powered by Motorsport.com
  • 09.06.2007 · 12:51

  • von Fabian Hust

Toyota hat einen Knacks weg

Wenn es nicht läuft, dann läuft es meist gar nicht. Toyota ist nicht nur zu langsam, nun kämpft man auch noch mit einer labilen Aufhängung

(Motorsport-Total.com) - Zweimal kollabierte bei Jarno Trulli im 2. Freien Training vorne rechts die Radaufhängung. Der Italiener räubert in Kurve 8 mit Tempo 120 heftiger über die Randsteine als Teamkollege Ralf Schumacher, weswegen das Problem beim Deutschen nicht auftrat. An dieser Stelle lasten rund drei Tonnen auf das Material.

Jarno Trulli

Trulli humpelte zweimal mit demolierter Vorderradaufhängung um den Kurs

Unabhängig davon sollte die Aufhängung der Belastung aber locker standhalten, so wie das bei anderen Autos der Fall ist. Aus diesem Grund brüten die Japaner an der Strecke und zu Hause in Köln über dem Problem. Kann man keinen Materialdefekt oder Fehler beim Zusammenbau erkennen, muss gehandelt werden. Das Problem: Einen Materialdefekt kann man nurdurch eine metallurgische Untersuchung in Köln feststellen.#w1#

Vasselon wundert sich über das Problem

Nach zwei Brüchen am Anlenkpunkt des unteren Querlenkers musste auch Ralf Schumacher an der Box stehen bleiben - aus Sicherheitsgründen. Weil Trulli direkter über den Randstein fährt, treten beim Italiener andere Belastungen auf als bei Schumacher, erklärt Pascal Vasselon, Technischer Direktor des Teams: "Das darf aber kein Grund sein, warum sie bricht", so der Franzose gegenüber 'auto, motor und sport'. "Der Radträger des aktuellen Autos ist dem vom Vorjahr ziemlich ähnlich." Und mit diesem Bauteil hatte man nie Probleme.

Kein geringes Problem

Kann Toyota das Problem bis Samstag in den Griff bekommen? "Wenn das wirklich ein Versagen der Aufhängung war, dann denke ich, ist das sehr, sehr schwierig", so Willy Rampf, Technischer Direktor des BMW Sauber F1 Teams über das Problem der Kollegen. "Es gibt sehr wenige Möglichkeiten, das an der Strecke zu modifizieren. Man könnte es verstärken, aber ich denke, dass dies alles ist, was man an der Strecke machen kann."

Jarno Trulli machte sich nach dem Freien Training so seine Gedanken, denn dass eine Aufhängung einmal kollabiert, kann immer passieren - es kann ja bei der Herstellung etwas schief gehen. Dass es aber ein zweites Mal passiert, könnte damit zusammenhängen, dass die Konstruktion fehlerhaft oder zu schwach ausgelegt ist. Somit kann das Problem immer wieder auftreten, was natürlich in Frage stellt, ob der Fahrer dann noch Vertrauen in sein Auto hat.

Mit Aufhängungen und Flügeln ist nicht zu spaßen

"Wenn man mit Dingen wie Flügeln oder Aufhängungen Probleme hat, dann kann das sehr schwierig sein", so Pat Symonds, Chefingenieur bei Renault. "Die meisten anderen Dinge kann man gegen eine Ausbesserung austauschen, aber wir wissen nicht genau, was da schief gegangen ist." Vor einigen Jahren musste sich das Sauber-Team aus dem Großen Preis von Brasilien zurückziehen, weil der Heckflügel der "Rüttelpiste" nicht gewachsen war und kollabierte.

Als "sehr ernst" stuft Jacky Eeckelaert von Honda das Problem ein, das die japanischen Kollegen in Montréal haben: "Man kann schlecht neu designen oder verstärken, muss man die Teile doch testen. Wir wissen aber natürlich nicht, was passiert ist. Vielleicht hat er in der Runde davor oder ein paar Kurven zuvor die Mauer getroffen und sie dadurch einer größeren Belastung ausgesetzt, als sie ausgelegt ist. Dann geht das Teil kaputt, wenn man das nächste Mal über einen Randstein fährt."

Montréal ist eigentlich nur ein "Bremsen-Killer"

Es gibt Strecken, die belasten die Aufhängungen extrem, wie zum Beispiel Monza, wo man in den Schikanen extrem über die Randsteine räubert und natürlich Monte Carlo, wo jederzeit eine Berührung mit den Leitplanken drin ist. Montréal ist diesbezüglich ein durchschnittlicher Kurs: "Das höchste Risiko ist wirklich das Berühren der Mauer, weil man nicht weiß, wie die Belastung die Aufhängung belastet", so Rampf, dessen beiden Fahrer am Freitag einen Mauerkontakt hatten. "Das ist hier das größte Risiko."

Exotische Materialien und ihre Tücken

Toyota verwendet für seine Aufhängungsteile faserverstärktes Metall (MMC), einen extrem teuren Werkstoff, der die Kosten für einen Radträger auf astronomische 10.000 Euro schnellen lässt. Rampf bezeichnet MMC als "tückisch", weil es zwar extrem steif ist, aber eine Vorschädigung im Gegensatz zu Aluminium nicht erkannt werden kann. Die Teile kollabieren damit ohne Vorwarnung.

Das Williams-Team, das ebenfalls mit Toyota-Motoren fährt und derzeit vor dem Partnerteam liegt, macht einen Bogen um das exotische Material, baut stattdessen auf Altbewährtes, wie Sam Michael erklärt: "Aluminium ist ein bisschen schwerer, aber wesentlich weniger heikel."

Toyota dürfte die Autos kaum zurückziehen

Ralf Schumacher zeigte sich nach dem Training übrigens deutlich weniger besorgt als Teamkollege Jarno Trulli, der sein Team schon nach dem ersten Bruch über Funk aufgefordert hatte, Schumacher nicht auf die Strecke zu schicken. Der Deutsche ist der Überzeugung, dass man das Rennen ohne Probleme zu Ende fahren kann. Möglicherweise wird man einfach auf eine ältere Variante zurückrüsten.