottas zum Service kam.

Das bedeutete, dass Mercedes keine andere Wahl hatte, als Bottas' Auto mit seinen vorhandenen harten Reifen erneut zu bestücken. Obwohl diese nicht älter waren als der Reifensatz des späteren Rennsiegers Sergio Perez, wurde durch den fast 30-sekündigen Stillstand die gesamte Temperatur aus den Reifen genommen.

Valtteri Bottas, George Russell

Russell setzte Bottas aus der Strecke gleich mehrfach unter Druck Zoom

So beeindruckend Russells späteres Überholmanöver an Bottas war, so einfach war es angesichts der kalten Reifentemperaturen, mit denen der Finne zu kämpfen hatte, was auch seinen Rückfall durch das Feld auf Platz acht erklärt.

"Soll ich weinen oder soll ich lachen?"

Es war ein hartes Jahr für Bottas, der im Titelkampf wieder einmal gegen seinen Teamkollegen verlor. Und obwohl es unwahrscheinlich ist, dass eine Umkehrung seines Pechs ausreichen würde, um die Meisterschaft zu seinen Gunsten zu entscheiden, ergibt sich dadurch sicherlich eine fairere Reflektion seiner Leistungen in diesem Jahr.

"Wenn ich eine Liste mit all den unglücklichen Ereignissen machen würde, die in diesem Jahr in den Rennen passiert sind, wäre es eine ziemlich lange Liste", sagte Bottas nach dem Reifenschaden in Bahrain. "Soll ich weinen oder soll ich lachen?"

"Ich würde lieber lachen. Bei einigen dieser Dinge kann man offensichtlich nichts machen und ich bin kein abergläubischer Typ. Es passiert einfach manchmal. Man kann eine Pechsträhne haben, und das kann viele Jahre oder einen kurzen Moment dauern. Ich hoffe, dass sich die Dinge irgendwann ausgleichen. Das wäre schön."

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