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Sensation: Hülkenberg deklassiert die Weltelite!

Nico Hülkenberg sorgt im verregneten São Paulo mit seiner ersten Pole-Position für eine Riesenüberraschung - WM-Quartett auf den Plätzen zwei bis fünf

(Motorsport-Total.com) - Alles hat vor dem heutigen Qualifying zum Grand Prix von Brasilien von den vier WM-Favoriten geredet, doch am Ende stahl Nico Hülkenberg allen die Show: Der São-Paulo-Neuling nutzte die Gunst der Stunde und fuhr sensationell auf Pole-Position, als erster Williams-Pilot seit Nick Heidfeld vor fünf Jahren auf dem Nürburgring, als erster Cosworth-Pilot seit Rubens Barrichello in Magny-Cours 1999!

Sebastian Vettel, Nico Hülkenberg und Mark Webber

Flankiert von den "Bullen": Nico Hülkenberg stahl heute allen die Show Zoom

"Es ist unfassbar, ich kann es noch gar nicht glauben", jubelt Hülkenberg über seine Sternstunde. "Die Pole ist natürlich sehr überraschend, aber das ist eine schöne Überraschung, mit der keiner gerechnet hat. Die letzte Runde war super, ohne Fehler, sehr am Limit. Großes Dankeschön ans Team, das mir ein hervorragendes Auto hingestellt hat. Ich habe alles aus dem Auto rausgeholt und versucht, nicht auf nasse Stellen zu kommen. Ich bin überglücklich und genieße jetzt diesen Moment."

Über eine Sekunde Vorsprung

Der 23-jährige Deutsche aus Emmerich, der inzwischen beim Williams-Team in Oxford lebt, wechselte bei abtrocknenden Bedingungen für den zweiten Q3-Run wie alle anderen auf Slicks und setzte sich mit seiner vorletzten Runde an die Spitze des Feldes. Hülkenberg konnte sich im letzten Versuch, den er idealerweise erst wenige Sekunden vor Ablauf der Zeit begann, sogar noch einmal steigern: 1:14.470 Minuten, 1,049 Sekunden Vorsprung auf den ersten Verfolger!

Nico Hülkenberg

Selbst Nico Hülkenbergs zweitschnellste Runde hätte für die Pole gereicht Zoom

"Erst dachte ich, ich hätte die Pole um eine Zehntel verpasst, dabei war es eine Sekunde - Gratulation an Nico! Er war heute besser als wir alle - da sehen wir nicht gut aus", gratuliert Sebastian Vettel (Red Bull) seinem Landsmann. Der Pechvogel von Südkorea ist aber trotz des großen Rückstands "zufrieden" mit seinem zweiten Platz: "Heute konnte man leicht einen Fehler machen und ich glaube, dass wir morgen sehr gute Chancen haben. Das Auto funktioniert gut."

Vettel ließ alle direkten Titelkonkurrenten hinter sich, setzte sich im wichtigen Stallduell gegen Mark Webber (3.) um 0,118 Sekunden durch. Das Quartett, das noch um die WM-Krone kämpft, lag überhaupt geballt beisammen: Vettel Zweiter, Webber Dritter, Lewis Hamilton (McLaren) Vierter und Fernando Alonso (Ferrari) Fünfter - und das alles innerhalb einer halben Sekunde, trotz der wechselhaften Wetterbedingungen!

Alonso sieht den Druck bei Red Bull

Alonso hat auf dem Papier die schlechteste Ausgangsposition, macht sich aber keine Sorgen, denn: "Der Druck liegt bei Red Bull und das Rennen ist erst morgen", meint der Spanier, der in der Fahrerwertung elf Punkte Vorsprung auf Webber hat, trotzig. "Samstags liegen sie 99 Prozent der Zeit vor allen anderen, aber sonntags ist es oft anders. Es wird ein interessantes Rennen, auch wegen Hülkenberg. Ich hoffe auf einen Podestplatz."


Fotos: Großer Preis von Brasilien, Samstag


"Ich habe dieses Qualifying genossen, es war eine Herausforderung", sagt Webber, dem das Lächeln etwas leichter über die Lippen kam. "Ich bin froh, vorne dabei zu sein, denn es war ungeheuer schwierig, saubere Runden hinzubekommen. Die letzte Session war unfassbar schwierig, aber ich habe mein absolut Bestes gegeben, was sehr nahe an Seb dran war. Nico war sehr selbstsicher und hat das Beste daraus gemacht, aber wir können zufrieden sein."

Hülkenbergs Teamkollege Barrichello lieferte über weite Strecken ebenfalls eine grundsolide Performance ab und rundete als Sechster ein hervorragendes Williams-Ergebnis ab. Der Traditionsrennstall aus Grove träumt nun schon von der ganz großen Sensation, aber Teilhaber Patrick Head ist Realist: "Wir behaupten nicht, dass wir im Trockenen gegen Red Bull oder Ferrari bestehen können, aber wir werden unser Bestes geben."

