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Soucek: "Pedro de la Rosa und ich brauchen Hilfe"

Soucek gibt Einblicke in seinen harten Cockpit-Kampf, richtet einen Appell an die spanische Wirtschaft und klagt über Paydriver, die den Markt zerstören

(Motorsport-Total.com) - Austro-Spanier Andy Soucek kämpft weiter um seinen Formel-1-Traum. Der 25-Jährige holte 2009 souverän den Titel in der Formel 2 und dockte dann bei Virgin als Ersatzpilot an. Nachdem er jedoch an den Freitagen nie zum Einsatz kam und das Testverbot weitere Einsätze verhinderte, kündigte er vorzeitig seinen Vertrag mit Sir Richard Bransons Rennstall und trat in der Superleague Formula an, wo er zwei Podestplätze einfuhr.

Pedro de la Rosa, Andy Soucek

Geteiltes Leid ist halbes Leid: Pedro de la Rosa und Andy Soucek

"Ich verhandle derzeit mit einigen Formel-1-Teams - bei einigen um ein Renncockpit, bei anderen um dritter Fahrer zu sein", schildert Soucek gegenüber 'As' die aktuelle Situation. "Ich habe nicht aufgehört zu suchen, seit ich Virgin verlassen habe. Ich hatte mit einigen Teams Gespräche, einige dauern immer noch an und werden intensiver." Um welche Teams es sich dabei handelt? Soucek gibt sich vorsichtig: "Namen zu nennen könnte zu Spannungen führen, solange nichts fixiert ist."

Vor allem, weil die Situation ohnehin schon angespannt ist. Selten in der Geschichte der Formel 1 war es für einen jungen Fahrer ohne Sponsorgelder so schwierig, in die "Königsklasse" aufzusteigen. Das bestätigte erst kürzlich Christian Klien in einem Interview, nun schlägt Soucek in die selbe Kerbe: "Als Fahrer benötigte man immer schon Sponsoren und Unterstützung, doch jetzt gibt es ein Problem: Durch die Kürzungen der Marketing- und Sponsorenbudgets in der Welt, gibt es nun Fahrer, die politisch unterstützt oder sogar von ihren Ländern unterstützt werden. Dadurch sind die Preise für ein Cockpit höher als normal."

Welche Piloten den Fahrermarkt zerstören

Um welche Piloten es sich dabei handelt, ist kein großes Geheimnis: Der Venezolaner Pastor Maldonado darf sich hervorragende Chancen bei Williams ausrechnen, obwohl Nico Hülkenberg in seiner Debütsaison für die erste Williams-Pole-Position seit Jahren gesorgt hatte. Doch Maldonado wird sogar von Staatschef Hugo Chavez unterstützt.

Ähnliches gilt für die russischen Piloten: Vitaly Petrov steht bei Renault trotz einer mäßigen Debütsaison hoch im Kurs, auch Mikhail Aleshin drängt in die Formel 1. Da es 2014 erstmals einen Grand Prix von Russland geben soll, werden die Piloten von der russischen Industrie tatkräftig unterstützt. Und Sauber-Neuzugang Sergio Pérez hat sogar den reichsten Mann der Welt, Telmex-Boss Carlos Slim, als Unterstützer.

"Es gibt drei Fahrer, die mehr als der Rest gezahlt haben." Andy Soucek

"Aleshin, Maldonado oder Perez, die ich sehr gut einschätze, haben es in die Formel 1 geschafft oder stehen kurz davor", stellt Soucek fest. "Doch das liegt auch daran, dass sie sehr potente Sponsoren haben." Er geht ins Detail: "Bevor man sich um einen Sitz bewirbt, sollte man fünf Millionen Euro an Sponsorgeldern mitbringen. Man sollte sich aber bis zu neun ausborgen, denn es gibt drei Fahrer, die mehr als der Rest gezahlt haben. Das bringt Fahrer wie de la Rosa und mich in eine beinahe ausweglose Situation, obwohl wir die Erfolge im Rücken haben und im Fahrerfeld sein sollten."

Dass die Situation den Sohn eines Österreichers und einer Französin belastet, ist unüberhörbar. Dennoch gibt er die Hoffnung nicht auf: "Wir müssen jetzt Geduld haben, denn die vier oder fünf Piloten, um die es geht, müssen auch ihr Talent zeigen, nicht nur ihre Finanzen. Zuerst kommen diese Kerle, doch danach werden sich bessere Gelegenheiten bieten."

Souceks Appell an die spanische Wirtschaft

Etwas Selbstmitleid kann sich Soucek verständlicherweise nicht verkneifen: "Du gewinnst die Formel 3, die Formel 2, du testest für Williams, du fährst in der GP2, in der Superleague, doch andere Piloten, die bereits in der Formel 1 sind, haben nicht so viele Erfolge vorzuweisen. Am Ende ist es nicht nur wichtig, gut zu sein."

"Ich werde alles tun, um in die Formel 1 zu kommen, doch es gibt auch andere Optionen." Andy Soucek

Aus diesem Grund richtet er nun einen Appell an die spanische Wirtschaft: "Wenn zahlungsfähige Firmen in unserem Land zusammen arbeiten, um die spanischen Piloten zu unterstützen, dann würde jeder in den Genuss von etwas Sponsorgeld kommen. Da hätten wir einmal Santander, die Alonso und Ferrari sponsern - also die beste Bank, der beste Fahrer und das beste Team. Das kann man nicht übertreffen, da haben Alonso und Montezemolo einen guten Fang gemacht. Alguersuari hat Red Bull, aber Pedro und ich haben nicht die Unterstützung einer Firma und benötigen Hilfe."

Sollte es abermals nicht mit der Formel 1 klappen, dann könnte sich Soucek auch einen Wechsel in eine andere Rennserie vorstellen: "Die Formel 1 hat für mich Priorität, doch es ist kompliziert und es gibt Alternativen. Ich spreche mit Team in der Indy-Car-Serie und in der DTM, die einen Wettbewerb bietet, der mir wirklich gefällt. Ich werde alles tun, um in die Formel 1 zu kommen, doch es gibt auch andere Optionen."

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