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"Sehr beeindruckend": McLaren testet mit Colton Herta in Portimao

IndyCar-Fahrer Colton Herta hat mit McLaren einen zweitägigen Formel-1-Test in Portimao absolviert und sagt: "Ich denke, ich bin schnell genug"

(Motorsport-Total.com) - Colton Herta, der seit seinem Einstieg in die IndyCar-Serie im Jahr 2019 sieben Siege und acht Polepositions errungen hat, testete in dieser Woche den letztjährigen McLaren MCL35M und absolvierte an zwei Tagen 162 Runden auf dem 4,653 Kilometer langen Autodromo Internacional do Algarve.

Colton Herta

Colton Herta hofft nach seinem ersten Test auf FT1-Einsätze Zoom

Obwohl auf einer Strecke gefahren wurde, für die McLaren dank der Austragung der portugiesischen Grands Prix über Daten verfügt, betont Herta, dass ein Vergleich mit den Rundenzeiten der Formel-1-Stammfahrer im MCL35M schwierig sei.

"Dies ist eine Strecke, die wegen der Winde und so vieler verschiedener Faktoren so schwer zu verstehen ist", erklärt er. "Es ist auch ein bisschen kühler als am Rennwochenende."

"Ich war mit der Rundenzeit zufrieden, aber wir haben einen etwas anderen Reifen als an einem Rennwochenende. Und wenn man sich die Aussagen vieler Jungs von vor einem Jahr anschaut, dann haben sie darüber gesprochen, wie windig es hier ist und wie sehr das das Auto von Kurve zu Kurve verändern kann."

Was die Rundenzeiten betrifft, sei ein Vergleich deshalb schwierig. "Ich denke, die Ingenieure werden anhand der Daten wissen, ob man schnell ist oder nicht", so Herta.

Herta hat Selbstvertrauen getankt

Auf die Frage, ob er zuversichtlich ist, in der Formel 1 konkurrenzfähig sein zu können, antwortet der 22-Jährige: "Ja, ja ... Diese Frage kann man nicht mit Nein beantworten, sonst wäre man kein professioneller Fahrer. Also ja, ich denke, ich bin schnell genug."

"Ob sie mir zustimmen, wird die Zeit zeigen, und hoffentlich bekomme ich mehr Chancen im Auto und kann es zeigen." Nicht umsonst erklärt der US-Amerikaner, dass er an FT1-Einsätzen später im Jahr interessiert wäre, obwohl er zugibt, dass sie im Hinblick auf die verfügbare Streckenzeit weniger hilfreich wären.

"Das Freitagstraining ist sicherlich etwas, für das ich offen wäre", sagt Herta. "Was die erlaubten Testtage angeht, so gibt es nichts Besseres, denn man hat die ganze Strecke für sich allein. Man hat all die Zeit im Auto, die man im FT1 in 60 Minuten natürlich nicht hat."

"Aber es wäre cool, einen Vorgeschmack auf die 2022er-Autos zu bekommen und zu sehen, wie sie sich mit diesem Auto vergleichen lassen. Also ja, ich wäre bereit dafür."

Seinen ersten Formel-1-Test beschrieb der IndyCar-Fahrer als "eine Menge Spaß" und war tief beeindruckt von der Beschleunigung des Autos. "Ich glaube, das erste, was mir auffiel, als ich aus der Boxengasse kam, war das unglaubliche Drehmoment", schwärmt er.

"Selbst wenn man bei so niedrigen Drehzahlen fährt, zieht er immer noch. Das war das Wichtigste für mich - die Geschwindigkeit auf der Geraden, die Beschleunigung und das Bremsen. Natürlich war die Kurvenspeed höher als in einem IndyCar, aber das fiel mir nicht so sehr auf wie die beeindruckende Beschleunigung."

Die größten Unterschiede zum IndyCar

Was das Kurvenverhalten angeht, so gibt Herta zu: "Es ist ein völlig anderes Gefühl. Das Gefühl, das man in einem IndyCar bekommt, ist ganz anders, weil es keine Servolenkung gibt. Daran musste man sich also erst einmal gewöhnen - die Hände zu verlangsamen."

"Und natürlich ist das Tempo auf den Straßenkursen viel höher, aber insgesamt war es gut, ein Gefühl dafür zu bekommen, was diese Dinger leisten können", so der 22-Jährige.

Der Test sei auch lang genug gewesen, um sich intensiv mit dem ständigen Feintuning zu beschäftigen, das beim Set-up eines Formel-1-Autos möglich ist: "Wir konnten viele verschiedene Dinge ausprobieren, viele verschiedene Änderungen an der mechanischen und aerodynamischen Balance des Autos."

"Und dann konnte ich im Auto selbst mit all den Tools, den verschiedenen Einstellungen und all diesen Dingen spielen. Es war ziemlich cool zu sehen, wie sich die Balance verändert und was man mit dem Auto von innen alles machen kann. Das war ein bisschen mehr als das, was wir im IndyCar machen können."

Er habe sich "auf Anhieb" wohlgefühlt, betont er, gibt aber zu: "Das Schwierigste war, eine Runde zusammenzubekommen. Ich glaube, dass ich etwa zur Halbzeit des ersten Tages am Limit war, aber das waren nur einzelne Kurven, die am Ende zusammenpassten."

"Am zweiten Tag gelang mir das dann auf kompletten Runden - mit wenig Benzin, mit viel Benzin und alles dazwischen. Aber es hat eine Weile gedauert, ganz sicher", so Herta.

Colton Herta

In Portimao testete Herta zwei Tage lang der Formel-1-McLaren von 2021 Zoom

Wie viele Tage er noch brauchen würde, um sich vollständig vorbereitet zu fühlen, sei schwer zu sagen, "wenn man ein Testprogramm mit einem ein Jahr alten Auto absolviert". "Aber was das Wohlbefinden angeht, so habe ich mich im Auto sehr wohlgefühlt."

