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  • 12.10.2016 · 11:37

  • von Dominik Sharaf

Toto Wolff und Niki Lauda: So raufte sich das Duo zusammen

Der eine unpünktlich und ein Langschläfer, der andere hält es mit Disziplin sowie der Zuckerbrot-und-Peitsche-Taktik: Wolff und Lauda mussten sich erst finden

(Motorsport-Total.com) - Sie sind mit Mercedes in der Formel 1 erfolgreich, doch in der Vergangenheit rankten sich Gerüchte um das Verhältnis zwischen Niki Lauda und Toto Wolff. Der Team-Aufsichtsrat und der Sportchef können darüber lachen, denn zwischen ihnen sei alles in Butter, versichern sie im Gespräch mit 'Sky'. Der Weg zur österreichisch-österreichischen Männerfreundschaft war aber kein einfacher und führte über manche Hürde. "Wir haben uns gut zusammengerauft", versichern die beiden unisono.

Niki Lauda, Toto Wolff

Niki Lauda und Toto Wolff können längst miteinander und übereinander lachen Zoom

23 Jahre Altersunterschied und eine andere Arbeitsmentalität sorgten nur am Anfang für Probleme. Beispiel Suzuka vor einigen Jahren, als Wolff in Laudas Privatflieger die Heimreise antreten wollte, sich zum verabredeten Zeitpunkt aber nicht blicken ließ. "Niki ist bei einem Termin 15 Minuten früher dran. Ich bin eher auf der kreativen, zerstreuten Seite", sagt Wolff grinsend und insistiert, er er hätte lediglich zwei Minuten auf sich warten lassen. Lauda schäumte dennoch: "Die Kopfwäsche, die ich bekommen habe, hat sich angefühlt, als wäre ich eine halbe Stunde zu spät gewesen."

Auch der gemeinsame Sommerurlaub auf Sardinien entwickelte sich nicht so entspannt, wie es sich Wolff vorgestellt hatte. Obwohl er den Kollegen eingeladen hatte. "Er war etwas enttäuscht", meint Lauda. "Toto ist ein emotional positiver Mensch. Die Sonne geht auf und es ist alles so schön." Für den Workaholic jedoch begann der Morgen unter der Sonne Italiens mit einem Strategiemeeting, für das er Wolff auf dem Handy anklingelte und aus den Träumen riss. "Er fragte: 'Wo bist du? Ich sitze im Café.' Ich antworte: 'Ich liege im Bett!'", erinnert sich der Sportchef an den Lauda-Wecker.


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"Er hat nicht damit gerechnet, dass der Sommer- auch ein Arbeitsurlaub wird", sagt Lauda. Wolff hat verstanden: "Niki meint: 'Wer früher beginnt, wird früher fertig.'" Diese Unterschiede scheinen die gemeinsame Arbeit bei den Silberpfeilen jedoch zu befruchten. Denn auf der anderen Seite schafft es Wolff mit unkonventionellen Ansätzen und modernem Managementstil, für Produktivität zu sorgen. Zum Japan-Grand-Prix beispielsweise lässt er immer einen Container mit eigenen Kopfkissen der Mechaniker verschiffen, weil es sich auf denen in den Hotels so schlecht schläft.

Toto Wolff erkennt: "Es gibt viele Unterschiede. Da nerve ich Niki wieder. Es ist nicht immer nur Zuckerbrot und Peitsche." So sehr sich die beiden philosophisch unterscheiden, so gut kommen sie damit klar. "Es gibt überhaupt kein Problem", unterstreichen sie. Wolff glaubt an ein positives Verhältnis über die Formel 1 hinaus: "Niki sagt, er hätte keine Freunde. Wenn es so ist, dann komme ich nahe dran." Ergo hat das Duo Interesse daran, ihre auslaufenden Mercedes-Verträge zu verlängern. "Wenn ich gefragt werde, sage ich Ja", bekennt Lauda.