Schumacher ein wenig enttäuscht

Siebter wurde Robert Kubica (Renault), der auf seiner vorletzten Runde an der gleichen Stelle wie Webber, kurz vor der zweiten Zwischenzeit, neben der Strecke war, Achter Michael Schumacher. Der siebenfache Weltmeister lag nach dem ersten Run noch sensationell an zweiter Stelle und gewann auch das Stallduell gegen Nico Rosberg, der als 13. bereits in Q2 die Segel streichen musste, hätte aber insgeheim auf mehr gehofft.

Michael Schumacher

Michael Schumacher lag lange weit vorne, wurde am Ende aber nur Achter Zoom

Das spricht der Mercedes-Pilot auch offen aus: "Ich hatte definitiv mehr erwartet, denn das sind die Bedingungen, unter denen ich dieses Jahr schon öfter mehr aus dem Auto rausgeholt habe", so Schumacher, der aber immerhin weiß, woran es lag: "Ich denke, der Grund ist, dass ich beim Rausfahren Webber und Vettel überholen lassen musste. Dabei sind meine Reifen abgekühlt. Anders kann ich es mir nicht erklären."

Sportchef Norbert Haug lobt die "gute Vorstellung" seines berühmtesten Angestellten, während sich Rosberg, der am Donnerstag noch angekündigt hatte, bei Regen möglicherweise sogar in die erste Startreihe fahren zu können, grün und blau ärgert: "13 ist Quatsch! Ich hatte mit dem letzten Reifensatz gar keinen Grip, war auf der Hinterachse nur am Rutschen. Der Hinterreifen war stark abgenutzt, wie ich gesehen habe. Schwierig zu erklären."

Weltmeister Button vor der Entthronung

Genau wie Rosberg erwischte es auch Jenson Button (McLaren/11.) schon in Q2, ebenso wie Sébastien Buemi (Toro Rosso/15.), der in der Startaufstellung um weitere fünf Positionen nach hinten wandert, und Nick Heidfeld (Sauber/16.). Beinahe wäre auch Felipe Massa (Ferrari) ausgeschieden, aber der Lokalmatador schob sich bereits nach Ablauf der regulären Zeit noch um 88 Tausendstelsekunden an Button vorbei!

Adrian Sutil

Regenspezialist Adrian Sutil, im Vorjahr noch Dritter, scheiterte in Q1 Zoom

Bitter aus deutscher Sicht der 18. Platz von Regenspezialist Adrian Sutil: "Es ist seit ein paar Rennen schwierig, besonders im Qualifying geht nichts nach vorne. Im Vorjahr war ich bei den gleichen Bedingungen noch Dritter, jetzt bin ich 18. Ich hatte einfach null Grip und starkes Graining", so der Force-India-Pilot, der ebenfalls noch um fünf Plätze nach hinten rückt. Aber: "Das ist jetzt auch schon egal. Im Rennen ist immer viel möglich und im Trockenen sollte es besser gehen."

Die "B-Pole-Position" der neuen Teams eroberte bei zu dem Zeitpunkt noch völlig nasser Strecke Timo Glock (Virgin), der der das Lotus-Duo Jarno Trulli und Heikki Kovalainen knapp hinter sich lassen konnte. "Ich bin zufrieden", freut sich der Deutsche, der bei Regen schon oft seine fahrerische Klasse demonstriert hat. "Bei solchen Bedingungen musst du da sein und darfst keine Fehler machen. Das habe ich gut hingekriegt."

Senna gegen Klien erneut chancenlos

Bei Lotus ärgert man sich: "Enttäuschend. Heikki hatte Pech mit dem Verkehr, wurde gleich zweimal von Heidfeld aufgehalten", tobt Technikchef Mike Gascoyne. Das Stallduell bei HRT gewann indes erwartungsgemäß Christian Klien um 0,713 Sekunden gegen Bruno Senna. Letzterem wurde der Druck beim Heimspiel anscheinend zu groß, stand er doch im vorletzten Run auf einmal entgegen der Fahrtrichtung auf der Strecke.

Bruno Senna

Bruno Senna wurde im "Wohnzimmer" seines Onkels Ayrton der Druck zu groß Zoom

Morgen - gestartet wird um 17:00 Uhr MEZ - erwartet uns also ein spannender Grand Prix mit einem sicher voll motivierten Polesetter Hülkenberg. Der könnte heute sein Williams-Stammticket für 2011 gelöst haben: "Die erste Pole ist ein emotionaler und historischer Moment. Ich hoffe, dass ich noch viele Jahre Formel 1 fahren werde, aber jetzt gerade fehlen mir ehrlich gesagt die Worte." Doch Head wiegelt ab: "Jetzt denken wir erstmal ans Rennen."

Favoriten auf den Sieg bleiben ungeachtet der sensationellen Leistung des Williams-Rookies Vettel und Webber, die am meisten Anpressdruck haben und in den trockenen Trainings nahezu unschlagbar waren. Im zweiten Qualifying könnten es sich die beiden sogar leisten, am Ende gar nicht mehr rauszugehen, als alle anderen noch die abtrocknenden Bedingungen nutzten - und trotzdem blieben sie fast vier Zehntelsekunden vor Kubica...

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