"Ich konnte das Limit spüren. Vielleicht nicht mit der Konstanz, die sich mit ein paar mehr Tagen einstellen würde, aber ich hatte das Gefühl, dass ich nahe dran war", zeigt sich Herta selbstsicher und macht deutlich, dass ein Wechsel in die Formel 1 "ein Ziel von mir ist, und zwar schon seit einiger Zeit".

Herta hat Formel-1-Aufstieg im Visier

Gelingen soll der Schritt in zwei oder drei Jahren - und nicht erst in zehn. "Ich denke, wenn ich so lange warten würde, würde es nicht passieren", sagt er. "Heutzutage ist die Formel 1 definitiv eine Branche für junge Männer, um dort einzusteigen. Zum Glück habe ich noch ein wenig Zeit, wenn sich die Gelegenheit ergibt."

Im Moment mache er sich aber keine großen Gedanken. "Ich werde einfach versuchen, so schnell wie möglich zu fahren und mir hoffentlich irgendwann ein paar Türen zu öffnen."

Bezüglich der Chancen von Herta, im Jahr 2024 einen Platz im Formel-1-Team von McLaren zu übernehmen, hält sich Teamchef Andreas Seidl bedeckt. "Das Ziel dieses Tests war es, wie Colton schon sagte, ihm die Möglichkeit zu geben, zum ersten Mal ein F1-Auto zu erleben und dessen Leistung zu erkunden."


Erster Formel-1-Test für Colton Herta mit McLaren

IndyCar-Star Colton Herta hat in dieser Woche seinen ersten Formel-1-Test absolviert. Der junge US-Amerikaner fuhr in Portimao zwei Tage lang den McLaren MCL35M des Vorjahres. Weitere Formel-1-Videos

"Darauf lag der Fokus, und was als Nächstes kommt, ist etwas, das wir Schritt für Schritt angehen und für das wir uns auch Zeit nehmen. Das ist der Stand der Dinge", sagt Seidl.

"Wenn man diese beiden Testtage durchführt, gibt es natürlich unterschiedliche Testziele", erklärt er weiter. "In erster Linie geht es darum, Colton die Möglichkeit zu geben, sich an das Auto zu gewöhnen, aber auch darum, den Fokus auf die Arbeit an verschiedenen, sagen wir mal, Fahrtechniken zu legen."

"Er soll sich an die verschiedenen Aspekte eines Formel-1-Rennwochenendes gewöhnen, zum Beispiel verschiedene Reifenmischungen vergleichen, mit unterschiedlichen Kraftstoffmengen fahren, Quali-Runs und Rennsimulationen absolvieren."

Teamchef mit ersten Herta-Test zufrieden

Vor diesem Hintergrund sei das Team "sehr beeindruckt" gewesen, "wie Colton mit all diesen Herausforderungen und seiner professionellen Herangehensweise umgegangen ist".

"Und es war auch schön zu sehen, dass seine körperliche Vorbereitung es ihm ermöglichte, während der zwei Tage wirklich durchzuhalten, da er weiß, wie herausfordernd es in einem Formel-1-Auto auf einer Strecke wie Portimao sein kann", betont Seidl.

"Diese Herangehensweise und die Zusammenarbeit mit dem Team haben es ihm erlaubt, eine gute Pace zu finden und allmählich Vertrauen zu gewinnen. Außerdem hat er immer die richtige Balance zwischen Risiko und dem Halten des Autos auf der Strecke gefunden, was bei einem Test natürlich auch wichtig ist."

Andreas Seidl

Andreas Seidl ist mit den potenziellen McLaren-Rookies zufrieden Zoom

Obwohl Seidl Herta zustimmt, dass ein direkter Vergleich der Rundenzeiten mit denen der McLaren-Fahrer aus dem Vorjahr nicht möglich ist, werde das Team die Daten untersuchen und Hertas Potenzial angesichts der relativen Unterschiede bei Strecke, Wetter und Reifenmischungen einzuschätzen wissen.

"Dann werden wir ein besseres Bild oder eine gute Idee haben", sagt Seidl. "Und das wird natürlich auch Teil unserer Bewertung sein, wie die nächsten möglichen Schritte aussehen könnten." Heißt: Auf dieser Grundlage soll über mögliche FT1-Einsätze entschieden werden.

"Wie Sie wissen, sind wir durch das Reglement verpflichtet, in diesem Jahr zweimal einen Formel-1-Rookie in einem ersten Freien Training einzusetzen. Wir planen, das an den Rennwochenenden irgendwann nach der Sommerpause zu tun. Wir haben also noch Zeit, um zu entscheiden, wann und mit wem wir das tun."

In dem Zusammenhang bestätigt der McLaren-Teamchef, Hertas IndyCar-Rivale Pato O'Ward ein weiterer infrage kommender Fahrer sei. Der Mexikaner fährt derzeit für Arrow McLaren SP und ist das dritte Jahr in Folge ein Meisterschaftsanwärter. Er hat im vergangenen Winter ein Formel-1-Auto für das Team getestet.

"Was weitere Testmöglichkeiten für Pato angeht, so sind wir gerade dabei, diese zu evaluieren", sagt Seidl. "Er hatte vergangenen Jahr einen guten Test mit uns in Abu Dhabi, wo wir sehr zufrieden damit waren, wie sich Pato vorbereitete und währenddessen schlug."

"Ich würde also sagen, unser erster Eindruck oder unsere Schlussfolgerung, auch wenn das langweilig klingt, ist: Wir sind zufrieden mit dem, was beide Jungs bisher gezeigt haben."

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