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Theissen und Berger über Vettel: Schon mit 15 ein Vollprofi

Sebastian Vettels Förderer Mario Theissen und Gerhard Berger verraten, wie professionell aber auch emotional der Ferrari-Star schon in jungen Jahren war

(Motorsport-Total.com) - Lewis Hamilton mag vielleicht das größte Naturtalent sein, aber was die Arbeitseinstellung angeht, machen nicht viele Sebastian Vettel etwas vor. Damit beeindruckte der 31-jährige Ferrari-Pilot übrigens schon vor seiner Zeit in der Formel 1. "Ich habe heute noch Protokolle von ihm aus seiner Formel-BMW-Zeit, wie man sie nie von irgendeinem anderen Fahrer sehen würde", offenbart der ehemalige BMW-Motorsportchef Mario Theissen, der Vettel seit seinen Anfängen im Formelsport kennt, gegenüber 'Formula1.com.

Sebastian Vettel, Mario Theissen

Mario Theissen kennt Sebastian Vettel seit dem Beginn von dessen Formelkarriere Zoom

Vettel machte damals stets Notizen und nutzte die gewonnenen Erfahrungen beim nächsten Rennen, wie Theissen erzählt: "Wenn er an eine Strecke zurückkehrte, hatte er immer seine Notizen vom letzten Rennen dabei." Er war sehr diszipliniert und bereitete sich sehr gut vor."

Dafür hat der 66-Jährige noch ein weiteres Beispiel parat: "Wenn das Formel-BMW-Training um 8 Uhr morgen begann, stand er bereits vier Stunden früher auf, trainierte im Fitnessraum und fuhr dann zur Strecke. Schon als 15-Jähriger verhielt er sich wie ein wahrer Formel-1-Profi."

Theissen: Professionalität auch durch Vorbild "Schumi"

Das führt Theissen auch auf Vettels Elternhaus zurück: "Er hat verstanden, dass er ohne die harte Arbeit nichts erreichen würde, da seine Eltern keine Rennkarriere finanzieren konnten." Aber auch Michael Schumacher, der ebenfalls als harter Arbeiter bekannt war, habe als Vorbild gedient: "Durch Michael hat er verstanden, dass man nicht nur durch das Fahren zu einem erfolgreichen Fahrer wird."

Gerhard Berger, Sebastian Vettel

Gerhard Berger verhalf Vettel 2008 in Monza zum ersten Grand-Prix-Sieg Zoom

Nicht nur Theissen war von Vettels Einstellung beeindruckt, sondern auch sein früherer BMW-Kollege Gerhard Berger, der Vettel 2007 als Toro-Rosso-Boss den ersten Vertrag als Formel-1-Einsatzfahrer bescherte. Damals benötigte der gerade mal 20-Jährige ein paar Rennen, ehe er sein wahres Potenzial zeigte.

Berger: Von Vettel "komplett ausgesaugt"

Die Arbeitshaltung stimmte allerdings von Anfang an, verrät Berger. "Vor Sebastian hatten wir mit Tonio Liuzzi und Scott Speed zwei Jungs im Team, deren Mimik einem zu verstehen gab: Worüber redest du da? Das galt vor allem für Scott Speed. Sie hatten keine Ahnung, was 210 Grands Prix Erfahrung wert sind und welche Erfahrungen man ihnen weitergeben kann", erinnert sich der Österreich im Podcast "Beyond the Grid".


Fotostrecke: Vor 10 Jahren: Vettel siegt in Monza

Vettels Kopf habe hingegen trotz seiner Jugend "wie der eines 30-Jährigen funktioniert. Er war ganz anders, saugte einen komplett aus und filterte das dann. Die wertvollen Sachen hat er sich gemerkt, die weniger wertvollen nicht. Und er hat das Rennen für Rennen umgesetzt. Der Junge war sehr reif, als er zu uns kam. Man hat gesehen, dass das Paket stimmt und aus ihm ein erfolgreicher Fahrer wird."

Berger verrät: Vettel war immer emotional

Während viele den Eindruck haben, dass Vettel erst seit seinem Wechsel zu Ferrari im Auto immer wieder von Emotionen übermannt wird, verrät Berger nun, dass das schon früher Teil seiner Persönlichkeit war. "Er war immer emotional. Und zwar auf seine Weise, auf eine deutsche Weise. Nicht wie ein Alesi", spielt Berger auf seinen früheren Ferrari- und Benetton-Teamkollegen Jean Alesi an, durch dessen Adern trotz seiner französischen Staatsbürgerschaft sizilianisches Blut fließt.

Laut Berger war Vettels Laune stets von Erfolgen und Misserfolgen gezeichnet. "Wenn es was zu holen gab, dann roch er den Erfolg und griff zu. Er hat immer einen Weg gefunden, das mitzunehmen. Und wenn er nicht erfolgreich war, dann hat man durch seine Körpersprache, seine Mimik, seinen Blick sofort gesehen, dass er unglücklich und launisch war. Er war immer leicht zu lesen."

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