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Tost: "Die Formel 1 wird immer teuer bleiben"

Im kommenden Jahr kommen auf die Teams durch das neue Motorenreglement höhere Kosten zu - Die Teamchefs machen sich Sorgen

(Motorsport-Total.com) - Die Kosten sind in der Formel 1 ein wichtiges, aber heikles Thema. Speziell mit Blick auf die kommende Saison werden die Ausgaben steigen, denn die neuen Antriebseinheiten kosten viel Geld. Es müssen auch neue Chassis-Konzepte entwickelt werden. Dazu wurden wieder einige Testfahrten während der Saison eingeführt. Die Teams müssen mehr Geld auftreiben, was bei der derzeitigen Weltwirtschaft ein schwieriges Unterfangen ist. Die Schere zwischen den großen und den kleinen Teams könnte immer weiter auseinandergehen.

Sebastian Vettel

Die Formel 1 verschlingt pro Jahr unzählige Millionen Euro Zoom

Das Beispiel Sauber zeigte in den vergangenen Wochen, wie schwierig die Situation für einige Teams geworden ist. "Es gibt keine Kostenersparnis in der Formel 1", sagt Toro-Rosso-Teamchef Franz Tost klipp und klar. "Wir wissen alle, dass die Formel 1 teuer ist. Im kommenden Jahr werden die Kosten durch die Reglementänderung um 15 bis 20 Millionen steigen. Das ist die Realität. Das ist auch der Grund, warum wir ein größeres Einkommen haben, je mehr Rennen wir fahren."

"Deshalb müssen wir ein gutes Entertainment bieten, damit das Interesse an der Formel 1 groß ist. Wir müssen die gesamte Welt bereisen und verschiedene Länder besuchen, die für unsere Sponsoren wichtig sind. Deshalb glaube ich, dass es nie eine wirkliche Kostenersparnis geben wird. Wir sprechen ständig darüber. Die Formel 1 war schon immer teuer und sie wird auch immer teuer bleiben."


Fotos: Großer Preis von Ungarn, Freitag


Tost ist bei Toro Rosso in einer glücklichen Lage, denn die Rechnungen werden von Red-Bull-Milliardär Dietrich Mateschitz bezahlt. Anders ist die Situation bei Williams. Teamchefin Claire Williams muss für das Privatteam Sponsoren an Land ziehen. "Die Kostenkontrolle ist der wichtigste Punkt. Im kommenden Jahr werden die Kosten für die Motoren steigen. Für ein Team wie Williams ist das immer schwierig, aber wir haben immer das Budget gefunden."

Franz Tost

Toro-Rosso-Teamchef Franz Tost glaubt nicht an eine drastische Kostensenkung Zoom

"Unsere Kosten waren in den vergangenen Jahren relativ stabil, aber im kommenden Jahr werden sie steigen. Es liegt in unserer Verantwortung, dass wir ein Budget finden, damit wir auf einem konkurrenzfähigen Level Rennsport betreiben können." Das gestaltet sich nicht einfach. Im kommenden Jahr fährt Williams mit Mercedes-Motoren und muss deutlich höhere Rechnungen begleichen, als es derzeit für den Renault-V8 der Fall ist. "Es ist meine Aufgabe, Geld für das Team aufzutreiben."

"Deshalb mache ich mir immer Sorgen, wenn die Kosten steigen. Der Sport ist teuer. Wir müssen auch die normale Welt im Auge behalten. Ich mache mir die größten Sorgen über die Budgetunterschiede der einzelnen Teams. Wenn man ein ausgeglichenes Feld haben will, dann muss es eine Kostenkontrolle geben, damit es eine faire Arbeitsplattform gibt, und nicht wie jetzt, dass ein Team mit 50 Millionen gegen ein Team mit 250 Millionen fährt. Das ist meiner Meinung nach das größte Problem derzeit."

Kleine Teams haben Mühe

Das Weltmeisterteam Red Bull operiert mit einem Jahresbudget von 370 Millionen Euro. Dagegen müssen Marussia und Caterham mit 25 beziehungsweise 40 Millionen Euro pro Jahr auskommen. "Unsere Kosten sind in jedem Jahr gestiegen. Das liegt aber daran, dass wir ein junges Team sind, das einen Expansionsplan hat", sagt Marussia-Teamchef John Booth. "Das ist der Hauptgrund für unsere Steigerung der Kosten. Ich sehe es wie Claire. Mit einem Team, das ein Budget von mehr als 200 Millionen hat, wird der Sport nicht attraktiver. Wir müssen die Kosten unter Kontrolle halten."

