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  • 08.09.2011 · 14:21

  • von Stefan Ziegler & Dieter Rencken

Social Media und die Formel 1: "Wir stehen am Anfang"

Marketing-Experte Jim Wright gibt einen Einblick in die digitale Revolution in der Formel 1 und nennt einige mögliche Perspektiven für die Königsklasse

(Motorsport-Total.com) - Während sich viele Sportarten bereits mit Leichtigkeit im Bereich der Social Media tummeln und sehr intensiv mit ihren Fans interagieren, tut sich die Formel 1 nach wie vor schwer damit, dergleichen für sich zu entdecken. Viele Experten warnen die Königsklasse deshalb davor, sich nicht zu sehr auf die bisherigen Konzepte zu versteifen, um nicht zu riskieren, Trends und Möglichkeiten zu verschlafen.

3D-Kamera

Formel 1 in 3D: Eine von vielen Chancen, um die Königsklasse weiter zu optimieren

Im in dieser Hinsicht recht konservativen Rennzirkus von Formel-1-Chef Bernie Ecclestone stößt man damit allerdings zumeist auf taube Ohren. Die Protagonisten in Boxengasse und Fahrerlager scheinen nun aber erkannt zu haben, wie viel Potenzial aus Sicht der Grand-Prix-Szene ungenutzt bleibt. In naher Zukunft könnte daher durchaus ein Umdenken eintreten - mit positiven Folgen für die Fans.

"Die Formel 1 bewegt sich allmählich in eine Richtung, die andere Sportarten bereits eingeschlagen haben. Der Trend geht ganz klar dahin, dass TV-Übertragungen mit digitalen Medienangeboten kombiniert werden", sagt Jim Wright, der in den vergangenen Jahren bei vielen Formel-1-Teams als Marketing-Leiter die Fäden zog und unter anderem bei Williams und Marussia-Virgin angestellt war.

Die digitale Formel-1-Welt liegt noch brach

Der Brite ist fest davon überzeugt, dass die Formel 1 den Schritt hin zu einer verstärkten Präsenz in Social Media machen muss, um den Bedürfnissen der Fans gerecht zu werden. Facebook, Twitter und mobile Applikationen seinen erst der Anfang - die Königsklasse müsse solche Chancen aber beim Schopfe packen und selbst die Initiative ergreifen. "Das ist nämlich eine spannende Geschichte."

"Die Formel 1 sollte sich - mehr als jeder andere Sport - der digitalen Welt zuwenden." Jim Wright

"Die Formel 1 sollte sich - mehr als jeder andere Sport - der digitalen Welt zuwenden", findet Wright. "Es ist einfach ein ungeheuer komplexer Sport. Wenn du ihn in seiner Gänze verstehen willst, brauchst du viele Informationen. Ich denke, ein echter Formel-1-Fan möchte nachvollziehen, was in einem Rennen genau vor sich geht. Er will sogar darüber hinaus informiert sein", erläutert der Experte.

Ein ähnlicher Ansatz ging in den 1990er-Jahren schon einmal gründlich schief. Bernie Ecclestone wollte den Fans mit 'DF Eins' die Möglichkeit bieten, vom heimischen Sofa aus noch detailliertere Einblicke in die Formel 1 zu erhalten, doch dieses Konzept ging nicht auf. "Bernie war damals seiner Zeit voraus", meint Wright. Laut dem Marketing-Profi kam dies "schlichtweg ein bisschen zu früh".¿pbvin|512|4049||0|1pb¿

Die große Gelegenheit für die Königsklasse?

"Jetzt wäre die Zeit aber reif dafür. Der Einfallsreichtum von Apple gibt dem Konsumenten viel größere Möglichkeiten, Inhalte über verschiedene Plattformen abzugreifen", gibt Wright zu Protokoll. iPhone oder iPad würden Chancen bieten, von denen man vor einigen Jahren nur träumen konnte. "Viele Leute können aus unterschiedlichen Gründen ja nicht an jedem Sonntag um 14 Uhr zuhause sein."

"Wir haben da bisher möglicherweise immer etwas langsam reagiert." Jim Wright

Mobile Applikationen und die Möglichkeit, andere Kanäle als den Fernseher im eigenen Wohnzimmer anzuzapfen, seien die Zukunft der Formel 1. "Es wäre sehr zuträglich für den Formel-1-Fan, wenn so viele Informationen und Inhalte zugänglich wären", sagt Wright. "Wichtig ist, dass die Teams langsam aber sicher Pläne schmieden. Wir haben da bisher möglicherweise immer etwas langsam reagiert."

Laut Wright gebe es einen "gewissen Lernprozess" und "außerdem gilt es, eine bestimmte Balance einzuhalten, indem man keine Informationen preisgibt, die deinen Rivalen nützen könnten. Zugleich willst du aber auch interessante und spontane Inhalte produzieren. In meinen Augen hat das aber eine strahlende Zukunft in der Formel 1 vor sich. Für die Fans wäre es klasse - und genau das zählt."

