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Spanien 1996: Erinnerungen an "Schumis" Ferrari-Sternstunde

Im Platzregen von Barcelona gelingt Michael Schumacher sein erster Sieg mit Ferrari - Maurizio Arrivabene und die anderen Teamchefs schwärmen vom "Regenkönig"

(Motorsport-Total.com) - Probleme mit der Zuverlässigkeit, ein beträchtlicher Rückstand auf Mercedes und teaminterner Druck durch FIAT-Boss Sergio Marchionne, der mit seiner Anwesenheit in Barcelona seinen Angestellten um Teamchef Maurizio Arrivabene die Pistole auf die Brust setzt: Ferrari braucht beim Spanien-Grand-Prix an diesem Wochenende dringend einen Befreiungsschlag! Wohl nur ein Sieg könnte die düstere Stimmung bei der Scuderia nach dem enttäuschenden Saisonstart aufhellen und den beiden Piloten Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen noch eine realistische Chance geben, in den Kampf um die Fahrer-WM einzugreifen.

Michael Schumacher

Michael Schumacher zeigt in der Gischt von Barcelona 1996 seine Meisterklasse Zoom

Vielleicht hilft ein Blick in die Vergangenheit, am die angeknackste Moral der Italiener wieder aufzurichten. Vor 20 Jahren erlebten die Tifosi in Barcelona eine Ferrari-Sternstunde, als Michael Schumacher im sintflutartigen spanischen Regen sein erster von insgesamt 72 Siegen mit dem Cavallino Rampante gelang. Es war ein Rennen, an das sich bis heute viele Formel-1-Fans erinnern - die Geburtsstunde des "Regenkönigs" Schumacher, der zum Teil fast drei Sekunden schneller um den überfluteten Circuit de Catalunya fuhr, als die unmittelbare Konkurrenz.

Dabei war die Ausgangslage vor dem Rennen damals eigentlich viel schlimmer als heute: Der F310 der Italiener galt den Williams von Damon Hill und Jacques Villeneuve als hoffnungslos unterlegen und wurde von der deutschen Presse schon nach den ersten Rennen als "rote Gurke" verspottet. Auch Schumachers Entscheidung, nach zwei WM-Titeln mit Benetton zu der als Chaos-Truppe verschrienen Scuderia zu wechseln, wurde bereits offen angezweifelt. Nur der Rückhalt der deutschen Fans war noch ungebrochen: Rund 30.000 Landsleute pilgerten zum spanischen Grand Prix, um "Schumi" vor Ort die Daumen zu drücken.

Die Konkurrenz schwimmt, Schumacher "cruist"

Trotz des immer stärker werdenden Regens entscheidet sich die Rennleitung am 2. Juni 1996 für einen stehenden Start, dem gleich mal vier der 20 Autos im Feld zum Opfer fallen. Auch Schumacher wird von Startplatz drei zunächst auf Position sechs durchgereiht - doch dann beginnt eine bis heute unvergessene Performance. Der Deutsche lässt gleich in den Anfangsrunden sein ganzes Können aufblitzen, macht Druck, während die Konkurrenten vor ihm von der Strecke rutschen. Teamkollege Irvine und den späteren Weltmeister Hill kassiert der damals 27-Jährige als erstes, in Runde fünf geht er leicht und locker am Benetton von Gerhard Berger vorbei.


Fotostrecke: Michael Schumacher: Die Ferrari-Jahre

Nachdem auch Jean Alesi von der Strecke "schwimmt", hat Schumacher nur noch den Führenden Villeneuve vor sich. Nach zehn Runden ist es soweit: Scheinbar spielerisch lässt er den Kanadier in der Seat-Kurve stehen und "cruist" davon. Das Rennen ist entschieden. Am Ende hat "Schumi" 45 Sekunden Vorsprung auf den zweitplatzierten Alesi, seine schnellste Rennrunde ist 2,2 Sekunden schneller.

Arrivabene feiert Schumis ersten Sieg mit Wein

20 Jahre danach erinnern sich die Teamchefs der heutigen Formel 1 an den meisterhaften Auftritt des Deutschen. Force-India Co-Teamchef Robert Fernley bringt es auf den Punkt: "Ein großer Fahrer lässt ein unterlegenes Chassis oft sehr, sehr gut aussehen. Das hat Michael getan. Es war ziemlich erstaunlich." Auch der heutige Ferrari-Boss Arrivabene kann in der Pressekonferenz der Teamleiter noch einiges über den 2. Juni 1996 berichten. Er war damals für Hauptsponsor Marlboro tätig und live vor Ort. "Ich war an diesem Tag dabei und erinnere mich sehr gut an die Umarmung, die mir Michael nach dem Rennen gegeben hat und was wir aus dem Pokal getrunken haben."

Der erste Ferrari-Coup Schumachers wurde schließlich standesgemäß gefeiert. "Ich glaube, es war Wein oder so. Ich mag ihn nicht - obwohl ich Italiener bin, trinke ich keinen Wein! Es war also etwas seltsam für mich, aber definitiv sehr schön!" Schumacher sei ein bedeutender Teil der Geschichte Ferraris, schließt Arrivabene seine Ausführungen: "Er ist jeden Tag in unseren Herzen."

Eine Klasse für sich sei Schumacher damals in Barcelona gewesen, ergänzt Red-Bull-Teamchef Christian Horner, dem der Spanien-Grand-Prix 1996 ebenfalls noch gut präsent ist: "Ich habe es im Fernsehen gesehen. Ich war ein Williams-Fan zu dieser Zeit. Und David Coulthard und Damon Hill haben es beide versaut, während Michael an diesem Tag einen fantastischen Job im Regen machte - bei Bedingungen, die ziemlich übel waren. Das war ein gewaltiger Gleichmacher und er war in diesem Auto, das weit vom Niveau der Williams entfernt war, in seiner eigenen Klasse", schwärmt der Brite.

Mercedes-Boss Toto Wolff erinnert sich dagegen weniger an das Barcelona-Rennen an sich, als vielmehr an die "ruhmreichen Jahre", die Schumacher damals mit Ferrari prägte. "Er ist ein sehr großer Teil von Ferrari, genauso wie er ein großer Teil von Mercedes ist", so der Österreicher. Renault-Rennleiter Cyril Abiteboul hat zumindest eine originelle Ausrede, weshalb er nichts mehr von "Schumis" legendärem ersten Ferrari-Triumph weiß: "Ich habe zu der Zeit mein Examen gemacht", so der Franzose - der damit für Staunen bei Arrivabene sorgt, der stöhnt: "So alt bin ich also schon!" Vielleicht wirkt ja ein neuerlicher Ferrari-Triumph in Spanien am Sonntag wie ein Jungbrunnen...

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