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Concorde-Agreement: Warum Ecclestone auf die Bremse steigt

Das nicht fixierte Concorde-Agreement wird zunehmend zum politischen Druckmittel: Wie Ecclestone damit Todts Wahlkampf gefährdet und wer diesen stürzen könnte

(Motorsport-Total.com) - Die Formel 1 ist derzeit ein Pulverfass. Der Druck wird für alle Beteiligten immer größer: Die Teams kämpfen wegen der schwierigen wirtschaftlichen Situation und der immer näher rückenden Reglement-Revolution mit den teuren Turbomotoren ums Überleben - Sauber ging in diesem Kampf bereits die Luft aus, und man ist nun auf russische Investoren angewiesen. Man wird sehen, wie nachhaltig diese Lösung ist.

Bernie Ecclestone, Jean Todt

Was bringt die Zukunft? Ecclestone und Todt stehen aufregende Monate bevor Zoom

Doch auch andere Teams könnten bald in einer ähnlichen Situation sein, zumal das von Formel-1-Boss Bernie Ecclestone mit den Teams ausgehandelte Commercial-Agreement eine Zweiklassen-Gesellschaft vorsieht. Die Teams Ferrari, Red Bull, McLaren, Mercedes, Lotus und Williams erhalten deutlich mehr aus dem Einnahmentopf der Formel 1 als der Rest.

Möglicherweise plant Ecclestone nach wie vor, sein Modell aus A- und B-Teams durchzusetzen. Demnach würden die verbleibenden Rennställe von den A-Teams Kundenautos beziehen und könnten mit geringeren Budgets über die Runden kommen.

FIA-Wahlkampf: Ecclestone drängt Todt ins Eck

Doch nicht nur bei den Teams, die immerhin schon einen Vertrag mit Ecclestone haben, herrscht derzeit Hochspannung. Denn es gibt gute Gründe, warum das Concorde-Agreement noch nicht unter Dach und Fach ist: Der Formel-1-Zampano verzögert den Abschluss laut 'auto motor und sport' absichtlich, um FIA-Boss Jean Todt unter Druck zu setzen.

Für den bei den Teams unbeliebten Franzosen, der sich seit langem in einem Machtkampf mit Ecclestone befindet, wird die Luft immer dünner, schließlich steht der Wahlkampf um eine weitere Amtsperiode als FIA-Präsident vor der Tür. Dort will Todt, der sich vor allem Sicherheitsprojekten im Straßenverkehr verschrieben hat, Reformen vorweisen können - doch die kosten Geld. Das Geld will er in der Formel 1 verdienen, wo die Teams - gestaffelt nach Erfolgen - deutlich mehr Gebühren an die FIA zahlen sollen.

Ex-Mosley-Mann als Gegenkandidat?

Bei den Verhandlungen für das Concorde-Agreement schlug Todt daher einen Kuhhandel vor: Die Teams werden zur Kasse gebeten, dafür mischt sich die FIA ganz nach dem Wunsch der reichen Teams nicht mehr in die Kostendiskussion ein. Eine Gratwanderung, die für einige Teams wegen der angespannten Finanzlage böse Folgen haben könnte.

"Ich hatte es eigentlich nicht vor, aber ich denke auf jeden Fall über eine Kandidatur nach." David Ward

Doch solange das Concorde-Agreement nicht fixiert ist, muss Todt auf die Gelder aus der Formel 1 warten - das könnte seinen Wahlkampf entscheidend beeinträchtigen. Zumal es mit dem Briten David Ward bereits einen möglichen Herausforderer für die Wahl Ende des Jahres gibt. Der 56-Jährige fungierte als rechte Hand von Ex-FIA-Boss Max Mosley und gilt als Vollprofi auf dem politischen Parkett - zudem verfügt er über eine breite Front an Unterstützern aus der Formel-1-und aus der Motorsport-Szene, die sich seine Kandidatur gegen Todt wünschen würden.

"Ich hatte es eigentlich nicht vor, aber ich denke auf jeden Fall über eine Kandidatur nach", deutet Ward gegenüber der 'Times' ein mögliches Duell gegen Todt an. "Es ist wichtig, dass es eine Debatte gibt", erklärt er seine Beweggründe. "Und eine Debatte kann es nur geben, wenn man bei den Kandidaten die Wahl hat - wenn es keine Auswahl gibt, dann gibt es keine Debatte."

Will Ecclestone Börsengang verzögern?

Doch es gibt auch noch einen weiteren triftigen Grund, warum Ecclestone nicht gerade auf den Abschluss des Concorde-Agreements drängt: die Schmiergeld-Affäre um den Formel-1-Verkauf 2006 durch die Bayern Landesbank an Ecclestones bevorzugten Interessenten, das Private-Equity-Unternehmen CVC Capital Partners.

Sollte nämlich das Concorde-Agreement fixiert sein, dann könnte die Formel 1 wie schon längst geplant in Singapur an die Börse gehen - und dann wäre Ecclestone als von CVC eingesetzter Formel-1-Geschäftsführer höchstumstritten. Sollte das Münchner Landesgericht tatsächlich die Klage der Staatsanwaltschaft bestätigen, dann müsste sich Ecclestone tatsächlich vor Gericht gegen den Vorwurf verantworten, mit Ex-BayernLB-Risikovorstand Gerhard Gribkowsky einen Beamten mit 44 Millionen Dollar bestochen zu haben.

Und da er dann ein potenzieller Straftäter wäre, wäre dies in Hinblick auf einen Börsengang ein enormes Risiko, das CVC mit Sicherheit vermeiden will. Zudem wäre Konzernen wie Daimler in Hinblick auf eine Zusammenarbeit mit Ecclestone wegen der strengen Compliance-Regeln strenge Grenzen gesetzt.

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