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Strategiediskussion in Hockenheim: Vettel widerspricht Ferrari

Ferrari kann beim Grand Prix von Deutschland nicht über die Plätze fünf und sechs hinaus kommen - Sebastian Vettel entschuldigt sich für einen Strategie-Widerstand

(Motorsport-Total.com) - "Box, Sebastian. Box" - "Negativ". Der Funkaustausch zwischen Sebastian Vettel und seinem Team bleibt das einzige Highlight, was Ferrari beim Grand Prix von Deutschland setzten konnte. Vettel kam bei seinem Heimrennen am Ende 16,725 Sekunden hinter dem viertplatzierten Nico Rosberg ins Ziel. Kimi Räikkönen wurde dahinter Sechster. Nun muss die Scuderia in der Weltmeisterschaft hinter Red Bull in die Sommerpause gehen und hinterlässt den Eindruck, dass es nicht nur am Auto Unstimmigkeiten gibt.

Sebastian Vettel

Sebastian Vettel hat bei Ferraris Strategie ein Wörtchen mitzureden Zoom

"Es war mit Sicherheit ein schwieriges Rennen für uns", räumt Vettel ein. "Der Start und die erste Runden waren ganz interessant, aber ich konnte davon leider nicht profitieren. Danach war die Welt im ersten Stint eigentlich noch in Ordnung. Der Speed war nicht schlecht. Aber dann sind wir zurückgefallen und konnten einfach nicht mehr mitgehen."

Der viermalige Weltmeister hatte zumindest seinen Teamkollegen gleich zu Beginn einsacken, und somit einen Platz gutmachen können. Das Rennen um die Podiumspositionen fand aber zwischen Mercedes und Red Bull und ohne die Roten statt. Als es zu dem kuriosen Funkaustausch kam, lag Vettel in Runde 45 (von 67) bereits acht Sekunden hinter Verstappen, der zu dem Zeitpunkt auf Rang vier fuhr.

Das Team hatte dennoch das Gefühlt, den Teenager mit einem sogenannten "Undercut" einholen zu können. Vettel wollte sich hingegen auf das Ausreizen seiner Reifen konzentrieren. Vor Verstappen an die Box zu kommen, hätte ihm einen Vorteil von höchstens zwei Sekunden gebracht.


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Laut dem Heppenheimer begann die Diskussion über den Reifenwechsel schon Runden bevor das Gespräch für die TV-Zuschauer ausgestrahlt wurde. Hinterher erklärt er: "Wir haben uns hinten heraus schwer getan mit den Reifen. Auf dem Satz hatte ich ein einigermaßen gutes Gefühl und wollte noch zwei, drei Runden rausquetschen um auf Nummer sicherzugehen, dass der letzte Stint nicht zu lang wird. Und für den Undercut waren die vorne ein bisschen weit weg."

Über Funk hörte sich das allerdings etwas sarkastischer an. "Wir sind Meilen entfernt. Wen wollen wir damit kriegen", fragte Vettel seinen Renningenieur aus dem Auto heraus.

Sebastian Vettel, der Stratege

Es ist nicht das erste Mal, dass er seinem Team in Sachen Strategie widersprach. Zu Beginn der Saison war es des Öfteren zu strategischen Fehlern bei Ferrari gekommen, die ihnen in Melbourne und Barcelona beispielsweise sogar eine realistische Chance auf den Sieg nahmen. In Baku entschied sich Vettel dann, seinen Reifenwechsel selbst zu bestimmen. Schon damals hatte er das Gefühl, seine Reifen würden langer halten als vom Team berechnet und wurde damit Zweiter.

"Das muss ich auf meine Kappe nehmen." Sebastian Vettel

In Hockenheim versucht er die Situation nach dem Rennen aber zu entschärfen. "Es gibt nichts, was wir anzweifeln müssten", will Vettel einer Diskussion über Kommunikations-Schwierigkeiten im Team vorbeugen. "Die Leute an der Boxenmauer sehen natürlich viel mehr als ich im Auto. Deswegen war es vielleicht nicht ganz richtig, dass ich einfach draußen geblieben bin. Das muss ich auf meine Kappe nehmen."

Auch das Team zeigt sich nicht verärgert mit dem Verlauf der Strategie-Auseinandersetzung. "Es ist normal, dass wir diskutieren wie die Bedingungen auf der Strecke sind", so Teamchef Maurizio Arrivabene. "Der Fahrer kann uns zusätzliches Feedback zu unseren Informationen geben."

Sebastian Vettel

Nicht einmal zwischen den Teamkollegen wurde es bei Ferrari spannend Zoom

Räikkönen, der Vettel im Qualifying noch im Griff hatte, am Sonntag aber keine Anstalten machte, sich im teaminternen Duell aufzubäumen, beschreibt seinen Nachmittag als "ziemlich langweilig". Er verrät, dass man ursprünglich vorgehabt habe, mit zwei Reifenwechseln über die Runden zu kommen, die Reifen aber nicht so gut wie erwartet gehalten hätten. Das habe auch den Unterschied in der unerwartet schwachen Renn-Pace gemacht.

"Wir waren einfach nicht schnell genug", so der Finne. "Auf frischen Reifen schien es noch ganz gut zu laufen, aber sie bauten dann schnell ab. Es ist für keinen für uns ein tolles Gefühl, wo wir heute gelandet sind. So sieht es aber nun einmal im Moment aus. Platz sechs ist sicherlich nicht, was wir uns vorstellen."

Nachdem Red Bull auf den Plätzen zwei und drei 33, Ferrari in Hockenheim aber nur 18 Punkte holen konnte, sind die Blauen den Roten nun 14 WM-Zähler voraus. Erst in vier Wochen können die Italiener in Spa-Francorchamps versuchen, zurückzuschlagen. "Es ist natürlich enttäuschend, Zuhause nicht in der Lage sein zu können, aufs Podium zu fahren", so Vettel. "Alles in allem gibt es für uns noch viel zu tun. Die letzten Rennen waren ein wenig holprig. Aber ich glaube, dass der Speed im Auto steckt und es ist uns nur nicht gelungen, das Optimum herauszuholen."

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