Der Rennbesuch als finanzielle Belastung

Überhaupt sollte sich die Königsklasse des Motorsports auf ihre Zuschauer besinnen, meint der Marketing-Experte und erklärt seine Sicht der Dinge: "Der durchschnittliche Fan auf der Tribüne zeltet an der Strecke. Das sind normale Arbeitnehmer, die vielleicht nicht allzu viel verfügbares Einkommen haben. Sie müssen sich das Geld ansparen, wenn sie einmal im Jahr ein Rennen besuchen wollen."

"Sie müssen sich das Geld ansparen, wenn sie einmal im Jahr ein Rennen besuchen wollen." Jim Wright

"Das kostet ziemlich viel", stellt Wright heraus. "Wenn man dann noch von ihnen verlangt, dass sie für die Übertragung ihres Sports bezahlen müssen, wird es schwierig. Es würde mich interessieren, was es tatsächlich kostet, nach Silverstone zu reisen, einen Pay-TV-Sender zu abonnieren und das neuste Team-T-Shirt sowie eine Mütze zu kaufen. Und das alles ist dann nur auf eine Person umgemünzt."


Fotos: Großer Preis von Italien


"Will dein Sohnemann dann ebenfalls noch mit an die Strecke, wird das nicht billig", hält der Brite fest. Manchmal manifestiert sich dieser Umstand in leeren Tribünen. Dies ist einer der Gründe, weshalb die Formel 1 in der Türkei nie den Durchbruch schaffte. Laut Wright habe sich die Formel 1 dieses Ei aber selbst gelegt: Die Eintrittspreise am Istanbul Otodrom seien keineswegs realistisch für diese Region.

Wer muss den ersten Schritt machen?

"Die Ticketpreise waren dreimal so hoch wie bei einem Champions-League-Spiel in der gleichen Stadt. Das ist also sicher der falsche Weg", gibt Wright zu Protokoll und merkt an: "Ich denke, wir sollten die Preise reduzieren und ein größeres Publikum ansprechen, sodass wir mehr Leute anziehen. Es liegt an uns." Die Formel 1 müsse in dieser Hinsicht ihre bisherige Position verändern.

"Es liegt an uns." Jim Wright

Gefragt seien in diesem Zusammenhang in erster Linie "nicht die Teams, sondern den Sport, die Inhaber der kommerziellen Rechte und die jeweiligen Rennpromoter. Etwas mehr strategisches Denken wäre wünschenswert", meint Wright. "Die Medien, die Promoter und die Teams werden sich auf ihre Weise mit der Social-Media-Revolution beschäftigen, um ihre eigenen Rechte zu promoten."

"Ich sehe nicht, dass dies von nur einer Seite ausgeht. Bei Social Media geht es allerdings auch um Individualität und Spontaneität. Wenn du versucht, all dies zu regulieren und zu kontrollieren, verletzt du dieses Grundprinzip", erläutert der Formel-1-Routinier. Es gehe also darum, den Beteiligten nach Möglichkeit möglichst viel freie Hand zu lassen, um schließlich den gewünschten Erfolg zu erzielen.

TV und Social Media - alles aus einer Hand

"Ich könnte mir vorstellen, dass die Medienrechte immer weiter aufgesplittet werden, sodass wir einen primären, sekundären und sogar tertiären Markt haben. Es bleibt aber abzuwarten, ob dies ein Modell ist, das der Zuschauer auch annimmt. Niemand weiß, ob es funktioniert", sagt Wright. Interessant sei in dieser Hinsicht die TV-Umstellung in Großbritannien - ab 2012 wechseln sich 'BBC' und 'Sky' ab.

"Wir stehen da erst am Anfang und es wird noch eine Weile dauern." Jim Wright

Ein solcher Ansatz mit einer Mischung aus Pay-TV, Live-Berichterstattung und Highlight-Sendungen könnte sich langfristig durchsetzen. "In den kommenden fünf bis zehn Jahren wird dies bestimmt in vielen Ländern und Regionen umgesetzt", vermutet Wright und erklärt: "Ein großer TV-Sender kauft sich also die Rechte und damit auch die Möglichkeit, diese über digitale Plattformen zu streuen."

Dies sei aber nur der erste Schritt von vielen. "Wir haben halt kein Stadion wie die Fußballklubs und können daher nur schwer eine Fanbasis aufbauen", sagt Wright. "Erstmals sind wir nun jedoch dazu in der Lage, etwas Ähnliches zu lancieren und mit den Menschen in Kontakt zu treten. Wir stehen da aber erst am Anfang und es wird noch eine Weile dauern, bis wir es kommerziell nutzen können."

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