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Stratege als Sündenbock? Für Technikchef in Ordnung

Das öffentliche Schuldeingeständnis von Mercedes-Stratege James Vowles in Österreich überraschte selbst Formel-1-Routinier Paddy Lowe von Williams

(Motorsport-Total.com) - "Hier ist James. Das war mein Fehler. Es tut mir leid." Mit diesen Worten machte sich Mercedes-Stratege James Vowles beim Grand Prix von Österreich am Red-Bull-Ring bei Spielberg selbst zum Sündenbock. Denn er hatte die Taktik von Lewis Hamilton ersonnen - und damit einen möglichen Sieg verspielt. Überstrahlt wurde diese Szene nur noch vom technisch bedingten Doppelausfall der Mercedes-Autos.

James Vowles

Mercedes-Stratege James Vowles lag in Spielberg daneben und entschuldigte sich Zoom

Und doch ist es gerade dieser Funkspruch an Hamilton (hier nachlesen!), der in Erinnerung bleibt. Williams-Technikchef Paddy Lowe, der früher selbst in leitender Funktion bei Mercedes tätig war, zeigt sich selbst heute noch beeindruckt: "Es war schon eine sehr öffentliche Demonstration, es während des Rennens über Funk zu verkünden. Das kommt nicht oft vor, meine ich. Doch auch ich würde frei heraus sagen, wenn etwas schiefgelaufen wäre. Allerdings nicht notwendigerweise in [aller Öffentlichkeit]."

Er sei "jederzeit" dazu bereit, seine Hand zu heben, und für seine Fehler geradezustehen, sagt Lowe weiter. Und er macht keinen Hehl daraus, dass gerade bei Williams zuletzt nicht alles nach Plan gelaufen sei. "Wenn ich das vergangene Jahr bei Williams bedenke, dann gibt es natürlich Dinge, die ich anders machen würde, wenn ich sie nochmals tun könnte", so der Brite. "Doch so ist das immer in der Rückschau, man nennt es Erfahrung. Wichtig ist nur, dass man als Team nach vorne schaut und stärker wird, dass du einen ehrlichen Umgang miteinander hast."

Mercedes jedenfalls stellte sich in Spielberg demonstrativ hinter Stratege Vowles: "Wir müssen da keine Veränderungen vornehmen", sagte Sportchef Toto Wolff unmittelbar nach dem Rennen. "Von größter Bedeutung ist, den Fehler zu verstehen. Man sieht sich die Situation noch einmal an und analysiert sie. Und ich glaube nicht, dass man einen Fehler zweimal macht."

"In meinen Augen", so Wolff weiter, "ist James einer der Besten überhaupt. Und es braucht schon ordentlich Mumm, sich am Funk zu melden und vor Millionen einen Fehler einzugestehen. Dass James das gemacht hat, unterstreicht unsere Einstellung: Bei uns kann man Fehler zugeben, um eine Sache abzuschließen. Und das Team steht dabei vollkommen hinter ihm. Es war unser Fehler. Indem man ihn zugibt, gerät man gar nicht erst in eine Spirale der Richtung hätte, wäre, wenn ..."

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