John Booth, Cyril Abiteboul, Toto Wolff, Claire Williams, Franz Tost

Nur zwei dieser fünf Teamchefs können sich auf ein gesichertes Budget verlassen Zoom

Mercedes setzt nicht nur ein eigenes Werksteam ein, sondern entwickelt auch Triebwerke und die neuen Energierückgewinnungs-Systeme, die im kommenden Jahr anders aussehen werden als das aktuelle KERS. Die Formel 1 ist für den deutschen Hersteller ein Prestigeprojekt, das aber auch teuer ist. "Wir dürfen nicht unsere Augen vor der realen Welt verschließen. Derzeit ist es sehr hart. Auf der einen Seite wollen wir konkurrenzfähig sein und auf der Strecke Erfolge haben."

"Deshalb sind wir hier", so Toto Wolff, der Geschäftsführende Direktor des Mercedes-Werksteams. "Auf der anderen Seite gibt es die ökonomische Realität. Uns geht es darum, so effizient wie möglich zu sein. Wir wollen nicht Geld ausgeben, wo es nicht nötig ist. Trotzdem müssen wir konkurrenzfähig sein. Franz hat es klar und direkt gesagt."

2014 explodieren die Kosten

"Im nächsten Jahr tritt das neue Reglement in Kraft. Wir müssen sehr sorgfältig Entscheidungen treffen, denn wir dürfen die Kosten nicht explodieren lassen. Das ist für uns sehr wichtig. Zudem ist es derzeit sehr schwierig, wie Claire gesagt hat, Geld zu finden. Es wird im Moment aber etwas besser. Wir dürfen nicht vergessen, dass die Formel 1 die Nummer-1-Sportplattform der Welt ist. Wir werden immer internationaler. Ich bin optimistisch", meint der Österreicher diesbezüglich.

Cyril Abiteboul

Caterham-Teamchef Cyril Abiteboul streicht die Bedeutung der Effizienz hervor Zoom

Caterham-Teamchef Cyril Abiteboul mahnt die Formel 1, den gesunden Menschenverstand einzusetzen: "Es liegt an der Natur der Sache, dass jeder das ausgeben wird, was er kann. Ich glaube, es ist schwierig die Kosten zu limitieren. Ich glaube, die Formel 1 hat bezüglich der Kosten gut gearbeitet, als die Motorenkosten limitiert wurden. Es wurde damals auch die Anzahl der Motoren pro Saison eingeschränkt. Man hat dadurch ein ausgeglicheneres Feld auf der Strecke geschaffen, und nicht so sehr den Fokus auf die Fabriken gelegt."

Das lockte unter anderem auch neue Teams in die Formel 1. Abiteboul steht wie Booth vor der schwierigen Aufgabe, das Überleben seines kleinen Rennstalls abzusichern. "Ich mache mir über die Kosten nicht so große Sorgen, sondern denke an die Performance. Beides beeinflusst sich gegenseitig. Wir müssen sichergehen, dass die Formel 1 im Ganzen funktioniert. Wir dürfen nicht über unseren Standards leben und dürfen nicht - wie in einem normalen Haushalt auch - mehr Geld ausgeben als wir haben."

"Es gibt einige Studien, die zeigen, dass wir im Vergleich zu anderen Sportarten, wie der NBA, wo die Kosten nicht so hoch sind, Probleme haben. Wir sind ein extrem technischer Sport und sind von Innovationen getrieben. Ich weiß nicht, wie viele Komposite-Teile in einem Jahr hergestellt werden. Vielleicht müssen wir die Effizienz in den Vordergrund stellen und nicht die Performance. Das ist derzeit aber nicht der Fall."

"Solange die Autos in der Startaufstellung stehen, ist das die Realität der Formel 1." Franz Tost

Auch in den kommenden Monaten wird die Diskussion über die Kosten weitergehen. Es gehört zur Formel 1 dazu. "Solange die Autos in der Startaufstellung stehen, ist das die Realität der Formel 1", bringt es Tost nüchtern zum Ausdruck. "Wir sollten trotzdem darüber nachdenken, wie wir die Kosten senken können. Im kommenden Jahr ist die Antriebseinheit viel teurer als derzeit."

"Zudem wird es wieder Testfahrten geben, was alles noch teurer macht. Das bedeutet, dass wir in unterschiedliche Richtungen diskutieren. Die effizienteste Kostensenkungsmaßnahme war 2009 und 2010, als wir die Testfahrten unterbunden haben. Die Motorenentwicklung wurde eingefroren, wodurch die Motorkosten sanken. In den vergangenen Jahren war alles relativ stabil. Ich mache mir für die Kosten im kommenden Jahr Sorgen, weil ich das Gefühl habe, dass sie aus dem Ruder geraten."

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